Aktuelles, Branche, Studien - geschrieben von dp am Donnerstag, Februar 26, 2026 0:35 - noch keine Kommentare
KI-Ambivalenz: Check Point warnt vor neuer Befehls- und Kontrollschicht
KI-Sicherheit und Unternehmenssicherheit sind zunehmend untrennbar miteinander verbunden – es gilt daher sicherzustellen, dass eine beschleunigte KI-Einführung nicht versehentlich von Angreifern auszunutzende Schwachstellen schafft
[datensicherheit.de, 26.02.2026] Sicherheitsforscher von „Check Point Research“ (CPR) haben eine neue Forschungsanalyse veröffentlicht, welche auf KI-Assistenten als verdeckte Befehls- und Kontrollkanäle sowie KI-gesteuerte Malware fokussiert. Diese stehen demnach für einen Wendepunkt im modernen Cyberrisiko – mit Auswirkungen auf alle Branchen, welche die Einführung Künstlicher Intelligenz (KI) vorantreiben. In dieser neuen Realität seien KI-Sicherheit und Unternehmenssicherheit untrennbar miteinander verbunden – und Unternehmen müssten sicherstellen, dass die beschleunigte Einführung von KI nicht versehentlich Schwachstellen schafft, welche Angreifer ausnutzen könnten.

Foto: Check Point
Eli Smadja rät Unternehmen, agentenbasierte KI-Funktionen zu nutzen, um den Datenverkehr zu und von KI-Diensten zu überprüfen und zu kontextualisieren sowie böswillige Kommunikationsversuche zu blockieren
Malware-Entwicklung von statischer, signaturbasierter Logik hin zu KI-gesteuerten Implantaten
KI-Assistenten wie z.B. „Microsoft Copilot“ und „Grok“ unterstützten Webbrowsing- oder URL-Abruf-Funktionen. Sie könnten als verdeckte C2-Proxys missbraucht werden, so dass Malware Daten mit der Infrastruktur des Angreifers austauschen könne, während sie sich nahtlos in den normalen KI-Datenverkehr des Unternehmens einfüge.
- Malware gehe von statischer, signaturbasierter Logik zu KI-gesteuerten Implantaten über, welche in der Lage seien, Entscheidungen in Echtzeit zu treffen – darunter die Einstufung von Opfern, die Priorisierung von Dateien, die Auswahl von Befehlen, die Umgehung von „Sandboxes“ und die Anpassung von Taktiken während des Betriebs. Zusammen zeigten diese Erkenntnisse eine Zukunft, in der KI nicht mehr nur den Angreifer unterstütze, „sondern Teil seiner Infrastruktur ist“.
Eli Smadja, CPR-Leiter, erläutert hierzu: „KI wird nicht nur in alltägliche Geschäftsabläufe integriert, sondern genauso wird sie auch in die Abläufe von Angreifern integriert. Angreifer benötigen keine hochentwickelte Infrastruktur mehr, sondern lediglich Zugang zu allgemein vertrauenswürdigen KI-Diensten.“
KI-Datenverkehr mit derselben Sorgfalt überwachen wie jeden anderen risikoreichen Kanal
Um also sicher zu bleiben, müssten Unternehmen den KI-Datenverkehr mit derselben Sorgfalt überwachen wie jeden anderen risikoreichen Kanal, strengere Kontrollen für KI-gestützte Funktionen durchsetzen und Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, „die nicht nur verstehen, was KI tut, sondern auch warum“.
- Smadja legt nahe: „Dazu sollten sie agentenbasierte KI-Funktionen nutzen, um den Datenverkehr zu und von KI-Diensten zu überprüfen und zu kontextualisieren und böswillige Kommunikationsversuche zu blockieren, bevor sie als verdeckte Kanäle missbraucht werden können.“
Zentrale aktuelle CPR-Erkenntnisse:
- KI-Assistenten können als heimliche C2-Relays missbraucht werden
Angreifer könnten KI-Assistenten dazu veranlassen, von Angreifern kontrollierte URLs abzurufen und eingebettete Befehle zurückzugeben – ohne API-Schlüssel oder Benutzerkonten –, wodurch Malware die Kommunikation innerhalb des legitimen KI-Datenverkehrs verbergen könne. - Anonymer KI-Webzugriff macht herkömmliche Kill-Switches überflüssig
Wenn keine Konten oder Schlüssel erforderlich sind, könnten sich Verteidiger nicht auf herkömmliche Mechanismen zum Abschalten verlassen; der Datenverkehr sehe identisch aus wie bei der alltäglichen KI-Nutzung. - Malware wird adaptiv und promptgesteuert und nutzt KI als Remote-Gehirn
Zukünftige AID-Malware könne die Entscheidungsfindung an KI-Modelle auslagern, das Verhalten über infizierte Hosts hinweg dynamisch anpassen und während eines Eindringens dynamische Anweisungen erhalten – wodurch Angriffe schwieriger vorherzusagen, zu erkennen und zu analysieren seien. - KI wird Targeting, Datendiebstahl und Ransomware-Operationen beschleunigen
Anstatt alles zu verschlüsseln, könnte KI-gesteuerte Ransomware bald nur noch hochwertige „Assets“ identifizieren und mit minimal beobachtbarer Aktivität agieren – wodurch sich das Zeitfenster für die Erkennung von Minuten auf Sekunden verkürze. - KI-Datenverkehr wirde zu einem blinden Fleck für Unternehmen
Wenn Unternehmen KI in ihre alltäglichen Arbeitsabläufe integrierten, verließen sich Angreifer zunehmend auf dieselben Dienste, da sie wüssten, dass dieser Datenverkehr erlaubt, vertrauenswürdig und selten überprüft sei.
KI-Tools könnten Teil der Angriffsfläche werden
KI-Tools würden schnell Teil der Angriffsfläche, da sie sich in den legitimen Datenverkehr einfügten – „und in einigen Fällen sogar Teil der Angriffsinfrastruktur selbst werden“. KI-gestützte Kommunikation werde oft als vertrauenswürdig angesehen, sei weit verbreitet und werde selten überprüft, was Angreifern die Möglichkeit gebe, sich im alltäglichen KI-Datenverkehr zu verstecken, so dass sie mit herkömmlichen Erkennungsmethoden nicht ohne Weiteres entdeckt werden könnten.
- Für Unternehmen bedeute dies, dass Bereiche mit KI nun als hochwertige und risikoreiche Ausgangspunkte behandelt werden müssten, wobei der KI-Datenverkehr überprüft und kontextualisiert werden müsse, anstatt ihn als standardmäßig sicheren Datenverkehr zu betrachten, „der denselben Kontrollen unterliegt wie jeder andere kritische Kommunikationskanal“.
Gleichzeitig verändere die Entwicklung hin zu KI-gesteuerter Malware grundlegend die Art und Weise, wie Verteidiger über Cyberbedrohungen denken müssten. Da diese Implantate sich auf KI-Modelle stützen könnten, um Hosts zu triagieren, Ziele auszuwählen, ihr Verhalten anzupassen und beobachtbare Aktivitäten zu minimieren, verlören Verteidigungskontrollen, die auf Signaturen, volumenbasierten Schwellenwerten oder Sandbox-Triggern basierten, erheblich an Wirksamkeit, insbesondere da Malware-Verhalten adaptiv und kontextsensitiv werde.
Weitere Informationen zum Thema:
Linkedin
Eli Smadja – Check Point, CP<R>, Research Group Manager
cp<r> CHECK POINT RESEARCH, 17.02.2026
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