Aktuelles, Branche - geschrieben von am Mittwoch, Juli 1, 2026 0:10 - noch keine Kommentare

Versteckte Datenverlustrisiken: Hitzewelle als Bedrohung für Festplatten, SSDs und Smartphones

Festplatten, SSDs, NAS-Systeme und Smartphones reagierten auf extreme Hitze mit erhöhter Ausfallrate – und damit droht auch der Verlust unwiederbringlicher Daten

[datensicherheit.de, 01.07.2026] Attingo Datenrettung, ein österreichischer Spezialist für professionelle Datenwiederherstellung mit vollständig ausgestattete Reinraumlaboren in Wien, Hamburg und Amsterdam, unterhält eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Das gegenwärtige hochsommerliche Wetter in Österreich und Deutschland ist nun Anlass zu einer warnenden Stellungnahme: Was für Menschen bereits zur Belastungsprobe werde, sei für technische Geräte und deren Datenträger oft der Anfang vom Ende: Festplatten, SSDs, NAS-Systeme und Smartphones reagierten auf extreme Hitze mit erhöhter Ausfallrate – und damit drohe der Verlust unwiederbringlicher Daten. „An heißen Sommertagen werden die Datenretter bis zu doppelt so oft zu Hilfe gerufen“, berichtet Markus Häfele, der Geschäftsführer von Attingo Datenrettung. Rekordtemperaturen verstärkten diesen Effekt nochmals drastisch. Er erläutert: „Was viele nicht wissen: Die zulässige Betriebstemperatur der meisten Geräte ist bereits bei 35 Grad Celsius erreicht – und die haben wir gerade deutlich überschritten.“

Abbildung: Attingo Datenrettung

Wärmebild eines Smartphones am Armaturenbrett eines Autos – nach etwa fünf Stunden bei etwa 28 bis schließlich 34 Grad Celsius Außentemperatur im Sonnenschein

Mechanische Festplatten: Präzision im Nanometerbereich Schwachstelle bei Hitze

Das Innenleben einer magnetischen Festplatte (HDD) arbeitet in einem physikalischen Grenzbereich, der kaum Toleranz für thermische Einflüsse lässt. Die Schreib-/Leseköpfe gleiten im Normalbetrieb in einem Abstand von wenigen Nanometern über die rotierenden Magnetscheiben – ohne diese je zu berühren. Bereits minimale Wärmeausdehnung der Metallkomponenten kann diesen Abstand verändern und zum gefürchteten „Headcrash“ führen: Die Köpfe schlagen dabei auf der Magnetschicht auf, zerstören die Datenoberfläche irreversibel und hinterlassen sogenannte „Kratzer“ im Mikrometerbereich.

  • Hinzu kommt eine oft unterschätzte Folgegefahr: Geräte, die unter Hitzeeinwirkung noch funktionieren, können nach der Abkühlung versagen, weil sich das ausgedehnte Material beim Erkalten nicht mehr exakt in seine Ausgangslage zurückzieht. Schreib-/Leseköpfe, die heiß noch korrekt positioniert waren, können nach der Abkühlung dauerhaft verstellt sein – die Festplatte wird nicht mehr erkannt oder gibt nur noch Lesefehler aus. „In diesen Fällen können unsere Techniker durch hochpräzise Adjustierung der Schreib-/Leseköpfe unter dem Mikroskop im Reinraum die Daten wiederherstellen“, so Peter Franck, technischer Leiter bei Attingo.

Seine dringende Empfehlung: „Entscheidend ist dabei, dass betroffene Geräte sofort vom Strom genommen werden – jeder weitere Betrieb nach einem Hitzeschaden erhöht den mechanischen Schaden und erschwert die spätere Rettung!“ Die spezifizierten Maximaltemperaturen der Hersteller seien dabei oft kaum bekannt: Für viele externe USB-Festplatten gelte eine maximale Umgebungstemperatur von 35 Grad Celsius im Betrieb – ein Wert, der in nicht klimatisierten Büros oder im geparkten Auto an Hitzetagen wie den aktuellen spielend überschritten werde.

