Aktuelles, Branche, Gastbeiträge - geschrieben von cp am Mittwoch, April 15, 2026 7:27 - noch keine Kommentare
KI in der Fertigung erhöht die Anforderungen an die Datensicherheit
Intelligente Fabriken brauchen intelligente Sicherheit, um die Vorteile zu nutzen und die Risiken zu vermeiden
Von unseem Gastautor Serge Thibault, VP Information Security bei Poka
[datensicherheit.de, 15.04.2026] Die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Fertigung stellt eine regelrechte Revolution dar. Sie ermöglicht Herstellern beeindruckende Vorteile in Bezug auf Effizienz, Produktivität, Wissensaustausch und Kostensenkungen. Zwar ist das Potenzial der KI in der Fertigung groß, doch ohne angemessene Sicherheitsmaßnahmen auf Unternehmensebene kann sie schnell zu einem Betriebs- und Reputationsrisiko werden. Die leistungsstarken KI-Tools bringen kritische Sicherheits- und Compliance-Probleme mit sich. Das stellt Fertigungsunternehmen vor die Frage, wie sie die Vorteile der KI nutzen können, ohne die Datensicherheit oder die operative Integrität zu gefährden. Plattformen für vernetzte Mitarbeiter kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Sie verringern das Risiko bei der Implementierung von KI – vom Umgang mit Kundendaten bis hin zu Transparenz und Schutzstrategien.
KI – Das Dilemma von Nutzen und Risiko
Sehen wir uns das Dilemma von Nutzen und Risiko näher an. Die Investitionen in Künstliche Intelligenz KI in der deutschen Fertigungsindustrie nehmen rasant zu. Es wird erwartet, dass die Branche im Jahr 2030 einen Umsatz von 2.765,8 Millionen US-Dollar erzielen wird. Der „KI-Aktionsplan“ der Bundesregierung und die Initiative „Innovationspark Künstliche Intelligenz“ spielen eine Schlüsselrolle bei der Förderung der Integration von KI in der Fertigung. Die Bundesregierung hat 1,75 Milliarden Euro für die Förderung von KI-bezogener Forschung, Entwicklung und Anwendung bereitgestellt.
Doch je mehr die Branche in KI-Technologie investiert, desto anfälliger wird sie auch.
Hohe Kosten durch Cyberangriffe
Cyberangriffe kosten die deutsche Wirtschaft die enorme Summe von 148 Milliarden Euro pro Jahr. 2025 verzeichnete die Fertigung einen Anstieg der Ransomware-Angriffe um 56 % und war damit die am stärksten betroffene Branche. Da die Fertigungsindustrie die Grundlage für eine Reihe anderer Sektoren bildet – vor allem für die Automobilindustrie, die Luft- und Raumfahrtindustrie und die Lebensmittel- und Getränkeindustrie –, haben Cybervorfälle in Fertigungsunternehmen weitreichende Auswirkungen auf andere Branchen, wodurch sich die Produktionsunterbrechungen und Lieferkettenprobleme verschärfen.
Cyberangriffe können Millionen kosten und beeinträchtigen fast immer die Reputation des Unternehmens, das Vertrauen von Investoren und Verbrauchern und die Lieferketten. Während Fertigungsunternehmen die Einführung von KI vorantreiben, müssen sie deshalb robuste Strategien für die Cybersicherheit entwickeln, um ihre Systeme zu schützen, die Betriebskontinuität zu gewährleisten und das Vertrauen ihrer Kunden und Geschäftspartner zu erhalten.
Intelligentere Fabriken bieten eine größere Angriffsfläche – Cybersecurity muss vor den Schwachstellen der KI schützen
Produktionsstätten sind heute komplexer und dezentraler organisiert denn je, und die alten Systeme sind nicht fortschrittlich genug, um moderne Hacker abzuwehren. Erschwerend kommt hinzu, dass die Einführung von KI-Tools eine ganze Reihe neuer Bedrohungen mit sich bringt. KI beeinflusst heute bereits viele Aspekte des Fertigungsprozesses. Ob bei der Mitarbeiterschulung, Sicherheitsüberwachung, Datenerfassung oder den KI-Robotern in der Fabrikhalle: Fertigungsunternehmen sind vernetzter und intelligenter geworden – und angreifbarer.
Da KI-gestützte Arbeitsabläufe auf Daten, Sensoren und Netzwerke angewiesen sind, hat sich die Angriffsfläche für Cyberangriffe vergrößert. Hunderte oder Tausende vernetzter Geräte sind potenzielle Einfallstore für Hacker und andere Bedrohungen. Oft werden die Pläne zur Einführung von KI-Tools schneller umgesetzt als die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen. Dabei ist es heute wichtiger denn je, Governance, Compliance und die generelle Sicherheit in der Fertigung effektiv zu gewährleisten.
