Aktuelles, Branche - geschrieben von am Dienstag, Mai 10, 2022 9:28 - noch keine Kommentare

Nach Cyber-Angriff: Fraunhofer-Institut verweigert Lösegeldzahlung

Cyber-Kriminelle schrecken vor keinem Ziel zurück – egal in welcher Branche

[datensicherheit.de, 10.05.2022] „Es kann jeden treffen – sogar die versierten Techniker des renommierten Fraunhofer-Institutes“, kommentiert Guido Grillenmeier, „Chief Technologist EMEA“ bei Semperis, den Cyber-Angriff auf das Fraunhofer-Institut in Halle. Cyber-Kriminelle schreckten vor keinem Ziel zurück, egal in welcher Industrie.

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Foto: Semperis

Guido Grillenmeier rät, den Schutz der eigenen IT-Kernsysteme zu erhöhen

Cyber-Angriff Mitte April 2022

Das Fraunhofer-Institut in Halle sei indes bei diesem Cyber-Angriff Mitte April 2022 „vermutlich mit dem Schrecken“ davongekommen: Es seien „nur“ Daten gestohlen aber keine Systeme verschlüsselt worden.

Grillenmeier: „Entweder waren die Angreifer zu gierig und wollten noch mehr Daten abgreifen, bevor sie klassischerweise mit der Verschlüsselung der Umgebung beginnen um entsprechende Lösegeldforderungen für den ,Key‘ zur Datenentschlüsselung einzufordern. Dabei wurde das Datenleck dann jedoch entdeckt und betroffene Systeme durch schnelles und kompetentes Handeln des Institutes vom Netz genommen und somit der Angriff im Keim erstickt. Oder es handelte sich um pure Industriespionage, bei der meist eine Zerstörung der Umgebung gar nicht das Ziel ist.“

Cyber-Angreifer kompromittierten möglicherweise das Active Directory

Auch wenn bis dato noch keine technischen Details dieses Angriffs bekannt gemacht worden seien: Es sei höchstwahrscheinlich, dass die Angreifer, auch das „Active Directory“ des Institutes kompromittiert hätten, um den Zugriff auf die gewünschten Forschungsdaten zu erhalten. „Der initiale Zugang wurde entweder durch Schwachstellen von internet-angebundenen Systemen oder einem Fehlverhalten eines Mitarbeiters durch Klicken von Links in einer Phishing-Email oder ähnlichen Links auf maliziösen Webseiten ergattert“, erläutert Grillenmeier. Ab dann gelte es als Angreifer Ruhe zu bewahren und das interne Netz zunächst genauer auf Schwachstellen zu untersuchen.

Bei gut 90 Prozent aller Angriffe hätten die Cyber-Kriminellen dann das „Active Directory“ im Visier, da dessen Eroberung den Zugang zu fast allen Ressourcen im Firmennetz ermögliche. „Ist der Zugang geschafft, werden möglichst viele sensible Firmendaten extrahiert – und hiernach nicht selten schnellstmöglich so viele Server- und Client-Systeme wie möglich verschlüsselt.“ Dieser letzte Schritt sei dem Institut erspart geblieben.

Erfolgreiche Cyber-Angriffe auf Firmen tägliche Normalität

In jedem Fall habe das Fraunhofer Institut vorbildlich gehandelt: „Es ist auf die Lösegeld-Forderungen der Cyber-Kriminellen zum Kauf der gestohlenen Daten, welche derzeit im Darknet angeboten werden, nicht eingegangen.“ Eine Finanzierung der Organisierten Kriminalität habe das Institut nicht unterstützen wollen – „richtig so!“

In einer Zeit, in der erfolgreiche Cyber-Angriffe auf Firmen zur täglichen Normalität geworden seien, lohne es sich, den Schutz der eigenen IT-Kernsysteme zu erhöhen. „Ihr Active Directory ist ein solches IT-Kernsystem. Vernachlässigen sie es nicht und finden sie selbst heraus, welche Schwachstellen ihr AD hat!“, rät Grillenmeier abschließend.

Weitere Informationen zum Thema:

mdr, 06.05.2022
Datendiebstahl / Fraunhofer-Institut in Halle Ziel von Hackerangriff

heise online, 04.05.2022
Nach Cyberangriff auf Fraunhofer-Institut in Halle Daten im Darknet angeboten



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