Zunahme der Fehlerrate bei Datenspeichern ohne bewegliche Teile

Solid-State-Drives (SSDs) und Flash-Speicher in Smartphones, Tablets und USB-Sticks haben keine beweglichen Teile – das führt laut Attingo zu der verbreiteten Fehlannahme, sie seien hitzeresistenter als magnetische Festplatten. Tatsächlich reagierten aber NAND-Flash-Zellen auf erhöhte Temperaturen mit veränderter Ladungsverteilung: Bei anhaltender Hitze könnten bereits gespeicherte Bits „driften“ – „das heißt, die in den Floating-Gate-Transistoren gehaltene Ladung verändert sich thermisch, was zu stillen Lesefehlern führen kann, die der Nutzer erst Wochen oder Monate später bemerkt“.

  • Darüber hinaus steige bei erhöhter Temperatur die Fehlerrate beim Schreiben: ECC-Algorithmen (Error Correction Code) im Flash-Controller könnten zwar viele dieser Fehler korrigieren, doch oberhalb der Betriebstemperatur nehme die Fehlerrate überproportional zu und übersteige schließlich die Korrekturkapazität. Die Folge seien korrupte Dateien oder – bei besonders ungünstiger Konstellation – ein Totalausfall des Flash-Controllers.

Besonders kritisch sei die Situation bei 3D-NAND-Speicher moderner Bauart: Die gestapelten Zellenebenen erhöhten die Wärmedichte im Chip erheblich. Unter Last und gleichzeitiger Umgebungshitze könnten Temperaturen entstehen, welche die Lebensdauer der Speicherzellen laut Herstellerspezifikation signifikant verkürzten.

Hitzestau im Auto ein unterschätztes Extremszenario

Eine der häufigsten Schadensursachen im Sommer sei das unbedachte Liegenlassen von Geräten im geparkten Fahrzeug. Als Faustregel gelte: „Bei direkter Sonneneinstrahlung steigt die Innenraumtemperatur pro Minute um etwa ein Grad an. Bei Außentemperaturen von aktuell 38 bis 40 Grad – wie sie in Wien und Niederösterreich an den vergangenen Tagen gemessen wurden – sind im Fahrzeuginnenraum Temperaturen von 70 Grad und mehr möglich, am Armaturenbrett durch direkte Sonneneinstrahlung noch deutlich höher.“

  • Eine interne Infrarot-Testmessung von Attingo habe auf PKW-Armaturen zur Mittagszeit Temperaturen von bis zu 90 Grad Celsius ergeben. Festplatten und SSDs, welche solchen Bedingungen auch nur kurzzeitig ausgesetzt sind, könnten dauerhaft Schaden nehmen – „selbst wenn das Gerät dabei ausgeschaltet ist“.

Für Smartphones kämen zwei zusätzliche Schadensmechanismen hinzu: Lithium-Ionen-Akkus alterten ab 45 Grad Celsius irreversibel schneller; ab etwa 60 Grad könnten chemische Prozesse einsetzen, welche im ungünstigsten Fall zum sogenannten Thermal Runaway führten – einer unkontrollierten Kettenreaktion, welche zu Ausbeulen, Gasentwicklung oder im Extremfall zu einem Akkubrand führe. Gleichzeitig seien die NAND-Flash-Chips für den internen Speicher von Smartphones denselben thermischen Belastungen ausgesetzt wie eigenständige SSDs – mit dem Unterschied, dass der Nutzer über den Zustand des Speichers keinerlei Statusinformation erhalte.

Nicht klimatisierte Serverräume als stilles Risiko

Nicht klimatisierte Büro- und Serverräume seien gerade bei den Kleinen und Mittelständischen Unternehmen (KMU) eher die Regel als die Ausnahme. Während ein einzelner Festplattenausfall in einem RAID-System noch tolerierbar sei – dafür eben sei Redundanz konzipiert –, könne die durch Hitze verursachte gleichzeitige Degradierung mehrerer Laufwerke eine RAID-Gruppe kollabieren lassen, „ohne dass das System rechtzeitig gewarnt hätte“.

