Aktuelles, Experten - geschrieben von dp am Samstag, Dezember 27, 2025 0:17 - noch keine Kommentare
Gaming mit Risiko: Kostenfallen für Kinder
Die Verbraucherzentrale NRW klärt über „Lootboxen“ und „Dark Patterns“ beim Gaming auf und gibt Eltern Tipps zur Risikominderung
[datensicherheit.de, 27.12.2025] Sogenanntes Gaming gilt inzwischen als fester Bestandteil der Freizeit vieler Menschen: Gespielt wird hierbei in Apps oder umfangreichen Videospielen. Dabei bleibt es laut einer Stellungnahme der Verbraucherzentrale NRW selten bei den einmaligen Kaufkosten: Die meisten Spiele ermöglichten Zusatzkäufe im Spielverlauf, „die zusätzliche Inhalte bieten, höhere Levels oder eine bessere oder seltenere Ausstattung der Avatare“. Burak Tergek, Digitalexperte bei der Verbraucherzentrale NRW, führt hierzu aus: „Um das attraktiv zu machen, setzt die Gaming-Branche verschiedene psychologische Tricks ein“. Insbesondere Kinder und Jugendliche gerieten dadurch leicht in eine Situation, in der sie Kosten und Mechanismen nicht vollständig durchschauten.

Foto: © VZ NRW / adpic
Gaming mit Schattenseiten: Insbesondere Kinder und Jugendliche können leicht in eine Situation geraten, in der Kosten und Mechanismen nicht vollständig erkannt werden
Gaming-Geschäftsmodell Zusatzkäufe durch „Lootboxen“
Ein weit verbreitetes Geschäftsmodell sind demnach die sogenannten Lootboxen – digitale Pakete, welche Spieler gegen echtes Geld kaufen können und bei denen der Inhalt rein vom Zufall abhängt. Viele Käufe enden enttäuschend, was zu erneuten Käufen und Versuchen führt – bis eben der gewünschte Inhalt herauskommt.
- Aufgrund des Zufallsprinzips ähnelten „Lootboxen“ dem Glücksspiel und würden daher ein hohes Suchtpotenzial bergen – vor allem bei Jugendlichen. International betrachtet seien „Lootboxen“ sehr umstritten und in Belgien bereits verboten. In Deutschland seien sie zwar erlaubt, würden aber bei der Alterskennzeichnung durch die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) berücksichtigt.
Eltern sollten deshalb stets auf die USK achten und prüfen, ob die Spiele ihrer Kinder kostenpflichtige Inhalte wie „Lootboxen“ enthalten. Sie sollten ihre Kinder frühzeitig über Kostenrisiken und die Funktionsweise solcher Zufallsmechanismen aufklären.
Manipulative Designs zur Beeinflussung beim Gaming
Manipulative Designs, auch „Dark Patterns“ genannt, nutzten optische und psychologische Tricks, um Spieler zu mehr Ausgaben oder längerer Spielzeit zu verleiten. Dazu gehörten Pop-up-Fenster mit Kaufangeboten mitten im Spiel, zeitlich begrenzte „Deals“ mit Countdowns, ständige Shop-Anzeigen am Bildschirmrand oder darauf hinweisende Pfeile.
- Weitere Mechanismen seien Belohnungen für das Anschauen von Werbung oder für tägliches Einloggen, was exzessives Spiel-Verhalten fördere. Solche Praktiken könnten das Suchtpotenzial verstärken und seien besonders problematisch bei Minderjährigen, welche durch ihre Unerfahrenheit leichter beeinflusst würden.
„In-Game“- oder „In-App“-Käufe würden in der Regel über Benutzerkonten in App-Stores abgewickelt. Hinterlegte Zahlungsdaten wie Kreditkarten, Kontonummern oder Mobilnummern ermöglichten rasche Transaktionen mit nur wenigen Klicks. „Unser Beratungsalltag zeigt, dass unbekannte Posten auf der Handyrechnung oder Kreditkartenabrechnung oft auf solche Käufe zurückgeführt werden können.“
Was Eltern für sich und ihre Kinder beim Gaming tun sollten:
- Keine Zahlungsdaten hinterlegen!
Idealerweise sollten gar keine Kreditkarten-, Konto- oder Mobilnummern in den App-Store-Accounts gespeichert werden. Falls dies unvermeidbar ist, sollten Käufe immer passwortgeschützt werden, das ist meistens in den Einstellungen möglich. - Guthabenkarten nutzen!
Bei bewussten Zusatzkäufen sollten Prepaid- oder Guthabenkarten eingesetzt werden. So bleiben Ausgaben übersichtlich und die Limits sind klar kontrollierbar. - Bei Abbuchungen handeln!
Falls unerwartete Posten auf Rechnungen oder Kreditkarten vorliegen, sollte sofort geprüft werden, ob Kinderkäufe dahinterstecken sowie die Rückerstattung eingefordert werden. Bei Fragen können sich Betroffene gerne an die Verbraucherzentralen wenden.
Weitere Informationen zum Thema:
Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen
So erreichen Sie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: Unsere Beratungsstellen erreichen Sie per Telefon und E-Mail. Auch über eine zentrale Hotline, das zentrale Kontaktformular auf unserer Internetseite sowie bei Facebook, Instagram und Twitter können Sie uns kontaktieren.
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