Aktuelles, Branche, Studien - geschrieben von am Sonntag, Mai 27, 2018 22:41 - noch keine Kommentare

DSGVO laut BLC-Studie vielen Deutschen noch unbekannt

Rund 29 Prozent der Befragten im Alter von 20 bis 29 Jahren könnten mit dem Begriff „Datenschutzgrundverordnung“ gar nichts anfangen

[datensicherheit.de, 27.05.2018] Die seit dem 25. Mai 2018 anzuwendende EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) betrifft jeden Bundesbürger – und dennoch soll ein Fünftel der deutschen Verbraucher noch nie von ihr gehört haben, so ein Ergebnis der aktuellen „Datenschutz-Studie 2018“ der Unternehmensberatung Berg Lund & Company (BLC). Weiteren 43 Prozent sei der Begriff zwar geläufig, sie könnten aber nicht angeben, was er beinhaltet. Vor allem die Jüngeren wüssten nicht, dass es die neue Datenschutzgrundverordnung überhaupt gibt. Rund 29 Prozent der Befragten im Alter von 20 bis 29 Jahren könnten mit dem Begriff gar nichts anfangen. In der Altersgruppe 60 bis 69 Jahre sei der Anteil der gänzlich „Unwissenden“ mit 14 Prozent nur halb so groß. Am wenigsten bekannt seien das Gebot der Datensparsamkeit sowie der in der Presse recht häufig erwähnte erhöhte Strafrahmen für Datenschutzverstöße. Die zugrundeliegende „BLC Datenschutz-Studie 2018 – DSGVO aus Sicht der Verbraucher“ ist laut BLC im Zeitraum April/Mai 2018 erhoben worden: 2.000 Verbraucher in Deutschland im Alter zwischen 20 und 69 Jahren seien dafür online befragt worden.

Verbraucher bisher unzureichend informiert

„Während die DSGVO in Unternehmenskreisen seit Monaten ein wichtiges Thema ist und auch zunehmend in der Tagespresse auftauchte, ist bei den Verbrauchern, zu deren Schutz die verschärften Regelungen ja schließlich erlassen wurden, erstaunlich wenig angekommen“, berichtet Dr. Thomas Nitschke, „Senior Partner“ bei BLC.
Dabei liege den Deutschen der Schutz ihrer Daten durchaus am Herzen: So sei es für rund 72 Prozent der Befragten ein absolutes Muss, dass ihre finanziellen Daten, wie zum Beispiel Zahlungsbewegungen und Angaben über ihr Vermögen, geschützt sind. Jeder Zweite sehe außerdem einen solchen Schutz von Vertragsdaten bei Banken, Versicherungen, Telefon- oder Stromanbietern als „zwingend erforderlich“ an.
Die eigenen Aufenthaltsorte preiszugeben lehne dagegen nur etwa jeder Dritte kategorisch ab. Persönliche Interessen wie Hobbys oder geplante Reisen würde sogar nur jeder Vierte prinzipiell nicht freigeben. Dabei seien Frauen bei vielen Datenkategorien deutlich vorsichtiger als Männer: Die Hälfte der Frauen sehe beispielsweise Personalien als zwingend schützenswert an, verglichen mit 42 Prozent der Männer.

Digitale Geschäftsmodelle werden zu wenig durchschaut

Kostenlose Online-Dienste seien inzwischen allgegenwärtig. Nahezu alle Befragten (94%) nutzten mindestens ein werbefinanziertes Online-Angebot wie etwa GMX, Facebook oder WhatsApp. Selbst unter den Befragten von 50-69 Jahren bedienten sich über 90 Prozent solcher vermeintlichen Kostenlos-Dienste.
Spitzenreiter in allen Altersgruppen seien erwartungsgemäß kostenlose E-Mail-Dienste, die von über drei Viertel aller Befragten genutzt würden. Chat-Dienste und Soziale Medien verwendeten noch jeweils rund zwei Drittel – und bereits mehr als jeder dritte Befragte unter 40 Jahre nehme auch unentgeltliche Cloud Services in Anspruch. Nahezu jeder Deutsche sei damit inzwischen Teil der großen Datenverwertungsmaschine – und die Nutzung werde immer vielfältiger.
Dass Datenauswertungen Teil des Geschäftsmodells vieler Anbieter solcher digitalen Dienstleistungen sind, sei den Verbrauchern kaum bewusst: 43 Prozent der Befragten seien sich der Tatsache nicht gewahr, dass sie kostenlose Services gegen personalisierte Werbung basierend auf ihren Nutzungsdaten eintauschten. „Ein überraschendes Ergebnis, wenn man die aktuelle Datenschutz-Debatte rund um den Facebook-Skandal bedenkt“, so Nitschke.

Verbraucher verhalten sich beim Datenschutz bewusst widersprüchlich

Die vermeintlich kostenlosen datengetriebenen Geschäftsmodelle hätten indes nur wenige wirkliche Freunde. So finde nur rund jeder dritte Befragte den Tausch „kostenloses Angebot gegen allgemeine Werbung“ unkritisch, und sogar nur jeder Sechste die Verwendung persönlicher Daten für individualisierte Werbung.
Die Mehrheit von 70 Prozent beäuge personalisierte Werbeangebote zwar skeptisch, nehme sie aber in Kauf, da sie auf die Anwendungen nicht verzichten wollten. „Die deutschen Verbraucher verhalten sich beim Datenschutz bewusst widersprüchlich“, sagt Nitschke. Der Großteil der Deutschen halte seine Daten für schützenswert – und gebe sie dennoch sehenden Auges preis.

Unterschiedliche Zahlungsbereitschaft für werbefreie Modelle

Bemerkenswert sei die Einstellung derjenigen knapp 60 Prozent, die um die Verwendung ihrer Daten wüssten. Auch wenn vier von fünf dieser Verbraucher diese Datennutzung kritisch sähen, lehnten nur vier Prozent sie komplett ab. Nitschke: „Ein Teil der Verbraucher erhofft sich durch Personalisierung passende, zumindest aber weniger störende Angebote und hat sich arrangiert.“ Ganz anders verhalte es sich bei denjenigen, die nicht mit der Verwendung ihrer Daten rechneten – hier liege die harte Ablehnung bei 26 Prozent. Dies zeige erneut, wie vor allem der intransparente Umgang mit Datennutzung Kunden verärgert und Vertrauen zerstört.
Die Zahlungsbereitschaft für werbefreie Modelle, die ausdrücklich keine Daten auswerten, variiere stark. Nur jeder fünfte Nutzer kostenloser E-Mail-Programme würde für einen datenschutzfreundlicheren Service Geld bezahlen. Bei Cloud-Angeboten sei es immerhin jeder Dritte. Dabei wiesen junge Kunden eine vergleichsweise hohe Zahlungsbereitschaft auf: Unter-Dreißigjährige würden hierfür immerhin durchschnittlich knapp sieben Euro im Monat bezahlen.

Weitere Informationen zum Thema:

Berg Lund & Company
BLC Studie Datenschutz 2018



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