Aktuelles, Experten - geschrieben von dp am Donnerstag, November 5, 2020 10:53 - noch keine Kommentare
Telegram: Illegale Marktplätze geschlossen
BKA meldet Sicherstellung der Kommunikation in 9 Telegram-Gruppen mit ca. 8.000 Mitgliedern
[datensicherheit.de, 05.11.2020] Laut einer Meldung des Bundeskriminalamts (BKA) wurden am 29. Oktober 2020 in einer konzertierten Aktion in sechs Bundesländern insgesamt neun Chatgruppen im Messenger-Dienst Telegram übernommen und sichergestellt. Hierzu hätten die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main – Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) – und das BKA sowie weitere Strafverfolgungsbehörden kooperiert.
Ermittlungen gegen Administratoren entsprechender Telegram-Gruppen sowie dortige Händler seit Anfang Juni 2020
Die bundesweiten Ermittlungen gegen Administratoren entsprechender Gruppen sowie dortige Händler seien seit Anfang Juni 2020 geführt worden und hätten bislang zur Identifizierung von 28 Beschuldigten geführt, gegen die dann „Durchsuchungsbeschlüsse in 30 Objekten vollstreckt werden konnten“.
Die Beschuldigten stehen demnach im Verdacht, „Handel mit Betäubungsmitteln, gefälschten Dokumenten, illegal erlangten Daten und anderen inkriminierten Gütern“ über den Messenger-Dienst „Telegram“ betrieben zu haben.
In den übernommenen Telegram-Kanälen und -Gruppen wurden Sicherstellungsbanner veröffentlicht
An dieser konzertierten Aktion seien mit der „Durchführung strafprozessualer Maßnahmen in eigener Zuständigkeit“ auch die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg – Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) – und die Staatsanwaltschaften in Bremen, Chemnitz, Essen, Hagen, Konstanz und Mannheim in Zusammenarbeit mit örtlichen Polizeidienststellen beteiligt gewesen.
Auch in der Republik Österreich seien durch die Staatsanwaltschaft Feldkirch mit der Polizei Vorarlberg zeitgleich Durchsuchungen durchgeführt worden.
Im Kontext dieser Maßnahmen habe die Kommunikation in insgesamt neun Chatgruppen des Messengers „Telegram“ mit ca. 8.000 Mitgliedern übernommen und sichergestellt werden können, darunter u.a. „Silk Road“, „Marktplatz//Schwarzmarkt“, „GermanRefundCrew“ oder „Cracked Accounts Shop“. In den übernommenen Kanälen und Gruppen sei ein Sicherstellungsbanner veröffentlicht worden. „Im Rahmen der Durchsuchungen der Wohnungen der Tatverdächtigen konnten zudem über vier Kilogramm Betäubungsmittel, acht Waffen und 8.000 Euro Bargeld sowie zahlreiche weitere Beweismittel, insbesondere Smartphones und diverse Datenträger, sichergestellt werden.“
Darknet-Alternative: Handel mit illegalen Waren und Dienstleitungen über Telegram
Der von ZIT und BKA geführte Teil des Ermittlungskomplexes richte sich gegen 13 Männer im Alter von 18 bis 54 Jahren. Gegen sie bestehe u.a. „der Verdacht des Verschaffens einer Gelegenheit zum unbefugten Erwerb bzw. zur unbefugten Abgabe von Betäubungsmitteln (§ 29 Abs. 1 Ziff. 10 BtMG) bzw. des unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in teils nicht geringer Menge (§§ 29 Abs. 1, 29a Abs. 1 BtMG).“ Gegen einen 25-jährigen Mann aus dem Landkreis Offenbach habe ein durch die ZIT bei dem Amtsgericht Offenbach am Main erwirkter Haftbefehl vollstreckt werden können. Zudem sei ein weiterer 19-jähriger Mann aus dem Landkreis Offenbach vorläufig festgenommen worden, der noch am 30. Oktober 2020 dem Haftrichter des Amtsgerichts Offenbach am Main vorgeführt werden sollte.
Bei dem Handel mit illegalen Waren und Dienstleitungen über „Telegram“ handele es sich um eine Alternative zu Handelsplattformen im sogenannten Darknet. Dabei erfolge in den teilweise öffentlich zugänglichen Kanälen und Chatgruppen von „Telegram“ die Anbahnung der illegalen Geschäfte, etwa durch mit Bildern beworbene Angebote oder durch Listen verifizierter Händler. Die Abwicklung der illegalen Geschäfte zwischen Händler und Käufer erfolge danach in separaten Chats zwischen einzelnen „Telegram“-Nutzern.
Weitere Informationen zum Thema:
datensicherheit.de, 29.08.2020
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