Aktuelles, Experten - geschrieben von dp am Donnerstag, März 19, 2026 9:02 - noch keine Kommentare
Ende der freiwilligen Chatkontrolle voraus: eco plädiert gegen Suchpflicht im Rahmen der CSAM-Verordnung
Der eco warnt davor, dass nun Zeitdruck zu übereilten Entscheidungen führen und somit Grundrechte gefährden könnte – ohne dabei einen effektiven Beitrag zum Kinderschutz zu leisten
[datensicherheit.de, 19.03.2026] Der eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. nimmt aktuell Stellung zu den gescheiterten EU-Verhandlungen zur „Chatkontrolle“ – diese verschärfen demnach den Zeitdruck in den sogenannten Trilog-Verhandlungen zur „CSAM-Verordnung“ („Child Sexual Abuse Material“ / CSAM) erheblich. Der eco betont nun, dass dieser Druck nicht zu übereilten Entscheidungen führen darf, die Grundrechte gefährden und gleichzeitig keinen effektiven Beitrag zum Kinderschutz leisten.

Foto: eco
Alexandra Koch-Skiba mahnt: Die EU-Gesetzgeber stehen nun vor der Aufgabe, kurzfristig Rechtssicherheit für freiwillige Maßnahmen zu schaffen…
EU-Rat und Europäisches Parlament uneins über Verlängerung der Ausnahmeregelung
Im Zuge des Auslaufens der temporären Ausnahmeregelung der freiwilligen Chatkontrolle am 3. April 2026 drohe in der Europäischen Union (EU) eine rechtliche Lücke bei der freiwilligen Erkennung von Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs im Internet.
- Nachdem sich der EU-Rat und das Europäische Parlament nicht auf eine Verlängerung der Ausnahmeregelung hätten einigen können, erhöhe sich nunmehr der Druck, eine baldige und langfristige Lösung für freiwillige proaktive Maßnahmen der Dienste-Anbieter im Rahmen der Trilog-Verhandlungen für die „CSAM-Verordnung“ zu finden.
Alexandra Koch-Skiba, die Leiterin der eco-Beschwerdestelle kommentiert: „Das Auslaufen der aktuellen Rechtsgrundlage für freiwillige Maßnahmen zur Erkennung von Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs schafft eine rechtliche und praktische Unsicherheit, die weder im Interesse des Kinderschutzes noch der beteiligten Unternehmen ist!“
Der eco warnt vor allgemeiner Überwachung und Beschädigung der Integrität von Ende-zu-Ende-Verschlüsselungen
Aus Sicht der Internetwirtschaft sei klar: Der Schutz von Kindern im Digitalen Raum erfordere wirksame, praxistaugliche und rechtskonforme Instrumente. Freiwillige Maßnahmen der Anbieter leisteten hierzu seit Jahren einen wichtigen Beitrag und sollten auch weiterhin auf einer stabilen rechtlichen Grundlage möglich bleiben.
- Gleichzeitig bestätige die aktuelle Entwicklung, dass Eingriffe in private Kommunikation ein sehr sensibler Bereich seien und es weiterhin keine tragfähige Mehrheit für anlasslose und flächendeckende Eingriffe in private Kommunikation gebe.
Eine verpflichtende oder faktische Suchpflicht würde grundlegende Prinzipien wie Verhältnismäßigkeit, das Verbot allgemeiner Überwachung sowie die Integrität von Ende-zu-Ende-Verschlüsselung infrage stellen.
eco-Votum für einen kohärenten Rahmen, um bestehende erfolgreiche Strukturen zu stärken
Koch-Skiba unterstreicht: „Wir appellieren darum, dass – trotz der geplatzten Verlängerung der temporären Ausnahmeregelung für freiwillige Suchmaßnahmen – im Rahmen der Trilog-Verhandlungen zur CSAM-Verordnung von Suchverpflichtungen für alle Anbieter von Hosting-Diensten oder Diensten interpersoneller Kommunikation endgültig Abstand genommen wird!“
- Statt regulatorischer Ansätze, welche technisch nicht umsetzbar seien oder neue Sicherheitsrisiken schafften, brauche es einen kohärenten Rahmen, um bestehende erfolgreiche Strukturen zu stärken: Dazu zählten insbesondere die enge Zusammenarbeit mit Beschwerdestellen, Strafverfolgungsbehörden und internationalen Netzwerken sowie die konsequente Entfernung illegaler Inhalte an der Quelle.
