Aktuelles, Experten - geschrieben von am Sonntag, Juni 14, 2026 0:45 - noch keine Kommentare

Autonome Mobilität: Erste Überprüfung einer Realfahrt in Deutschland unter Level-4-Bedingungen

Laut dem TÜV-Verband hat Autonomes Fahren einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg in den Regelbetrieb erreicht

[datensicherheit.de, 14.06.2026] Der TÜV-Verband meldet, dass erstmals eine Prüfmethodik für Autonome Fahrzeuge unter realen Verkehrsbedingungen erprobt worden ist: Demnach absolvierte das Forschungsfahrzeug „EDGAR“ der Technischen Universität München (TUM) eine Fahrt durch Berlin sicher und zuverlässig. Der TÜV-Verband-Präsident, Dr. Dirk Stenkamp, und Berlins Verkehrssenatorin, Ute Bonde, sehen in diese Überprüfung einer Realfahrt einen wichtigen Meilenstein.

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Abbildung: © TÜV-Verband

Auf der „TÜV MobiCon 2026“ wurde über die erste Realfahrt im Level-4-Kontext berichtet

Erstmals neue Prüfmethodik für Autonome Fahrzeuge getestet

„Autonomes Fahren erreicht einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg in den Regelbetrieb: Erstmals absolvierte ein Fahrzeug eine Prüfungsfahrt unter Level-4-Bedingungen im Berliner Stadtverkehr“, so der TÜV-Verband in seiner Meldung.

Die Ergebnisse der sogenannten Realfahrt stellten Stenkamp und Bonde am 11. Juni 2026 im Rahmen der Mobilitätskonferenz „TÜV MobiCon“ vor.

Autonomes Fahren auch im komplexen Stadtverkehr technisch möglich

„Die Berliner Realfahrt zeigt, dass Autonomes Fahren auch im komplexen Stadtverkehr technisch möglich ist“, kommentiert Stenkamp. Gleichzeitig werde deutlich: Sicherheit Autonomer Mobilität entscheidet sich nicht allein an der Fahrzeugtechnik, sondern daran, wie zuverlässig ein Fahrzeug seine Umgebung erkennt, Verkehrssituationen interpretiert und auf unterschiedliche Straßen- und Verkehrsbedingungen reagiert. Genau das können solche Realfahrten überprüfen.“

  • „Deutschland hat in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Weichenstellung vorgenommen“, so Bonde und führt weiter aus: „Mit dem Gesetz zum Autonomen Fahren haben wir als eines der ersten Länder weltweit einen rechtlichen Rahmen für Fahrzeuge der Automatisierungsstufe 4 geschaffen. Fahrzeuge, die innerhalb definierter Betriebsbereiche vollständig ohne menschliche Steuerung fahren können, sind kein Zukunftsszenario mehr. Sie sind Realität, die wir heute regulieren.“

Das Pilotprojekt „EDGAR“ – der Rahmen für diese Konferenz – sei ein lebendiger Beweis dafür: „Hier wird erprobt, wie eine Betriebsbereichsgenehmigung für Autonome Fahrzeuge im realen Verkehr erlangt werden kann. Das benötigen wir, um in die dringend erforderliche Skalierung gehen zu können.“

Autonome Fahrzeuge müssen auch Besonderheiten ihres jeweiligen Einsatzgebiets erfassen

Die Genehmigung von Level-4-Fahrzeugen erfolgt in Deutschland in zwei Schritten: Zunächst wird das Fahrzeug technisch geprüft und typgenehmigt. Anschließend muss der konkrete Betriebsbereich behördlich genehmigt werden.

  • Hierzu bewerten unabhängige Sachverständige unter anderem im Rahmen von Realfahrten, wie das Fahrzeug komplexe Fahraufgaben bewältigt und auf reale Verkehrssituationen reagiert. „Autonome Fahrzeuge müssen nicht nur Verkehrsregeln beherrschen, sondern auch die Besonderheiten ihres jeweiligen Einsatzgebiets verstehen“, so Stenkamp.

Er erläutert: „Ampelschaltungen, Lichtsignale oder Verkehrsführungen können von Stadt zu Stadt variieren. Systeme müssen deshalb für ihren konkreten Einsatzbereich geprüft und bewertet werden.“ Realfahrten schafften somit die Grundlage für einen sicheren Level-4-Regelbetrieb und lieferten wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung Autonomer Systeme.

Grundlage für Weiterentwicklung objektiver und harmonisierter Bewertungskriterien für Autonome Fahrzeuge

Diese Berliner Realfahrt sei die erste Prüfungsfahrt eines Fahrzeugs unter Level-4-Bedingungen in Deutschland gewesen. Sie habe nicht der Zulassung des Forschungsfahrzeugs „EDGAR“ gedient, sondern der Erprobung und Weiterentwicklung einer unabhängigen Prüfmethodik für Autonome Mobilität.

  • Das Fahrzeug habe die Strecke durch Berlin dreimal absolviert. Drei TÜV-Prüferteams hätten diese Fahrten begleitet und das Fahrverhalten unabhängig voneinander auf Grundlage einer neu entwickelten Methodik bewertet. Die dabei betrachteten Fahraufgaben basierten auf dem im „Verkehrsblatt“ veröffentlichten Begutachtungsleitfaden.

