Aktuelles - geschrieben von am Freitag, April 17, 2026 0:47 - noch keine Kommentare

Deutschland: Digitale Transformation der Industrie geht in die nächste Runde

81 Prozent der deutschen Industrieunternehmen betrachten „Industrie 4.0“ als Chance – nur 16 Prozent sehen darin ein Risiko

[datensicherheit.de, 17.04.2026] Automatisierte Produktionsabläufe mit Künstlicher Intelligenz (KI), schnellere Fertigung durch 3D-Druck oder Humanoide Roboter, welche gefährliche Schweißarbeiten übernehmen – Deutschlands Fabriken werden offenbar zunehmend digitalisiert. Die deutsche Industrie bewertet den Einsatz digitaler Technologien in der Produktion jedenfalls weit überwiegend positiv: „81 Prozent der deutschen Industrieunternehmen sehen ,Industrie 4.0‘ als Chance, nur 16 Prozent sehen darin ein Risiko. Gleichzeitig ist ,Industrie 4.0‘ ein Wettbewerbsfaktor.“ Grundlage dieser aktuellen Erkenntnisse ist demnach eine repräsentative Umfrage, welche von Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom e.V. durchgeführt wurde – hierzu seien 555 Industrieunternehmen des verarbeitenden Gewerbes ab 100 Beschäftigten in Deutschland telefonisch im Zeitraum der Kalenderwochen 6 bis 11 2026 befragt worden.

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Abbildung: Bitkom

Digitalisierung der deutschen Industrie: Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit

„Industrie 4.0“ kein vager Technologietrend mehr, sondern Basis für industrielle Wettbewerbsfähigkeit

Für fast alle deutschen Industrieunternehmen (94%) sei „Industrie 4.0“ sehr wichtig oder gar unverzichtbar, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen („unverzichtbar“: 30%; „sehr wichtig“: 64%). Nur knapp vier Prozent hielten „Industrie 4.0“ hingegen für „unwichtig“.

  • Dies seien Ergebnisse einer repräsentativen Befragung im Bitkom-Auftrag anlässlich der „Hannover Messe 2026“ .

„,Industrie 4.0‘ ist kein Technologietrend, sondern die Basis für industrielle Wettbewerbsfähigkeit“, kommentiert Bitkom-Vizepräsidentin Dr. Tanja Rückert. Sie führt hierzu aus: „Mit KI und künftig Humanoiden Robotern erhält ,Industrie 4.0‘ ein massives Upgrade, die Digitale Transformation der deutschen Industrie geht mit KI in die nächste Runde.“

„Industrie 4.0“ in der Produktion angekommen

Wie groß die Bedeutung dieser Technologien für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Industrieunternehmen ist, zeige die nun vorliegende Bitkom-Studie. Etwa neun von zehn Industrieunternehmen (89%) würden „Industrie 4.0“ allgemein eine „sehr große“ oder „eher große“ Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie beimessen, bei Künstlicher Intelligenz (KI) seien es knapp acht von zehn (78%).

  • Auch Humanoide Roboter – d.h. KI-basierte menschenähnlich gebaute Roboter – würden mehrheitlich als bedeutsam für die Wettbewerbsfähigkeit eingeschätzt: Mehr als sechs von zehn Industrieunternehmen (63%) rechneten dieser Technologie eine „sehr große“ oder „eher große Bedeutung“ zu.

In der Produktion sei „Industrie 4.0“ jedenfalls keine Zukunftsvision mehr, sondern gelebte Praxis. 97 Prozent der Industrieunternehmen setzten mindestens eine „Industrie 4.0“-Anwendung ein. Im Bereich der intelligenten Steuerung und Planung sei KI am weitesten verbreitet: KI sei bereits bei 40 Prozent der Industrie-Unternehmen im Einsatz, fast ebenso viele (38%) planten dies.

