Aktuelles, Experten, Studien - geschrieben von am Dienstag, März 3, 2026 0:39 - noch keine Kommentare

Illegale Inhalte: Verbraucherzentrale moniert Verstöße beim Melden gemäß DSA

Verbraucherzentrale Bundesverband fordert von Web-Plattformen vollständige Umsetzung der DSA-Regelungen und von Aufsichtsbehörden intensivere Kontrolle

[datensicherheit.de, 03.03.2026] Laut einer aktuellen Meldung vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) wurden zehn ausgewählte Websites (Online-Marktplätze bzw. Social-Media-Plattformen) exemplarisch überprüft, wie die Meldeverfahren für Verbraucher dort ausgestaltet sind und inwiefern dabei die im „Digital Services Act“ (DSA) formulierten Vorgaben eingehalten werden: „Die Stichprobe bestand aus den folgenden Plattformen: ,AliExpress’, ,amazon’, ,facebook’, ,Instagram’, ,SHEIN’, ,Snapchat’, ,TEMU’, ,TikTok’, ,YouTube’ und ,zalando’. Die Prüfung bezog sich auf Art. 16 DSA (Melde- und Abhilfeverfahren) sowie Art. 20 DSA (Internes Beschwerdemanagementsystem).“ Die Meldewege wurden demnach aus der Perspektive von erwachsenen Nutzern mit einem Nutzerkonto bei der jeweiligen Webplattform sowie Nutzern ohne Nutzerkonto untersucht. Bei den fünf Social-Media-Plattformen sei zudem auch die Perspektive minderjähriger Nutzer mit einem Nutzerkonto überprüft worden. „Die Auswertung erfolgte anhand eines zuvor entwickelten Kategoriensystems, das sich an den Gesetzesvorgaben orientiert. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat die Plattformen zwischen dem 9. Oktober 2025 und dem 26. Januar 2026 überprüft.“

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Foto: © Dominik Butzmann / vzbv

Ramona Pop fordert Betreiber von Web-Plattformen auf, die DSA-Regelungen endlich vollständig umzusetzen und sämtliche Hürden für die Meldung illegaler Inhalte abzubauen

Laut DSA müssen Online-Plattformen leicht zugängliche und nutzerfreundliche Melde- und Beschwerdeverfahren ermöglichen

Web-Plattformen machten es Nutzern immer wieder schwer, illegale Inhalte als Rechtsverstöße zu melden – dies habe eine aktuelle vzbv-Untersuchung aufgezeigt. Insgesamt seien zehn Online-Marktplätze bzw. Social-Media-Plattformen überprüft worden – jeweils aus der Perspektive von volljährigen, unangemeldeten und minderjährigen Nutzern.

  • Der DSA regelt, dass Online-Plattformen leicht zugängliche und nutzerfreundliche Melde- und Beschwerdeverfahren anbieten müssen.

„Nutzerinnen und Nutzer von Online-Plattformen treffen immer wieder auf illegale Inhalte, zum Beispiel Werbung für Fakeshops oder nicht zugelassene Nahrungsergänzungsmittel. Wollen sie diese Inhalte melden, müssen sie zum Teil erhebliche Hürden nehmen. Das muss sich ändern!“, kommentiert Ramona Pop, vzbv-Vorständin. Sie betont: „Plattformen sind dazu verpflichtet, leicht zugängliche Möglichkeiten zur Meldung solcher Inhalte zur Verfügung zu stellen!“

Nicht DSA-konform: Technische Hürden, „Dark Patterns“ und Intransparenz

Die untersuchten Web-Plattformen böten zwar Meldewege für illegale Inhalte an – diese seien jedoch immer wieder geprägt von technischen Hürden, manipulativen Designs („Dark Patterns“) und Intransparenz.

  • Die Meldewege waren aus vzbv-Sicht in vielen Fällen schwer zugänglich und nicht immer nutzerfreundlich gestaltet: „Lange Klickpfade, unübersichtliche Auswahllisten und Doppelungen bei geforderten Angaben erschwerten die Meldungen. Teilweise kamen vorgeschriebene Eingangsbestätigungen nicht an.“

Entscheidungen seien dann durch die betreffenden Web-Plattformen gar nicht oder nicht zeitnah getroffen worden. Zudem könnten technische Hürden und die automatische oder verpflichtende Angabe personenbezogener Daten bei Meldungen abschreckend sein.

Aufsichtsbehörden müssten DSA-Regeln konsequent durchsetzen und Betreiber stärker in die Verantwortung nehmen

Auffällig sei auch gewesen, dass sich auf den fünf Social-Media-Plattformen die Meldewege für Minderjährige nicht von denen für Erwachsene unterschieden hätten. Damit kämen die Betreiber aus vzbv-Sicht den europäischen Leitlinien für altersgerechtes Design nicht nach.

  • „Illegale Inhalte haben auf Online-Plattformen nichts zu suchen! Leicht zugängliche und nutzerfreundliche Melde- und Beschwerdeverfahren könnten helfen, diese schnell zu entfernen. Plattformen müssen die Regelungen des DSA endlich vollständig umsetzen und sämtliche Hürden für die Meldung illegaler Inhalte abbauen – oder Konsequenzen in Form von Bußgeldern bekommen“, stellt Pop klar.

Der vzbv fordert abschließend, dass die Aufsichtsbehörden die DSA-Regeln konsequent durchsetzen und die Web-Plattformen dahingehend stärker in die Verantwortung nehmen müsste. Außerdem sollten diese ein hohes Schutzniveau für die Privatsphäre, Sicherheit und den Schutz Minderjähriger gewährleisten: Kindgerechte – auf Minderjährige zugeschnittene – Meldewege seien besonders relevant.

Weitere Informationen zum Thema:

Verbraucherzentrale Bundesverband
Über uns: Gemeinsam stark für Verbraucherrechte!

Verbraucherzentrale Bundesverband
Vorständin Ramona Pop

Verbraucherzentrale Bundesverband, 20.01.2026
Melde- und Beschwerdeverfahren bei Online-Plattformen / Eine Untersuchung zur Umsetzung von Artikel 16 und 20 des Digital Services Act (DSA)

Verbraucherzentrale Bundesverband, 20.01.2026
DSA-Meldewege

Europäische Kommission
Gesetz über digitale Dienste / Mehr Sicherheit und Verantwortung im Online-Umfeld

datensicherheit.de, 08.02.2024
Digital Services Act: EU-weites Inkrafttreten soll Menschen im Digitalen Raum stärken / Neue EU-Regeln für Online-Plattformen müssen sich in der Praxis bewähren

datensicherheit.de, 20.01.2022
Digital Services Act: Bitkom kommentiert Abstimmung / Bitkom-Hauptgeschäftsführer begrüßt Einführung



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