Die vorläufigen Ergebnisse fielen positiv aus: Die Realfahrt habe die Praxistauglichkeit des entwickelten Prüfkonzepts bestätigt. Die eingesetzte Messtechnik habe sich als praxiserprobt und mit vertretbarem Aufwand in Prüfungen integrierbar erwiesen. Die gewonnenen Erkenntnisse bildeten nun eine Grundlage für die Weiterentwicklung objektiver und harmonisierter Bewertungskriterien für Autonome Fahrzeuge.

Autonomes Fahren auf Basis klarer Regeln für KI und Fahrzeugdaten

Damit sei ein wichtiger Baustein für den sicheren Markthochlauf Autonomer Fahrzeuge geschaffen worden. Das Forschungsfahrzeug „EDGAR“ habe den Berliner Stadtverkehr innerhalb des geprüften Betriebsbereichs dabei sicher und zuverlässig bewältigt. Für eine reguläre Level-4-Betriebsgenehmigung fehlten dem Fahrzeug jedoch zentrale Voraussetzungen, insbesondere eine Technische Aufsicht, welche das Fahrzeug überwachen und im Bedarfsfall eingreifen könne.

  • Die Erkenntnisse der Realfahrt zeigten zugleich, dass die sichere Einführung Autonomer Mobilität nicht allein eine technische Herausforderung sei. Notwendig seien auch klare regulatorische Rahmenbedingungen für Prüfung, Überwachung und Genehmigung Autonomer Systeme.

Voraussetzung für die unabhängige Prüfung Autonomer Fahrzeuge sei ein umfassender Zugang zu sicherheitsrelevanten Fahrzeugdaten. Prüfstellen und Behörden müssten diskriminierungsfreien Zugriff auf die Daten Autonomer Fahrzeuge erhalten, um Systeme wirksam bewerten, überwachen und im Betrieb kontrollieren zu können. Der TÜV-Verband fordert deshalb „standardisierte und interoperable Schnittstellen“ sowie „verbindliche europäische Regelungen“.

Europaweit harmonisierter Rechtsrahmen für Autonome Fahrzeuge und lernende KI-Systeme im Fokus

Darüber hinaus setze sich der TÜV-Verband für einen europaweit harmonisierten Rechtsrahmen für Autonome Fahrzeuge und lernende Systeme Künstlicher Intelligenz (KI) ein. KI in sicherheitsrelevanten Systemen müsse verpflichtend geprüft und zertifiziert werden – sowohl im Rahmen der Typgenehmigung als auch während des laufenden Fahrzeugbetriebs.

  • Ergänzend fordert der TÜV-Verband die Einführung einer „digitalen Fahrzeugakte“, um darin Softwarestände, sicherheitsrelevante Updates und Prüfdaten über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs zu dokumentieren.

„Deutschland hat das Know-how, die Forschungskompetenz und den regulatorischen Rahmen, um beim Autonomen Fahren international eine führende Rolle einzunehmen“, so Stenkamps vorläufiges Fazit. Jetzt liege es an Herstellern und Haltern, die nächsten Schritte zu gehen, Fahrzeuge für den Regelbetrieb anzumelden und Autonomes Fahren in die Praxis zu bringen. Gerade weil Autonome Fahrzeugtechnologien international entwickelt und skaliert würden, brauche Europa eigene Prüfkompetenz, transparente Datenzugänge und einheitliche Anforderungen an KI, Updates und Betriebssicherheit.

Weitere Informationen zum Thema:

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TUM, Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik (FTM)
EDGAR – Excellent Driving Garching / Ansprechpartner: Nijinshan Karunainayagam, Niklas Krauß

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ZF Produkte für PKW, Jan Wienrich, 29.04.2022
Automatisiertes Fahren: Stufen zum selbstfahrenden Fahrzeug / Wie nah sind wir der Vision vom autonomen Fahren? Und was meint der Begriff genau? Experten teilen den Automatisierungsgrad von Fahrzeugen und Fahrfunktionen in sechs Stufen ein.

Verkehrsblatt – Verlag
Amtsblatt des Bundesministeriums für Verkehr der Bundesrepublik Deutschland

datensicherheit.de, 07.09.2025
Autonomes Fahren Made in Germany – Deutschland könnte Vorreiter bei hochautomatisierten Fahrzeugen werden / TÜV Rheinland sieht deutsche Automobilindustrie insbesondere bei Sicherheit und Zuverlässigkeit Autonomer Fahrzeuge in aussichtsreicher Startposition

datensicherheit.de, 04.07.2025
Wahrnehmung von Außengeräuschen: Fraunhofer-Institut schickte The Hearing Car auf Erprobungsfahrt / Das Fraunhofer IDMT-HSA forscht mit dem „hörenden Auto“ im Projekt „KI4BoardNet“ an der Integration akustischer Sensorik

datensicherheit.de, 15.06.2022
Autonome Fahrzeuge: Höhere Sicherheit von der KI als von menschlichen Fahrern gefordert / Der TÜV-Verband e.V. zu seiner Verbraucherstudie 2021 über Sicherheit und KI



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