„Industrie 4.0“ gehört gut zehn Jahre nach Einführung des Begriffs zum Alltag

Auch Digitale Zwillinge seien inzwischen weit verbreitet: 45 Prozent der Industrieunternehmen hätten diese im Einsatz, 26 Prozent planten es. „Physical AI“, also KI, die Maschinen oder Roboter in die Lage versetzt, physische Aufgaben selbstständig auszuführen, sei bei sechs Prozent der deutschen Industrieunternehmen im Einsatz. Diese Technologie stecke zwar noch in den Anfängen – allerdings planten bereits mehr als ein Viertel der Unternehmen (28%) ihre Einführung.

  • Geht es um digitale Infrastrukturen und Vernetzung, so liegen laut Bitkom IoT-Plattformen an der Spitze der einschlägigen Technologien: Diese seien bei 45 Prozent der Industrieunternehmen im Einsatz und bei einem Drittel (33%) geplant. Aber auch Datenräume, „Edge Computing“, „Lifecycle Management“ und 5G-Campusnetze würden in der Produktion eingesetzt und trügen zu einer vernetzten Produktion bei.

„In den Fabriken ist ,Industrie 4.0‘ gut zehn Jahre nach Einführung des Begriffs Alltag“, bilanziert Rückert. Sie betont: „Jetzt kommt es darauf an, mit Digitalen Zwillingen, KI und künftig auch Humanoiden Robotern ein neues Kapitel der ,Industrie 4.0‘ aufzuschlagen.“ 27 Prozent der deutschen Industrieunternehmen wollten 2026 – verglichen mit dem Jahr 2025 – mehr in „Industrie 4.0“-Technologien investieren, 50 Prozent wollten ihre Investitionen auf dem bisherigen Niveau halten. 20 Prozent planten geringere Investitionen.

64% der Industrieunternehmen der Auffassung, dass Humanoide Roboter die Industrie produktiver machen

Neben den breit genutzten Anwendungen wie KI, IoT-Plattformen oder Digitalen Zwillingen gerieten neue Technologien stärker in den Blick – darunter Humanoide Roboter. Sie zählten zum Bereich „Physical AI“ und könnten bislang von Menschen ausgeführte Aufgaben übernehmen.

  • Die Industrieunternehmen sähen darin einen Produktivitätsfaktor: Mehr als sechs von zehn Industrieunternehmen (64%) seien der Auffassung, dass Humanoide Roboter die Industrie produktiver machten. Fast sieben von zehn (68%) sprächen sich dafür aus, dass Deutschland humanoide Roboter schnell selbst entwickelt und auf den Weltmarkt bringt. Gleichzeitig halte fast jedes dritte Industrieunternehmen (31%) Humanoide Roboter für einen „Hype“, welcher bald vorübergehen werde; 41 Prozent seien der Auffassung, diese Technologie koste mehr, als sie bringe.„An Humanoiden Robotern scheiden sich derzeit die Geister“, so Rückert.

Vereinzelt würden Humanoide Roboter in der deutschen Industrie heute bereits eingesetzt: Sechs Prozent der Industrieunternehmen arbeiteten bereits mit ihnen, jedes zehnte Unternehmen (10%) plane dies und acht Prozent diskutierten darüber. Allerdings sei für drei von vier Industrieunternehmen (72%) der Einsatz Humanoider Roboter derzeit noch kein Thema.

Humanoide Roboter in den kommenden zehn Jahren wohl in Mehrzahl der Industrieunternehmen eingesetzt

Beim Blick in die Zukunft sehe die Lage indes anders aus: Insgesamt könne sich fast die gesamte deutsche Industrie (97%) zumindest langfristig vorstellen, dass Humanoide Roboter in der Produktion breit eingesetzt werden. Jedes fünfte befragte Unternehmen (20%) erwarte, dass Humanoide Roboter in den kommenden zehn Jahren in der Mehrzahl der Industrieunternehmen eingesetzt würden.

