Aktuelles, Experten - geschrieben von dp am Donnerstag, Mai 29, 2025 0:45 - noch keine Kommentare
„Neuroprivacy“ im Fokus: Mentale Privatsphäre bedroht
Zwei Forscherinnen der Universität Paderborn wurden für ihre Studie „Privacy in the Age of Neurotechnology: Investigating Public Attitudes towards Brain Data Collection and Use“ ausgezeichnet
[datensicherheit.de, 29.05.2025] Zwei Forscherinnen der Universität Paderborn wurden für ihre Studie „Privacy in the Age of Neurotechnology: Investigating Public Attitudes towards Brain Data Collection and Use“ in Madrid mit einem internationalen Datenschutz-Preis, dem „Emilio Aced“-Forschungspreis, ausgezeichnet. Neurotechnologische Anwendungen sammeln und analysieren sensible Hirndaten. Die Neurotechnologie beschränke sich dabei mittlerweile nicht mehr nur auf die Medizin, sondern werde auch in Bereichen wie Unterhaltung oder Fitness eingesetzt. Mit dieser Entwicklung wachsen jedoch offensichtlich auch die datenschutzrechtlichen Herausforderungen.

Foto: Universität Paderborn
Doktorandin Emiram Kablo (l.) und Prof. Dr. Patricia Arias Cabarcos (r.) von der Universität Paderborn wurden von Dr. Francisco Pérez Bes, Stellvertreter des Präsidenten der AEPD, in Madrid mit dem „Emilio Aced“-Forschungspreis ausgezeichnet
Erste nutzerorientierte Studie zum Thema „Neuroprivacy“ erstellt
Prof. Dr. Patricia Arias Cabarcos und Doktorandin Emiram Kablo von der Arbeitsgruppe „IT-Sicherheit“ der Fakultät für Elektrotechnik, Informatik und Mathematik der Universität Paderborn haben in der ersten nutzerorientierten Studie zum Thema „Neuroprivacy“ die Erwartungen und Bedenken der Menschen in Bezug auf die Privatsphäre von Hirndaten untersucht.
Dafür wurden die Wissenschaftlerinnen im April 2025 in Madrid mit dem renommierten Forschungspreis „Emilio Aced“ der spanischen Datenschutzbehörde Agencia Española de Protección de Datos (AEPD) ausgezeichnet. Dieser Preis würdigt herausragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet des Datenschutzes und ist mit 1.500 Euro dotiert.
Akzeptanz neurotechnologischer Datenerfassung stark vom Verwendungszweck abhängig
Ausgezeichnet wurde die Publikation „Privacy in the Age of Neurotechnology: Investigating Public Attitudes towards Brain Data Collection and Use“, welche auf der jährlichen Konferenz „ACM Conference on Computer and Communications Security“ (CCS) veröffentlicht wurde. Mit dieser Studie untersuchten Cabarcos und Kablo die Bedingungen, unter denen Nutzer bereit sind, ihre Gehirnaktivitäten zu teilen.
Das Ergebnis: Besonders große Bedenken hätten die Teilnehmer in der gewerblichen Nutzung neurologischer Daten. „Viele von ihnen fürchten sich um den Verlust ihrer mentalen Privatsphäre“, so Cabarcos. Auch staatliche Stellen, Soziale Medien und Arbeitgeber stießen auf geringe Akzeptanz der Nutzer. Größeres Vertrauen bestehe dagegen in Medizin und Forschung. „Transparenz und das Einholen einer informierten Zustimmung sind die Schlüsselfaktoren für eine Akzeptanz der Neurotechnologie“, betont Kablo.
Erkenntnisse könnten helfen, Lücken in der „Neuroprivacy“-Praxis zu identifizieren
Diese Ergebnisse zeigten deutlich, dass klare Regeln und Schutzmechanismen für Hirndaten benötigt würden, bevor die Technologie massenhaft im Alltag eingesetzt wird. „Unsere Erkenntnisse können als Grundlage dienen, Lücken in der derzeitigen ,Neuroprivacy’-Praxis zu identifizieren“, kommentiert Cabarcos.
Abschließend unterstreicht sie: „Wir wollen Organisationen, Entwickler, politische Entscheidungsträger, Forscher und Datenschutzbeauftragte dabei unterstützen, einen Beitrag zur datenschutzgerechten Weiterentwicklung von Neurotechnologien zu leisten.“
Weitere Informationen zum Thema:
Universität Paderborn, Emiram Kablo & Patricia Arias-Cabarcos, 2023
Privacy in the Age of Neurotechnology: Investigating Public Attitudes towards Brain Data Collection and Use
datensicherheit.de, 10.11.2010
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