Koch-Skibas Fazit: „Die EU-Gesetzgeber stehen nun vor der Aufgabe, kurzfristig Rechtssicherheit für freiwillige Maßnahmen zu schaffen und gleichzeitig eine ausgewogene, grundrechtskonforme und effektive Regelung in den weiteren Gesetzgebungsprozessen sicherzustellen. Kinderschutz und der Schutz sicherer digitaler Kommunikation dürfen dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden!“
Weitere Informationen zum Thema:
eco VERBAND DER INTERNETWIRTSCHAFT
Über uns: eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. / Wir gestalten das Internet.
eco VERBAND DER INTERNETWIRTSCHAFT
Kontakt / Ihre Ansprechpartner
eco, BESCHWERDESTELLE
HINTERGRUNDPAPIER: 30 Jahre eco Beschwerdestelle – 30 Jahre engagiert gegen rechtswidrige Inhalte im Netz
eco, BESCHWERDESTELLE
Jahresbericht 2025
EUR-Lex
Trilog
datensicherheit.de, 10.04.2024
98,35 Prozent: eco-Beschwerdestelle meldet Erfolgsquote 2023 bei webbasierten Inhalten weltweit / Vorlage des Jahresberichts der eco-Beschwerdestelle am 9. April 2024 für das Jahr 2023
datensicherheit.de, 19.10.2022
Chatkontrolle: Protest verbreitet sich europaweit / European Digital Rights startet Kampagne gegen Chatkontrolle unter dem Motto „Stop Scanning Me!“
datensicherheit.de, 10.10.2022
EU-Pläne zur Chatkontrolle: 20 zivilgesellschaftliche Organisationen üben Kritik in einem gemeinsamen öffentlichen Aufruf / Überwachungsinfrastruktur von erschreckendem Ausmaß könnte in der EU etabliert werden
Aktuelles, Experten - März 19, 2026 9:18 - noch keine Kommentare
Drohender Flickenteppich bei KI-Regeln nach Abstimmung im EU-Parlament
weitere Beiträge in Experten
- Ende der freiwilligen Chatkontrolle voraus: eco plädiert gegen Suchpflicht im Rahmen der CSAM-Verordnung
- Recht auf Leben ohne Digitalzwang: Digitalcourage-Petition im Endspurt
- BfDI Prof. Dr. Louisa Specht-Riemenschneider hat Rückzug angekündigt
- KMU-Sicherheitslücke beim Drucken: Drucksicherheit für 62 Prozent von geringer Priorität
- Qualifizierung: Deutschlands Schwachstelle der KI-Offensive
Aktuelles, Branche - März 18, 2026 17:16 - noch keine Kommentare
Ubuntu – Neue Linux-Sicherheitslücke ermöglicht Root-Zugriff über Snap-Mechanismus
weitere Beiträge in Branche
- Umwälzung der Weltordnung: Europa benötigt sichere und souveräne Lösungen zur selbstbestimmten Verteidigung
- Datenrettung bei Maschinen und Anlagen: Wiederherstellung von Maschinensteuerungen immer einen Versuch wert
- Phishing-Angriffe zu Feiertagen: Ostern droht wieder ein saisonaler Höhepunkt
- World Backup Day: Anlass zur Neubewertung eigener Cyberresilienz als Chefsache
- „CrackArmor“: Neun Sicherheitslücken in Millionen von Linux-Systemen entdeckt
Aktuelles, A, Experten, Service, Wichtige Adressen - Jan. 13, 2026 1:08 - noch keine Kommentare
Registrierung bei ELEFAND: Krisen- und Katastrophenvorsorge bei Auslandsaufenthalten
weitere Beiträge in Service
- DigiCert-Umfrage: Manuelle Zertifikatsprozesse führen zu Ausfällen, Compliance-Fehlern und hohen Verlusten im Unternehmen
- Threat Hunting: Bedeutung und Wertschätzung steigt
- Umfrage: 71 Prozent der IT-Entscheidungsträger besorgt über Mehrfachnutzung von Passwörtern
- Fast die Hälfte der Unternehmen ohne geeignete Sicherheitsrichtlinien für Remote-Arbeit
- Umfrage: Bedeutung der Konsolidierung von IT-Sicherheitslösungen


