Aktuelles, Experten - geschrieben von am Mittwoch, Januar 31, 2018 22:59 - noch keine Kommentare

Koalitionsvertrag: Digitalisierung und Informationssicherheit müssen politische Zielsetzungen sein

TeleTrusT gibt Empfehlungen für die laufenden Koalitionsverhandlungen

[datensicherheit.de, 31.01.2018] Der TeleTrusT – Bundesverband IT-Sicherheit e.V. sieht Cyber-Sicherheit als einen entscheidender Faktor für die zukünftige internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. So würden Lösungen für Industrie 4.0, intelligente Energienetze, digitalisierte Gesundheitswirtschaft, „Smart Home“ und Autonomes Fahren sich nur dann durchsetzen, wenn sie sowohl innovativ als auch vertrauenswürdig sind. Die nächste Bundesregierung müsse daher Cyber-Sicherheit zu einem Schwerpunkt ihrer Politik machen.

Investitionen in Cyber-Sicherheit und sichere Digitalisierung!

Wesentliche Lebensbereiche würden in den kommenden Jahren grundlegend digitalisiert und böten die Option, von Grund auf sichere Technologien zu entwickeln, ökonomisch zu skalieren und als Standards zu etablieren – die Verkehrssysteme, das Gesundheitswesen, die Energieversorgung, kommunale Infrastrukturen und staatliche Dienstleistungen.
Deutschland habe große Chancen, in der Legislaturperiode 2018 bis 2021 und aufbauend auf den bisherigen Ergebnissen der vergangenen Legislaturperiode, bei der Cyber-Sicherheit entscheidend voranzukommen. Die gute wirtschaftliche Lage und die günstige Haushaltslage von Bund und Ländern erlaubten erhebliche Investitionen in Cyber-Sicherheit und sichere Digitalisierung.

8-Punkte-Katalog für die neue Bundesregierung

Die Cyber-Sicherheitspolitik einer neuen Koalition im Bund sollte laut TeleTrusT u.a. folgende Schwerpunkte setzen:

  1. Der volkswirtschaftlichen Schaden aufgrund mangelnder Informationssicherheit, im Jahr 2017 auf 55 Milliarden Euro beziffert, sollte bis zum Ende der Legislaturperiode mindestens halbiert werden. Hierzu fordert TeleTrusT die regierungsbildenden Parteien auf, ein jährliches Budget von mindestens einer Milliarde Euro für die Stärkung der Cyber-Sicherheit von Behörden und Wirtschaft in den Koalitionsvertrag aufzunehmen. Mit diesem Geld sollten dringend erforderliche finanzielle und organisatorische Maßnahmen ermöglicht werden, um das Cyber-Sicherheitsniveau in Unternehmen und Behörden deutlich zu erhöhen. Mit der geforderten Investition würde der digitale Standort Deutschland nachhaltig attraktiver werden – auch für ausländische Investoren; gleichzeitig könnte die neue Bundesregierung die Chance nutzen, die eigene IT-Sicherheitswirtschaft zu stärken und europäische und internationale Kooperationsprojekte aufzubauen.
  2. Einrichtung eines Runden Tisches zur Erarbeitung und Nachhaltung einer Cyber-Sicherheitsstrategie mit konkreten, messbaren Zielen zur Erhöhung der Informationssicherheit gemeinsam mit Bund, Ländern, Wirtschaft und Wissenschaft.
  3. Personelle Stärkung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): Zulassungs- und Zertifizierungsverfahren müssten beschleunigt werden, um so nachweislich sichere digitale Prozesse, Produkte und Lösungen schneller den Anwendern zur Verfügung stellen zu können. Ferner sollte das BSI-Budget für die Entwicklung neuer gesamtwirtschaftlicher und staatlich erforderlicher Basis-Sicherheitsprodukte erhöht werden.
  4. Neue Anreizsysteme, mit denen Behörden und Unternehmen die vom BSI empfohlenen, dem Stand der Technik entsprechenden IT-Sicherheitsmaßnahmen aufbauen können, und Etablierung breiter Programme für Wirtschaft und Behörden, um die vorhandenen Cyber-Sicherheitslösungen der deutschen IT-Sicherheitswirtschaft besser bekannt zu machen.
  5. Informationssicherheit werde nicht ohne einen Paradigmenwechsel in der Digitalisierung gelingen. Daher seien beweisbar sichere Technologien („Security by design“) weiter in Forschung und Beschaffung zu fördern. IT-Hersteller und -Diensteanbieter sollten für Datenschutz- und IT-Sicherheitsmängel ihrer Produkte haften.
  6. Investitionen in Kooperationsprogramme zwischen Anwendern und Industrie – bei der Erarbeitung von innovativen Lösungen, Maßnahmen und Produkten rund um die Cyber-Sicherheit sollten verstärkt Synergien zwischen Anwendern und IT-Sicherheitsindustrie genutzt werden. Usability- und Betriebsanforderungen großer IT-Architekturen müssten zudem an den Bedürfnissen des Mittelstandes ausgerichtet werden.
  7. Förderung der Entwicklung vertrauenswürdiger IT- und Netz-Infrastruktur sowie sicherer Soft- und Hardware und sicherer Cloud-Technologie. Zudem sollten Fähigkeiten zur Bekämpfung von staatlichen und nichtstaatlichen Cyber-Bedrohungen geschaffen werden. Hierzu sollten auch Anbieter und Technologie-Startups zur Schaffung nationaler Schlüsselkompetenzen gezielt gefördert werden. Ferner empfohlen: Förderung von Open-Source-Technologien im Cyber-Sicherheitsbereich.
  8. Die weitere Förderung der essenziellen Kompetenz auf dem Gebiet der Kryptosystemtechnologie zur kurzfristigen Nutzung von Staat und Industrie. Zusätzlich dazu sollte das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Bereich IT-Sicherheit und Kryptotechnologie einen neuen wirtschaftspolitischen Strang zur Förderung dieser Bereiche anlegen. Zulassungs- und Zertifizierungsverfahren müssten beschleunigt werden, um so nachweislich sichere digitale Prozesse, Produkte und Lösungen schneller den Anwendern zur Verfügung stellen zu können. Auch Beratung und Unterstützung von Behörden und Wirtschaft müssten ausgebaut werden, um diese schon im Vorfeld oder bei akuten Angriffen besser zu schützen.

Weitere Informationen zum Thema:

datensicherheit.de, 08.08.2017
„Bundestrojaner“: TeleTrusT kündigt Verfassungsbeschwerde an



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