Aktuelles, Branche, Service, Umfragen - geschrieben von am Montag, November 12, 2012 23:11 - noch keine Kommentare

Einsatz von SSD-Speichern in deutschen Unternehmen birgt Risiken insbesondere für die Datenwiederherstellung

Laut einer Kundenumfrage von Kroll Ontrack sieht fast die Hälfte der Befragten keine Gefahr

[datensicherheit.de, 12.11.2012] SSD-Speicher haben nun schon seit ein paar Jahren Einzug auch in die Unternehmenswelt gehalten, doch bergen diese genau wie andere Massenspeicher Risiken.
Aufgrund der bislang fehlenden Langzeiterfahrung werden die Gefahren von vielen Unternehmen offensichtlich entweder nicht wahrgenommen oder bewusst verharmlost. Dies zeige jedenfalls eine aktuelle Umfrage von Kroll Ontrack, nach eigenem Verständnis ein „Spezialist für Datenlöschung und Information Management“.
Insgesamt 48 Prozent der befragten Unternehmen sähen demnach beim Einsatz von SSD-Speichern keinerlei Risiken. Dagegen seien sich gerade einmal 31 Prozent bewusst, dass proprietäre Verschlüsselungstechniken eine Datenrettung erschweren könnten. Bei den herstellereigenen Verschlüsselungs-Lösungen, wie sie für SSD-Speicher üblich seien, befinde sich der Schlüssel nicht beim Kunden selbst, sondern immer in Herstellerhand. Die Hersteller der SSD-Speicher gäben diese Schlüssel auch im Fall eines Datenverlustes nicht aus der Hand, selbst wenn sie keine eigene Datenwiederherstellung bzw. –rettung anbieten. Eine Rettung der Daten werde dadurch wesentlich komplexer oder sei oft gar nicht möglich, warnt Kroll Ontrack.
Ein weiterer Risikofaktor sei die nur schwer absehbare Lebensdauer von SSD-Festplatten. Hielten gerade spezielle Business-HDD-Festplatten oft zehn Jahre und länger, hänge bei den komplett ohne mechanische Bauteile auskommenden SSDs die Lebensdauer hauptsächlich von der Anzahl der Schreib- und Lesevorgänge ab. Je häufiger auf einen solchen Massenspeicher zugegriffen wird, desto eher werde er die ordnungsgemäße Funktion einstellen. Bei den Umfrageteilnehmern liege allerdings immer noch zu 70 Prozent die Überzeugung vor, dass SSDs eine mindestens ebenso lange Lebensdauer wie ***HDDs***[http://de.wikipedia.org/wiki/Festplatte] hätten. Auch das Risiko eines Datenverlustes werde stark verharmlost – so seien insgesamt 92 Prozent der Befragten der Meinung, dass klassische Festplatten häufiger Daten verlören als SSDs.
Statistiken aus den Datenrettungslaboren von Kroll Ontrack zeigten jedoch, dass SSD-Speicher ähnlich oft ausfielen wie traditionelle HDD-Festplatten. In manchen Fällen lägen die Fehlerraten sogar höher als bei den mechanischen Vorfahren. Außerdem sei es weit aufwändiger, Daten von SSDs zu retten als von HDDs. So müssten für jedes SSD-Modell erst spezielle Soft- und/oder Hardware-Werkzeuge entwickelt werden, da die Hersteller sich bislang noch nicht auf einheitliche, standardisierte Konfigurationen hätten einigen können. Auch die den SSDs eigene Speichernutzung könne die Experten vor Hindernisse stellen, denn das sogenannte „Wear Leveling“ – also die gleichmäßige Speichernutzung über alle Sektoren – erfordere die Überprüfung und Bewertung einer Vielzahl von Daten-Block-Duplikaten. Eine weitere Schwierigkeit sei die „RAID 0“-ähnliche Konfiguration der SSD-Speicher, bei der die Daten auf acht, 16 oder 32 Einzelchips verteilt seien. Diese erzeugten durch den Aufbau aus verschiedenen Memory-Chips eine unzusammenhängende Datenstruktur, die sich nur sehr schwer wieder zusammenfügen lasse.
Generell könne eine Unternehmensführung den Auswahlprozess geeigneter Massenspeicher erleichtern, indem im Rahmen einer „Compliance-Verordnung“ festgelegt werde, welche Anforderungen Festplatten für unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten erfüllen müssen. Somit könne für jeden Bereich das passende Speichermedium gefunden werden, empfiehlt Kroll Ontrack.



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