  • Die Kombination aus erhöhter Umgebungstemperatur, älterem Laufwerksbestand und fehlender Überwachung sei ein klassisches Szenario für die Hochsaison der Datenrettungsbranche.

„Gerade im Sommer steigt auch die Anzahl unserer High-Priority-Einsätze, bei welchen wir rund um die Uhr an sehr dringenden Datenrettungsfällen arbeiten“, gibt Häfele zu bedenken und führt weiter aus: „Viele Unternehmen bedenken nicht, dass hohe Temperaturen deren IT-Infrastruktur sehr schnell lahmlegen können. Die Folge ist oft ein Betriebsstillstand – wir können die Ausfallzeit aber oft auf wenige Stunden reduzieren.“

Verdacht auf Hitzeschaden: Attingo-Tipps für Sofortmaßnahmen

Das Wichtigste zuerst: „Ein verdächtiges Gerät sofort ausschalten und vom Strom trennen!“ Jeder weitere Betrieb nach einem Hitzeschaden erhöhe den mechanischen Schaden bei HDDs und könne bei SSDs und Flash-Speichern dazu führen, dass beschädigte Bereiche überschrieben werden.

Keinesfalls sollten Betroffene versuchen, das Gerät im Kühlschrank oder Gefrierfach abzukühlen – entstehende Kondensation (Schwitzwasser) verursache Folgeschäden durch Kurzschlüsse, welche die Datenrettung erheblich erschwerten oder gar unmöglich machten. Attingo Datenrettung steht nach eigenen Angaben im High-Priority-Service rund um die Uhr zur Verfügung und kann in über 98 Prozent der Fälle die Daten wiederherstellen – auch nach schwersten Hitzeschäden.

Präventive Checkliste für die Hitzewelle

Für Privatanwender:

  • Notebooks, Smartphones und externe Festplatten niemals im parkenden Auto zurücklassen!
  • Geräte nicht in direkter Sonneneinstrahlung betreiben (Fensterbrett, Balkon, Strand)!
  • Laptop nicht auf weichen Oberflächen (Couch, Bett) betreiben – Lüftungsschlitze werden verdeckt!
  • Backup aktuell halten – vor allem vor Urlaubsreisen!

Für Unternehmen:

  • Serverraum-Temperatur überwachen – idealerweise unter 25, maximal 30 Grad Celsius!
  • Lüftungsschlitze an Servern, NAS-Systemen und PCs mit Druckluft reinigen!
  • Klimaanlage im Serverraum vor Beginn der Hitzewelle prüfen lassen!
  • RAID-Status und S.M.A.R.T.-Werte aller Festplatten kontrollieren!
  • Zusätzliche Lüfter direkt an kritischen Festplatten erwägen!
  • Defekte Datenträger sofort ausschalten und nicht mehr mit Strom versorgen!

Weitere Informationen zum Thema:

ATTINGO DATA RESCUE
Attingo Datenrettung Deutschland: Wir übernehmen für Sie die professionelle Wiederherstellung von Daten und haben langjährige Erfahrung mit allen gängigen Systemen.

ATTINGO DATA RESCUE
Über Attingo Datenrettung / Professionelle Datenrettung: Das technisch top ausgebildete und versierte Team von Attingo hat sich auf die Rekonstruktion verlorener Daten spezialisiert.

ATTINGO DATA RESCUE
Ihr Team der Attingo Datenrettung: DI (FH) Markus Häfele, Geschäftsführer

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Sommerwetter birgt Gefahrenpotenzial für Datenträger / Datenträger mobiler Geräte oftmals nur bis zu 35° im Betrieb und 43° bis 45° im abgedrehten Zustand ausgelegt

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