Betrachten wir beispielsweise den Einsatz von Technologien für vernetzte Mitarbeiter. KI-gesteuerte Anwendungen vereinfachen den Zugriff auf wichtige Informationen, verbessern die globale Kommunikation und beschleunigen die Wertschöpfung durch die automatische Konvertierung digitaler Inhalte. Es gibt jedoch auch wichtige Sicherheitsaspekte, die berücksichtigt werden müssen, um die Daten zu schützen, mit denen diese Systeme arbeiten.
Der Schutz proprietärer Produktionsdaten gewährleistet eine sichere, isolierte und regelkonforme KI-Verarbeitung
Produktionsdaten sind äußerst sensibel, da sie Geschäftsgeheimnisse, detaillierte Informationen über Fertigungsprozesse und eine Vielzahl von Kundendaten enthalten. Bei der Implementierung von KI-Technologien ist deshalb die Frage entscheidend, ob Fertigungsdaten jemals an externe KI-Anbieter weitergegeben werden.
Auch hier sprechen die Statistiken eine deutliche Sprache: 2024 waren mehr als 40 % der Hacking-Ansprüche auf externe Anbieter zurückzuführen.
Kundendaten sollten nicht zum Trainieren von KI-Modellen verwendet werden. Sie dürfen nur vom SaaS-Anbieter verarbeitet werden und niemals mit externen Anbietern von KI-Modellen geteilt werden. Alle Eingaben, Ausgaben und Einbettungen müssen innerhalb einer sicheren Infrastruktur geschehen, die vom SaaS-Anbieter betrieben, überwacht und kontrolliert wird. Nur so können Datenhoheit, Datenschutz und Compliance in vollem Umfang gewährleistet werden.
Moderne Plattformen für vernetzte Mitarbeiter lösen dieses Problem, indem sie alle Daten in sicheren Umgebungen wie AWS verarbeiten und die strengen Gesetze zur Datenresidenz einhalten. Da Prompts und Antworten ebenfalls vollständig in der AWS-Umgebung verarbeitet werden, können Hersteller leistungsstarke KI-Funktionen in der Fabrikhalle nutzen und gleichzeitig strenge Vorgaben bezüglich Datenschutz, Kontrolle und Compliance zuverlässig einhalten.
KI-Fehlerminimierung und Sicherheitsmaßnahmen für die Fertigung
In der Fertigung sind Sicherheit und Genauigkeit der KI-Outputs von größter Bedeutung, da Fehler hier schnell zu realen Gefährdungen führen können. Hersteller sollten daher sicherstellen, dass die KI-Antworten auf Sicherheit und Korrektheit geprüft, professionell formuliert und auf den spezifischen Kontext abgestimmt sind. Um das Risiko unsicherer oder falscher KI-Ausgaben in der Fertigung zu minimieren, sollten Unternehmen ein mehrstufiges System aus Leitplanken und Validierungskontrollen einführen:
- Inhaltsfilterung bei der Eingabe: Einsatz von KI-Guardrails, um unsichere Inhalte zu blockieren, bevor sie in das Modell einfließen. Beispiele sind Filter, die Hassrede, Beleidigungen, Diskriminierungen, sexuelle Inhalte und gewaltverherrlichende Darstellungen erkennen und entfernen.
- Prompt Injection und Erkennung böswilliger Eingaben: Eingaben werden vorab bewertet, um böswillige Absichten oder Lecks in den System-Prompts zu erkennen.
Few-Shot-Prompting: Die Prompts enthalten Beispiele für akzeptable/unakzeptable Fragen, um sicheres Verhalten zu fördern. - Sichere Verarbeitung von Prompts und Antworten: Verarbeiten Sie alle KI-Interaktionen in einer sicheren, kundenspezifischen Umgebung. Verschlüsseln Sie Protokolle im Ruhezustand sowie bei der Übertragung. Setzen Sie strenge Zugriffskontrollen durch. Dadurch sind Prompts, Antworten und Telemetrie auditierbar, können aber niemals für das Trainieren der KI verwendet werden.
- Retrieval-Augmented Generation (RAG) für Output-Grounding: Verankern Sie jede KI-Antwort in verifizierten, kundenspezifischen Quell-Inhalten. Ist kein relevanter Kontext vorhanden, konfigurieren Sie das Modell so, dass es „Keine Antwort“ zurückgibt, statt Halluzinationen zu riskieren.
- Vermeidung von Verzerrungen, Obszönitäten und Scope-Drifts: Integrieren Sie Mechanismen zur Überprüfung der Ausgabe auf unangemessene oder voreingenommene Sprache. Stellen Sie sicher, dass die Antworten auf die Daten des Kunden beschränkt bleiben. Sorgen Sie für professionelle Formulierungen.
