Aktuelles, Experten - geschrieben von dp am Sonntag, August 2, 2026 0:02 - noch keine Kommentare
Entwicklung zur verlässlichen Geschäftstechnologie: KI-Kennzeichnung gemäß EU AI Act erst der Anfang
Zunehmend wird entscheidend sein, wie transparent, verantwortungsvoll und nachvollziehbar KI eingesetzt wird
[datensicherheit.de, 02.08.2026] Auch Simon Hayward, „VP Sales“ bei Freshworks, geht in seiner aktuellen Stellungnahme auf die ab dem 2. August 2026 wirksame KI-Kennzeichnungspflicht laut dem „AI Act“ der EU ein: In den vergangenen zwei Jahren sei die Diskussion über Künstliche Intelligenz (KI) vor allem von einer Frage bestimmt worden – nämlich wie Unternehmen KI möglichst schnell einsetzen können, um ihre Produktivität zu steigern und sich Wettbewerbsvorteile zu sichern. Mit dem „EU AI Act“ beginne nun ein neues Kapitel: „Je stärker KI in den Geschäftsalltag integriert wird, desto weniger wird ihr Erfolg allein daran gemessen, wie effizient Unternehmen die Technologie einsetzen. Zunehmend wird auch entscheidend sein, wie transparent, verantwortungsvoll und nachvollziehbar KI genutzt wird.“
KI-Kennzeichnungspflicht nur „Spitze des Eisbergs“
KI entwickele sich damit vom Experimentierfeld zu einer festen Säule moderner Unternehmensprozesse. Entsprechend braucha ihr Einsatz klare „Leitplanken“, wirksame „Governance“-Strukturen und eindeutige Verantwortlichkeiten – so wie jede andere geschäftskritische Technologie auch.
- Zu den meistdiskutierten Regelungen des „EU AI Act“ gehöre die Pflicht, bestimmte KI-generierte Inhalte entsprechend zu kennzeichnen. „So viel Aufmerksamkeit dieses Thema auch erhält – tatsächlich ist die Kennzeichnungspflicht nur der sichtbarste Teil eines deutlich umfassenderen Wandels“, betont Hayward.
Die entscheidendere Frage laute daher: „Wissen Unternehmen überhaupt, an welchen Stellen KI in ihren Geschäftsprozessen zum Einsatz kommt?“ Je stärker KI in Kundenkommunikation, interne Abläufe, „Human Resources“ (HR), Marketing oder Serviceprozesse integriert wird, desto wichtiger werde Transparenz – und zwar ebenso wichtig wie Innovation selbst.
Belastbare Datenbasis eine Grundlage verlässlicher KI-Anwendungen
„Wirkliche Transparenz entsteht jedoch nur dann, wenn Serviceprozesse, operative Abläufe und Unternehmensressourcen ganzheitlich betrachtet werden und eine belastbare Datenbasis die Grundlage für verlässliche KI-Anwendungen bildet“, unterstreicht Hayward.
- Eine Kennzeichnung mache zwar deutlich, dass KI an der Erstellung eines Inhalts beteiligt war – sie beantworte jedoch nicht die entscheidenden Fragen: „Wie ist dieser Inhalt entstanden? Wurde er von einem Menschen überprüft? Und wer trägt letztlich die Verantwortung für das Endergebnis?“
Unternehmen setzten heute zunehmend auf KI-Lösungen, welche Mitarbeiter im Arbeitsalltag unterstützten und Routineaufgaben intelligent automatisierten. So erhielten Beschäftigte personalisierte Unterstützung, Service-Teams würden entlastet und Führungskräfte würden fundiertere Entscheidungsgrundlagen gewinnen.
Mitarbeiter müssen KI verantwortungsvoll einsetzen können – und auch ihre Grenzen kennen
Auch in anderen Unternehmensbereichen halte KI Einzug: HR-Teams nutzten sie beispielsweise im „Recruiting“ oder für die interne Kommunikation, während IT-Abteilungen sie einsetzten, um Fehler schneller zu identifizieren und Dokumentationen effizienter zu erstellen.
