Aktuelles, Branche - geschrieben von am Mittwoch, Juni 5, 2019 16:27 - noch keine Kommentare

KI: Soziale Kompetenzen gefordert

Selbstlernende und -urteilende Technologie in Wirtschaft, Industrie und Staat muss sich an denselben Maßstäben messen lassen wie Menschen

[datensicherheit.de, 05.06.2019] Roboter, die gegeneinander Fußball spielen oder selbst den Schachweltmeister mühelos besiegen können – die Wissenschaft beschäftigt sich seit vielen Jahren damit, den Intellekt des Menschen künstlich nachzubauen. Sascha Puljic, „Vice President Central Europe“ bei Teradata kommentiert, inwieweit ethische Überlegungen in die Programmierung von Algorithmen einbezogen werden müssen: „Was in den 1960er-Jahren pure Fiktion war, ist mittlerweile Wirklichkeit geworden. Zu Beginn der Forschung wurden Maschinen entwickelt, die menschliches Handeln nachahmen sollten. Mittlerweile weiß man, dass es schwierig ist, ,denkende‘ Roboter zu bauen, ohne das menschliche Denken an sich komplett zu verstehen.“ Das führe dazu, dass die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) nun neben IT auch die Bereiche Neurologie, Psychologie und sogar Philosophie umfasse. Um den ethischen Ansprüchen unserer Gesellschaft gerecht werden zu können, müsse Ethik „in die DNA aller selbstlernenden Algorithmen programmiert“ werden.

Düstere Zukunftsvisionen…

Der Historiker Yuval Noah Hariri entwirft laut Puljic in seinem Buch „Homo Deus“ eine düstere Zukunftsvision: Gefüttert durch die grenzenlosen Datenmassen des Internets erweiterten Algorithmen ihre Expertise ins Unendliche. Durch diese Anhäufung von datenbasiertem Wissen sei es schon bald möglich, dass Roboter ganze Unternehmen leiten oder sogar Staaten regieren würden. Für die Weiterentwicklung der Algorithmen seien nur wenige Programmierer vonnöten, so dass für den durchschnittlichen Homo Sapiens eigentlich kein Platz mehr in der Welt sei.
Der neu geschaffene „Dataismus“ löse die bestehenden Glaubenssysteme des Individualismus, der menschlichen Seele sowie den freien Willen des Individuums ab. Der technologische Fortschritt ist für Hariri demnach nicht Segen, sondern Fluch für die Menschheit.
Der Tesla-Gründer Elon Musk gehe sogar noch einen Schritt weiter: Der Mensch müsse sich seiner Meinung nach langfristig zum „Cyborg“ aufrüsten, um der künstlichen Umgebungsintelligenz standhalten zu können. Puljic: „Vermutlich aus diesem Grund investiert Musk in ein Start-up im Silicon Valley, das sich mit der Entwicklung von Hirnimplantaten beschäftigt, die zum Ziel haben, irgendwann mit Computern vernetzt werden zu können.“

Macht der Algorithmen: Fortschritt oder Rückschritt für die Humanität

Im Zeitalter der Automatisierung nutze der Mensch Algorithmen, um komplexe Entscheidungen zu treffen, die auf einem für den Menschen nicht-fassbaren Datensatz beruhten. Im Bereich des Autonomen Fahrens oder der Medizin würden innerhalb kürzester Zeit kritische Entscheidungsbereiche von Maschinen geführt, die teils fragwürdige Ergebnisse zutage förderten. „Auf deren nüchterner Logik basierend und jegliche Menschlichkeit ausklammernd, mögen diese sogar empirisch gesehen richtig sein. Allerdings stellt sich die Frage, wie mit automatisch generierten Entscheidungen umgegangen wird, wenn es beispielsweise um Leben und Tod geht; und wie sichergestellt wird, dass Gesetze, ethische und moralische Standards, eingehalten werden“, so Puljic.
Eine alte IT-Weisheit besage: „A fool with a tool is still a fool”. Ohne ethische Standards werde KI sozusagen ein „Tool für Fools“ bleiben – und darüber hinaus sogar einen Rückschritt für die Humanität bedeuten.
Um die KI-Vorteile von Künstlicher Intelligenz verantwortungsbewusst nutzen zu können, müssten Programmierer und Technologieanbieter sicherstellen, dass die Entscheidungswege des Algorithmus nachvollziehbar sind. Puljic betont: „Nur vollständige Transparenz bietet Manipulationssicherheit, Vorhersagbarkeit – und vor allem Vertrauen. Wenn selbstlernende und selbsturteilende Technologien in Wirtschaft, Industrie und staatlichen Institutionen eingesetzt werden, müssen sie sich an denselben Maßstäben messen lassen wie ihr menschliches Pendant.“ Nur so könnten wir sicherstellen, dass der Segen der KI größer ist als sein Fluch.

Foto: Teradata

Foto: Teradata

Sascha Puljic: Sicherstellen, dass der Segen der KI größer ist als sein Fluch!

Weitere Informationen zum Thema:

datensicherheit.de, 03-06.2019
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