- Human-in-the-Loop (HITL)-Überprüfung: Für sehr kritische Ausgaben, wie beispielsweise Sicherheitsprotokolle oder komplexe Arbeitsanweisungen, sollten Sie einen Arbeitsablauf implementieren, bei dem ein qualifizierter menschlicher Experte die von der KI generierten Inhalte überprüft und genehmigt, bevor sie fertiggestellt werden. So erhalten Sie ein Sicherheitsnetz, um kleinste Fehler oder kontextbezogene Nuancen zu erkennen, die automatisierten Systemen leicht entgehen.
- Mehrsprachigkeit und kulturelle Sicherheit: Passen Sie die Antwortsprache automatisch an die Eingabe an. Nutzen Sie bei unterschiedlichen Kontexten eine Lokalisierung oder Übersetzung, um Klarheit und kulturelle Relevanz zu wahren.
- Purple Teaming und interne Tests: Führen Sie regelmäßig spezielle Simulationen gegnerischer Angriffe durch, um den Schutz vor Prompt Injection zu bewerten und zu verbessern.
KI muss unternehmerische Verantwortung übernehmen – durch Transparenz, Fairness und richtlinienkonforme Antworten
Im Zeitalter der eingebetteten KI liegt die Verantwortung für die Grundsätze der Unternehmensführung eindeutig beim SaaS-Anbieter. Kunden in anspruchsvollen Umgebungen wie der Fertigung erwarten mehr als nur leistungsstarke Funktionen. Sie verlangen eine sichere, konforme und vertrauenswürdige KI. Diese Verantwortung umfasst eine nachprüfbare Grundlage für Sicherheit und Datenintegrität, die durch strenge, unabhängige Audits validiert wird, und die Einhaltung branchenüblicher Best Practices.
Echte KI-Governance reicht jedoch tief in das Produkt selbst hinein. Der Anbieter ist verpflichtet, technische Leitplanken („Guardrails“) einzubauen, die Transparenz, Fairness und die Einhaltung etablierter Betriebs- und Sicherheitsstandards gewährleisten. Systeme, die Retrieval-Augmented Generation (RAG) verwenden, um KI-Antworten ausschließlich auf die verifizierte Wissensbasis eines Kunden zu stützen, verhindern gefährliche „Halluzinationen“ und stellen sicher, dass alle Ausgaben kontextabhängig korrekt sind.
Für den Anbieter ist die Übernahme dieser Verantwortung ein strategischer Auftrag. Durch die proaktive Einbindung ethischer Kontrollen und einer soliden Governance wird aus einem einfachen Werkzeug ein vertrauenswürdiges, strategisches Gut. Auf diese Weise reduzieren SaaS-Anbieter nicht nur die Rechts- und Reputationsrisiken ihrer Kunden. Sie schaffen auch das Vertrauen, das für die sichere, nachhaltige Einführung und für langfristige operative Exzellenz unerlässlich ist.
Eine sicherere und intelligentere Zukunft für KI in der Fertigung
Die Integration von KI bietet der Fertigungsindustrie immense Vorteile – von optimierten Abläufen bis zur Befähigung ganzer Belegschaften. Doch mit diesem Versprechen gehen auch erhöhte Risiken einher.
Da Fabriken und Fertigungsprozesse zunehmend vernetzt und intelligenter werden, müssen Hersteller und ihre Lösungsanbieter dafür sorgen, dass die richtigen Prozesse vorhanden sind. Nur so können sie Cyberbedrohungen und Datenschutzrisiken abschwächen und effektiv auf ethische Herausforderungen reagieren.
Wenn Hersteller fortschrittliche Technologien für vernetzte Mitarbeiter einführen, die der Datensicherheit Priorität einräumen, robuste Cybersicherheitsprotokolle implementieren und KI-Antworten auf Sicherheit und Fairness prüfen, können sie die wachsenden Anwendungsfälle für KI in der Fertigung sicher nutzen. Dafür muss die KI die Anforderungen der Unternehmensverantwortung widerspiegeln.

Serge Thibault, VP Information Security bei Poka, Bild Poka
Serge Thibault leitet den Bereich Informationssicherheit und IT bei einer globalen B2B-SaaS-Plattform, die Unternehmen aus Industrie und Fertigung bedient. Bei Poka spielt er eine Schlüsselrolle bei der sicheren Einführung und Steuerung von KI-Funktionen innerhalb der Plattform. Dabei sorgt er für einen verantwortungsvollen Umgang, Datenschutz und Risikomanagement und fördert gleichzeitig Innovationen.
Weitere Informationen zum Thema:
datensicherheit.de, 12.04.2026
KI-Verordnung: Konkretisierung der Transparenzpflichten für Unternehmen
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