Aktuelles, Experten - geschrieben von dp am Mittwoch, Februar 18, 2026 0:10 - noch keine Kommentare
Burnout-Probleme der Cybersicherheitsbranche: Stress und Erschöpfung berühren Unternehmenskultur
Eine gegen Burnout widerstandsfähige Belegschaft im Bereich Cybersicherheit erfordert eine Umgebung, in der Menschen eine Karriere aufbauen können, ohne sich dabei aufzuopfern
[datensicherheit.de, 18.02.2026] „Die Cybersicherheitsbranche nähert sich einem Wendepunkt, die Anzeichen dafür sind kaum zu übersehen: Stress, Erschöpfung und der ständige Druck, immer wieder auf neue Bedrohungen vorbereitet zu sein. Sie werden schnell zur Normalität für viele Fachleute in der gesamten Branche“, berichtet Jonathan Reiter, „Lead Instructor for Offensive Operations“ beim SANS Institute, in seiner aktuellen Stellungnahme. Ein Burnout ist demnach nicht mehr nur ein persönliches Problem, sondern ein systemisches Risiko – und der technologische Wandel verschärfe dieses Problem noch. Eine widerstandsfähige Belegschaft im Bereich Cybersicherheit erfordere mehr als nur fortschrittliche „Tools“ – sie erfordere Umgebungen, in denen Menschen eine sinnvolle Karriere aufbauen könnten, ohne sich dabei selbst aufopfern zu müssen. „Die Zukunft dieses Bereichs hängt davon ab!“

Foto: SANS Institute
Jonathan Reiter rät, Fachkräften Raum zum Wachsen zu geben, ohne dass diese befürchten müssen, durch jene Technologie ersetzt zu werden, welche sie eigentlich beherrschen sollen
KI als potenzieller Burnout-Treiber
Nirgendwo werde dies deutlicher als in den Auswirkungen Künstlicher Intelligenz (KI) auf den täglichen Arbeitsrhythmus im Bereich Cybersicherheit: Die Automatisierung erweitere zwar die Möglichkeiten eines einzelnen Analysten, schaffe aber auch eine neue Ebene der Unsicherheit.
- „Berufseinsteiger, die am Anfang ihrer Karriere stehen, befürchten, dass KI die Aufgaben eliminieren wird, die ihnen einst dabei halfen, grundlegende Erfahrungen zu sammeln. Einige Unternehmen testen sogar den vollständigen Ersatz von Entwicklungsfunktionen.“ Dieser Trend treffe Studenten und Absolventen besonders hart, welche ohnehin bereits das Gefühl hätten, sich mehr und schneller als je zuvor anstrengen zu müssen.
Die traditionellen „Tier 1“-Positionen, welche einst als Einstiegspunkt für die meisten Analysten gedient hätten, entwickelten sich zu automatisierten Arbeitsabläufen. Dadurch blieben ihnen weniger Möglichkeiten zum Lernen durch praktische Erfahrung. „Ohne sinnvolle Ausbildungswege steigen Menschen mit hohen Erwartungen in die Cybersicherheit ein – haben aber wenig Raum, um sich in einem nachhaltigen Tempo weiterzuentwickeln“, kommentiert Reiter.
Erschöpfung: Burnout kann selbst Mitarbeiter mit erfüllender Tätigkeit befallen
„Burnout tritt auch an Orten auf, an denen man ihn am wenigsten erwartet. Selbst erfüllende Arbeit bringt die Experten schließlich an ihre Grenzen.“ Viele in diesem Bereich erlebten das gleiche Muster: Engagement verwandele sich in Erschöpfung – und die Intensität, die einst zu Höchstleistungen angespornt habe, werde zu dem, „was diese untergräbt“.
- Das Umfeld könne den Unterschied zwischen Resilienz und totalem Zusammenbruch ausmachen. „Es geht also um die Unternehmenskultur!“, betont Reiter. Negativität verbreite sich schnell in Teams, welche ohnehin schon überlastet seien. Er unterstreicht: „Wenn Kollegen erschöpft, überarbeitet oder zynisch sind, überträgt sich die emotionale Belastung auf alle anderen. Die Unternehmenskultur ist in der Cybersicherheit kein immaterieller Vorteil. Sie ist ein direkter Indikator für Mitarbeiterbindung, Leistung und die Frage, ob Menschen glauben, dass sie eine langfristige Karriere in diesem Bereich aufbauen können.“
Eine der schädlichsten Überzeugungen in der Cybersicherheit sei die Vorstellung, dass echtes Engagement eine vollständige Hingabe erfordere. Die Branche belohne oft diejenigen, „die rund um die Uhr online, vernetzt und engagiert sind“. Diese Denkweise führe aber eben schnell zum Burnout. Fachleute brauchten ein Leben und Interessen außerhalb von Bedrohungsinformationen, Erkennungstechnik und „Red Team“-Übungen.
Genesung vom Burnout und dessen Vorbeugung mittels Achtsamkeit gegenüber menschlichen Bedürfnissen
Reiter gibt zu bedenken: „Hobbys, die nichts mit Technologie zu tun haben, schaffen Raum zum Entspannen und Auftanken: Dies kann Gartenarbeit, Fitness, Kunst, Schreiben oder alles andere sein, was den ständigen Kreislauf der digitalen Problemlösung unterbricht. Kurze Spaziergänge über den Tag verteilt helfen dabei, die Intensität langer technischer Sitzungen zu unterbrechen, insbesondere wenn sie mit Sonnenlicht und frischer Luft verbunden sind.“ Dies sei indes kein Luxus – sondern wichtige Gewohnheiten für Menschen, „die in einem Bereich arbeiten, der anhaltende Aufmerksamkeit und schnelle Entscheidungen erfordert“.