  • Drei Prozent gingen davon aus, dass dies bereits fünf Jahren der Fall sein werde, 17 Prozent rechneten damit in den kommenden sechs bis zehn Jahren. Mit 54 Prozent halte der überwiegende Teil der Industrieunternehmen ein solches Szenario erst langfristig im Zeitraum von elf bis 20 Jahren für realistisch, 14 Prozent rechneten damit in 21 bis 30 Jahren und neun Prozent erwarteten dies erst in sehr ferner Zukunft nach Ablauf von mehr als 30 Jahren.

Dass sich Humanoide Roboter in der Industrie nie flächendeckend durchsetzen werden, meine allerdings kaum jemand – lediglich zwei Prozent der Industrieunternehmen teilten diese grundsätzliche Skepsis gegenüber dieser neuen Technologie. „Humanoide Roboter waren vorgestern Science Fiction, gestern galten sie als visionär und jetzt werden sie zu einem echten, geschäftsrelevanten Industriethema“, unterstreicht Rückert. Entscheidend sei nun, „dass Deutschland gleichermaßen in die Entwicklung wie in den Einsatz Humanoider Roboter investiert“.

KI für die Industrie klarer Wettbewerbsfaktor

Am Beispiel Humanoider Robotik zeige sich, wie stark die industrielle Entwicklung inzwischen von KI geprägt sei. Rückert betont: „KI ist nicht mehr nur eine einzelne Anwendung, sie wird derzeit zur wohl wichtigsten Basistechnologie in industrieller Entwicklung, Fertigung und Betrieb.“ Fast acht von zehn Industrieunternehmen (79%) seien der Auffassung, dass KI künftig entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie sein werde.

  • 76 Prozent seien der Meinung, dass die deutsche Industrie beim Einsatz von KI eine Vorreiterrolle einnehmen sollte. Nur 19 Prozent hielten KI in der Industrie für einen vorübergehenden „Hype“. Gleichzeitig stimme mehr als die Hälfte (55%) der Aussage zu, dass die deutsche Industrie die KI-Revolution zu verschlafen drohe – neun Prozentpunkte mehr als im letzten Jahr.

Dennoch sehe sich bei KI jedes zweite deutsche Industrieunternehmen (51%) vorne. 46 Prozent ordneten sich hingegen eher als Nachzügler ein (36%) oder sagten gar, sie hätten den Anschluss verpasst (10%). „Künstliche Intelligenz ist für die deutsche Industrie die wohl wichtigste Zukunftsfrage, meint Rückert und sie begründet dies wie folgt: „Die Unternehmen sehen in KI enormes Potenzial für mehr Effizienz, Qualität und Wettbewerbsfähigkeit.“

Schwierige Konjunktur bremst Digitalisierung der deutschen Industrie aus

Die schwierige gesamtwirtschaftliche Lage wirke sich allerdings nachteilig auf die Digitalisierung der deutschen Industrie aus. Über die Hälfte (58%) der Industrieunternehmen sei der Auffassung, dass die aktuelle Konjunktur die Digitalisierung ihres Unternehmens bremsen werde.

  • 45 Prozent rechneten mit einem Stellenabbau im eigenen Unternehmen; gleichzeitig erwarteten 48 Prozent, infolge von Stellenkürzungen in anderen Industrieunternehmen Fachkräfte gewinnen zu können.

Neben der wirtschaftlichen Lage erhöhe zudem der Wettbewerb aus China den Druck auf die deutsche Industrie. Mehr als jedes achte Industrieunternehmen (13%) empfinde einen „sehr starken“ Wettbewerbsdruck aufgrund gestiegener Exporte aus China, fast die Hälfte (49%) einen „eher starken“ Wettbewerbsdruck. Umgekehrt spüre lediglich jedes fünfte Industrieunternehmen (22%) nur „geringen“, 13 Prozent spürten „keinerlei zusätzlichen Druck“.

Bei der „Industrie 4.0“ in Deutschland indes noch Aufholbedarf

Der wirtschaftliche Druck treffe die Industrie in einer Phase, in der sich der internationale Wettbewerb weiter verschärfe. Im internationalen Vergleich liege Deutschland nach Selbsteinschätzung der Unternehmen bei „Industrie 4.0“ nur auf Platz 3. Ein Zehntel (10%) der Industrieunternehmen sehe Deutschland international beim Thema „Industrie 4.0“ vorne.