- Hayward gibt zu bedenken: „Je stärker KI in den Arbeitsalltag unterschiedlicher Unternehmensbereiche integriert wird, desto weniger darf ,Governance’ erst im Nachhinein mitgedacht werden.“ Unternehmen brauchten klare Richtlinien, eindeutig definierte Verantwortlichkeiten und Mitarbeiter, „die wissen, wie KI verantwortungsvoll eingesetzt werden sollte – und wo ihre Grenzen liegen“.
Der „EU AI Act“ trage dieser Entwicklung Rechnung, indem er Unternehmen dazu anhalten solle, „Governance“ von Anfang an als festen Bestandteil ihrer KI-Strategie zu verankern – anstatt „Compliance“ erst dann zu berücksichtigen, wenn regulatorische Vorgaben umgesetzt werden müssten.
Vertrauen als entscheidender Wettbewerbsvorteil im KI-Zeitalter
Die Debatte rund um die KI sei bislang vor allem von Themen wie Geschwindigkeit und Effizienz geprägt gewesen. Diese Vorteile blieben zweifellos wichtig – sie allein würden jedoch künftig nicht mehr ausreichen.
- Kunden erwarteten zunehmend Transparenz darüber, wann sie mit KI interagieren oder wenn KI an der Erstellung von Inhalten beteiligt war. Gleichzeitig brauchten auch Mitarbeiter die Gewissheit, „dass KI-Systeme verlässlich funktionieren, verantwortungsvoll eingesetzt werden und auf klaren ,Governance’-Strukturen basieren“.
Vertrauen entwickele sich damit zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor für den Einsatz von KI in Unternehmen. „Wer Transparenz schafft und Verantwortung nachvollziehbar wahrnimmt, erfüllt nicht nur regulatorische Anforderungen, sondern stärkt zugleich das Vertrauen von Kundinnen und Kunden sowie der eigenen Mitarbeitenden!“
Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte nur der Anfang
Letztlich sei aber die Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte nur der Anfang: „Entwicklungen wie ,AI Overviews’ oder regulatorische Rahmenwerke wie der ,EU AI Act’ zeigen, dass es längst nicht mehr nur um ,Compliance’ geht. Sie markieren vielmehr einen grundlegenden Wandel im Umgang mit KI und setzen neue Maßstäbe für moderne Serviceprozesse.“
- Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, brauchten Unternehmen nicht nur leistungsfähige KI, sondern auch die Möglichkeit, deren Einsatz transparent zu steuern, zu kontrollieren und auf einer belastbaren Datenbasis verantwortungsvoll weiterzuentwickeln.
Die Unternehmen, welche langfristig den größten Nutzen aus KI ziehen werden, seien nicht zwangsläufig diejenigen, die die fortschrittlichsten Modelle einsetzten. Entscheidend werde vielmehr sein, ob sie verstehen, „wo KI tatsächlich Mehrwert schafft, ihren Einsatz transparent und nachvollziehbar steuern und in jeder Phase des Prozesses für ausreichend Transparenz sorgen“.
Übergang der KI vom technologischen Experiment hin zur verlässlichen Geschäftstechnologie
Der „EU AI Act“ sollte daher nicht nur als weitere regulatorische Verpflichtung verstanden werden:
- Er markiere vielmehr den Übergang von KI als technologischem Experiment hin zu einer verlässlichen Geschäftstechnologie, welche fest in Unternehmensprozesse integriert sei.
Haywards Fazit: „Unternehmen, die diesen Wandel frühzeitig annehmen, sind nicht nur besser auf regulatorische Anforderungen vorbereitet, sondern schaffen auch die Grundlage für langfristiges Vertrauen bei Kundinnen und Kunden, Mitarbeitenden und Partnern.“
Weitere Informationen zum Thema:
enterprise times, Steve Brooks, 14.08.2025
Freshworks strengthens leadership team in EMEA
datensicherheit.de, 02.08.2026
AI Act: Ab 2. August 2026 weitere Regeln in Kraft – indes noch viele offene Fragen / Nach zweijähriger Übergangsphase werden zentrale Vorgaben vom „EU AI Act“ verbindlich
datensicherheit.de, 04.02.2025
„AI Act“: Seit dem 2. Februar 2025 weitere Regelungen der europäischen KI-Verordnung in Kraft / Eigentlich sollte der „AI Act“ für Rechtssicherheit in Europa sorgen – aktuell droht das genaue Gegenteil, so die Bitkom-Kritik
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