- Die Genesung vom Burnout und dessen Vorbeugung beruhten auf Mustern, welche einfach erschienen, aber einen großen Unterschied machten: Meditation, Atemübungen und Erdungsroutinen könnten helfen, geistige Klarheit wiederzuerlangen. Durch die Reduzierung von Ablenkungen gelinge es, den oft Ängste schürenden Lärm zu beruhigen.
Regelmäßige Pausen im Freien förderten Konzentration, und Hobbys, welche nichts mit Cybersicherheit zu tun hätten und würden helfen neue Energie zu tanken. Am wichtigsten sei es jedoch, Schlaf und Ernährung zu Prioritäten zu machen. „Es ist fast unmöglich, klar zu denken, effektiv zu reagieren oder gut zu führen, wenn diese beiden Dinge vernachlässigt werden!“
Burnouts schleichen sich oft durch eher subtile Anzeichen ein
Ein Burnout kündige sich selten lautstark an. „Es schleicht sich durch subtile Anzeichen wie Rückzug, unvollendete Aufgaben, Reizbarkeit oder das Gefühl ein, dass alltägliche Aufgaben plötzlich überwältigend erscheinen. Diese frühen Anzeichen sind kein Signal, noch mehr zu leisten. Sie sind eine Warnung, dass sich etwas ändern muss.“
- Führungskräfte im Bereich der Cybersicherheit müssten Burnouts genauso behandeln wie Schwachstellen in ihrer Umgebung: Diese könnten identifiziert werden, sie könnten gemildert werden. Reiter warnt vor erheblichem Schaden anrichten bei Ignoranz gegenüber diesen Herausforderungen. „Wenn Unternehmen in eine gesündere Kultur und nachhaltige Arbeitsbelastung investieren, gewinnen sie mehr als nur eine bessere Arbeitsmoral.“
Reiters Fazit: „Sie gewinnen langfristige Leistungsfähigkeit, Kreativität und stärkere Teams. Da KI die Branche neu gestaltet, müssen Führungskräfte neue Karrierewege schaffen, die Fachkräften Raum zum Wachsen geben, ohne dass sie befürchten müssen, durch die Technologie ersetzt zu werden, die sie beherrschen sollen.“
Weitere Informationen zum Thema:
SANS
About SANS Institute
SANS
Jonathan Reiter – Certified Instructor
gi gesundheitsinformation.de verstehen | abwägen | entscheiden
Was ist ein Burnout?
datensicherheit.de, 16.12.2025
Zunahme der Cyberbedrohungen: 84 Prozent aller IT-Fachleute immer mehr gestresst / Die im Auftrag von Object First Befragten benötigen mehr Unterstützung zum Schutz ihrer psychischen Gesundheit durch ihre Arbeitgeber sowie benutzerfreundlichere IT-Sicherheitslösungen
datensicherheit.de, 26.02.2025
Stärkung der Sicherheitskultur im Unternehmen durch intensiven Informationsaustausch / KnowBe4-Bericht zur „verborgene Kraft des Informationsaustauschs bei der Gestaltung der Sicherheitskultur eines Unternehmens“ erschienen
Aktuelles, Experten, Produkte - Feb. 18, 2026 0:40 - noch keine Kommentare
Müll als Datenquelle: Thermische Abfallbehandlung zur Energiegewinnung mit IoT-Datenauswertung
weitere Beiträge in Experten
- Burnout-Probleme der Cybersicherheitsbranche: Stress und Erschöpfung berühren Unternehmenskultur
- Cybersicherheit – Wenn eine verzerrte Selbstwahrnehmung zum Sicherheitsrisiko wird
- Verlängerung des Drohnen-Führerscheins notwendig, aber längst nicht hinreichend
- Grundinstandsetzung der Staatsbibliothek in Berlin: Rund 5,4 Millionen Bücher auf vier andere Standorte zu verteilen
- Deutschland-Stack: TeleTrusT-Kommentar zur gegenwärtigen Konzeption zeigt Handlungsbedarf auf
Aktuelles, Branche, Gastbeiträge - Feb. 17, 2026 17:47 - noch keine Kommentare
Cybersicherheit – Wenn eine verzerrte Selbstwahrnehmung zum Sicherheitsrisiko wird
weitere Beiträge in Branche
- Fake-WebShops und -Dating-Plattformen: Verschärfung der Cyberbedrohungen rund um den Valentinstag
- Kaspersky-Warnung vor Cyberbetrug rund um den Valentinstag: Betrüger ködern mit vermeintlichen Geschenkkarten
- Datenschutz in Echtzeit: Wie Daten-Streaming die Kunden in einer KI-gesteuerten Welt schützt
- OpenClaw: Vom Tech-Experiment zum Enterprise-Albtraum
- eRecht24 startet KI Day 2026 – Live-Event für rechtssichere KI-Nutzung
Aktuelles, A, Experten, Service, Wichtige Adressen - Jan. 13, 2026 1:08 - noch keine Kommentare
Registrierung bei ELEFAND: Krisen- und Katastrophenvorsorge bei Auslandsaufenthalten
weitere Beiträge in Service
- DigiCert-Umfrage: Manuelle Zertifikatsprozesse führen zu Ausfällen, Compliance-Fehlern und hohen Verlusten im Unternehmen
- Threat Hunting: Bedeutung und Wertschätzung steigt
- Umfrage: 71 Prozent der IT-Entscheidungsträger besorgt über Mehrfachnutzung von Passwörtern
- Fast die Hälfte der Unternehmen ohne geeignete Sicherheitsrichtlinien für Remote-Arbeit
- Umfrage: Bedeutung der Konsolidierung von IT-Sicherheitslösungen