  • Als führende Nation bei „Industrie 4.0“ werde derzeit am häufigsten China genannt (34%), und auch die USA würden von 21 Prozent in diesem Bereich führend wahrgenommen.

Die Situation ihres eigenen Unternehmens bewerteten die Befragten etwas positiver. Neun Prozent der deutschen Industrieunternehmen sähen sich an der Spitze, 38 Prozent eher als Vorreiter bei „Industrie 4.0“. Knapp die Hälfte (50%) sehe sich umgekehrt als Nachzügler, lediglich ein Prozent sage, dass das eigene Unternehmen den Anschluss verpasst habe. „China legt bei ,Industrie 4.0‘ das Tempo vor“, gibt Rückert zu bedenken und legt nahe: „Deutschland muss dranbleiben, mit mehr Tempo und Investitionen in Innovation und digitaler Infrastruktur!“

Unternehmen und Politik in der Verantwortung: Deutschland braucht für industrielle KI bessere Standortbedingungen

„Wie können Industrieunternehmen bei der Einführung von ,Industrie 4.0‘-Anwendungen besser unterstützt werden?“ Dafür brauchte es sowohl in der Wirtschaft selbst als auch in der Politik die richtigen Weichenstellungen:

  • „Viele zentrale Anwendungen von ,Industrie 4.0‘ bauen heute auf KI auf oder werden durch sie deutlich leistungsfähiger. Umso wichtiger ist es, KI nicht nur punktuell zu testen, sondern sie systematisch in Produktions- und Engineering-Prozesse zu überführen – mit leistungsfähiger Infrastruktur, einheitlichen Datenstandards und qualifizierten Beschäftigten entlang der Wertschöpfungskette“, bilanziert Rückert.

Ihr abschließendes Plädoyer: „Deutschland braucht bei industrieller KI bessere Standortbedingungen: Mehr Rechenkapazitäten, bessere Dateninfrastrukturen, umsetzbare Regeln, gezielte Fachkräftequalifizierung und einfache Förderprogramme für den Mittelstand! Jetzt geht es nicht mehr um das nächste Pilotprojekt, sondern um den breiten Einsatz von KI in der Wirtschaft und Industrie.“

Weitere Informationen zum Thema:

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Über uns

bitkom
Dr. Tanja Rückert – Vizepräsidentin Bitkom Geschäftsführerin / Chief Digital Officer Robert Bosch GmbH

bitkom, 14.04.2026
Industrie 4.0: Wie digital ist Deutschlands Industrie? / Dr. Tanja Rückert, Bitkom-Vizepräsidentin

datensicherheit.de, 12.04.2026
KI-Verordnung: Konkretisierung der Transparenzpflichten für Unternehmen / Für betroffene Unternehmen wächst der Handlungsdruck – sie müssen wissen, wann KI-generierte oder KI-manipulierte Inhalte zu kennzeichnen sind

datensicherheit.de, 05.02.2026
Moderne OT-Resilienz: Digitale Zwillinge als wichtige Bausteine / Neben kontinuierlichem „Exposure Management“ braucht operative Resilienz in OT-Umgebungen konkrete technische und organisatorische Hebel: Zugangskontrollen, belastbare Testumgebungen und kompensierende Maßnahmen für „Legacy“-Systeme

datensicherheit.de, 14.08.2025
Humanoide Roboter: Ergänzung und Erweiterung bestehender Technologien statt deren Ersatz / Weltroboterverband IFR veröffentlicht Positionspapier zu Trends, Chancen und möglichen Grenzen humanoider Roboter

datensicherheit.de, 17.02.2020
Industrie 4.0 braucht ganzheitliche IT-Sicherheit im Wertschöpfungsprozess / Das neue Jahrzehnt erfordert eine Änderung der Sicherheitslage in der OT-Branche



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