Aktuelles, Branche - geschrieben von am Sonntag, August 9, 2026 0:37 - noch keine Kommentare

6 Ratschläge zur Sicherung der Resilienz auch in Zeiten erhöhter urlaubsbedingter Abwesenheit

Wenn IT-Abteilungen und Verantwortliche für Cyberresilienz in den Urlaub gehen, sind die Prozesse zu deren Sicherung im Ernstfall möglicherweise spürbar beeinträchtigt – das nutzen Cyberkriminelle gerne aus

[datensicherheit.de, 09.08.2026] Viele IT-Verantwortliche befinden sich derzeit in der „Sommerfrische“ – Hacker hingegen scheinen wohl keine Ferien zu machen. Eher muss davon ausgegangen werden, dass diese aktuell sehr aktiv sind, denn wenn IT-Abteilungen und Verantwortliche für Cyberresilienz in den Urlaub gehen, sind die Prozesse zur Sicherung der Cyberesilienz im Ernstfall möglicherweise spürbar beeinträchtigt. Das Problem liegt offenbar nicht nur in mangelnden Vor-Ort-Personalressourcen, sondern auch in einer fehlerhaften Organisation der „Recovery“-Prozesse. Wenn etwa ein IT-Administrator keinen Stellvertreter bestimmt hat oder das Vier-Augen-Prinzip bei Abwesenheit der Beteiligten nicht berücksichtigt wird, droht eine Verzögerung der Wiederherstellung von Anfang an. Unter dem Motto „Urlaubszeit – Sommerzeit – Vorfallzeit“ gibt Mark Molyneux, „Field CTO“ bei Commvault, in seiner aktuellen Stellungnahme sechs Ratschläge für Zeiten mit geringer Personalstärke.

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Foto: Commvault

Mark Molyneux appelliert, die Sommerurlaubszeit eben nicht zum „Krisensommer“ werden zu lassen, sondern zu einer Phase, in der Teammitglieder ihre Stärke voll ausspielen

Urlaubs- und Ferienzeit als Hochsaison für Tourismusbranche und Cyberkriminalität

Ferienzeit gilt als eine Phase eines „besonderen Betriebsmodus mit erhöhten Kontrollanforderungen“ – in bürokratischer Sprache, unter Technikern als „erhöhte Aufmerksamkeit“ bekannt. „Diesen Sommer sollten IT-Teams ihre Aufmerksamkeit stärker auf Schwachstellen, vorgezogene Patch-Zyklen und das ,Incident Management’ richten, denn ,Mythos’ und andere ,Frontier-KI’-Modelle haben die Risikobewertung verändert“, legt Molyneux nahe.

  • Es werden offensichtlich mehr Schwachstellen veröffentlicht, welche die Resilienz einer Organisation bedrohen könnten. Es gelte, den Fokus neu auszurichten, bevor die neuen KI-Gefahren im operativen Betrieb ankommen.

CheckPoint hatte in einer Analyse von 2025 auf folgenden Zusammenhang hingewiesen: „Wir sind mitten in der Urlaubs- und Ferienzeit angekommen. Doch für zwei Branchen ist nun die Hochsaison angebrochen: die Tourismusbranche und die Cyberkriminalität.“ Laut dem „The State of Cyber Security 2025“-Report, hat die Zahl an Cyberangriffen auf Reiseveranstalter und Reisebüro deutlich zugenommen. Diese Unternehmen gerieten offenbar in diesen Monaten verstärkt in den Fokus der Cyberkriminellen, da sie in ihrer Hauptumsatz-Saison stark von funktionierenden IT-Systemen abhängig und daher leichter durch Ransomware zu erpressen seien.

Die Sommerurlaubsphase gilt es gut vorzubereiten, sicher zu flankieren und gezielt auszuwerten

Eine weitere Gefahr für die Tourismusbranche seien etwa Angriffe zur Datenspionage. Statistiken der Europäischen Agentur für Cybersicherheit (ENISA) und vom „Computer Emergency Response Team“ (CERT-EU) belegten das generelle Risiko, dass die Gesamtzahl der Angriffe auf alle Branchen kontinuierlich von Jahr zu Jahr steige.

  • Checkpoint hatte für das Sommerquartal 2025 anhand der Auswertung von Data-Leakage-Seiten eine im Jahresvergleich steigende Aktivität der Hacker belegt“, berichtet Molyneux.

Um diese wichtige, aber risikobehaftete Urlaubszeit gut zu überstehen, empfehlen ENISA und andere Organisationen oder auch IT-Berater deshalb eine klare Strategie: „Vorbereitung vor der Sommerperiode, strengere Kontrollen während dieser Monate sowie die Analyse der nach dem Sommer gewonnenen Erkenntnisse, um Maßnahmen für die Urlaubssaison im Winter anzupassen!“

6 Commvault-Empfehlungen zur Stärkung der Sicherheit und Resilienz der Betriebe

Cyberresilienz-Experten von Commvault geben daher sechs praktische Ratschläge, wie sich IT-Verantwortliche angemessen auf die Urlaubsperioden vorbereiten können:

  1. Den Sommer-Betriebsmodus offiziell erklären!
    Sicherheitsexperten forderten klare Rollen, Verantwortlichkeiten und die Verfügbarkeit von Sicherheitsfunktionen. Auch das BSI warne, dass Personalabwesenheiten und Wissensmonopole Geschäftsprozesse gefährden könnten. Die Verantwortlichen für die Sicherheit, Sicherung und Verfügbarkeit der IT und der Daten sollten daher für die Monate Juli und August einen „Reduced Staff Operating Mode“ erklären und definieren.
    Dieser regele den Vorrang kritischer Services und berücksichtige die Minimalvorgaben an eine notwendige Betriebsfähigkeit. Er benenne auch die Verantwortlichen, Stellvertretungen, Bereitschaftsdienste, hinterlege die einschlägigen Kontakte in der „Supply Chain“ und definiere Eskalationszeiten.
  2. Stellvertreter einsetzen und Vier-Augen-Prinzip durchsetzen!
    Kein kritischer Prozess sollte von einer einzelnen Person abhängen: Administratoren, „Security Operation Center“ (SOC) sowie die Verantwortlichen der Bereiche „Netzwerk“, „Identity Access Management“ (IAM), „Backup“, „Cloud“, „Service Desk“, „Einkauf/Finanzen“ und „Kommunikationsfreigaben“ benötigten benannte Vertreter. Ebenso wichtig seien Inventarlisten privilegierter Konten sowie deren regelmäßige Validationen.
  3. Patch- und Schwachstellenüberwachung aktiv halten!
    Die Zahl der durch KI-Modelle wie „Mythos“ offengelegten Schwachstellen werde steigen. Das so beschleunigte und häufigere Aufkommen von Angriffen oder Angriffsversuchen erfordere möglicherweise zusätzliche Aufmerksamkeit. Kritische Schwachstellen dürften nicht bis nach den Ferien warten:
    Die IT-Sicherheitsverantwortlichen müssten sicherstellen, dass tägliche bzw. regelmäßige Checks von CERT/CSIRT-, Anbieter- und Threat-Feeds erfolgen und Risiken priorisiert werden. Kompensierende Maßnahmen seien im Vorfeld zu testen, zu implementieren und zu dokumentieren. Die allgemeine Empfehlung laute, relevante Schwachstellenkanäle zu überwachen, Scans durchzuführen und kritische Verwundbarkeiten schnell zu behandeln.
  4. Nicht-kritische Änderungen einfrieren – kritische und Notfalländerungen definieren!
    Für die Urlaubszeit gelte: Notfall-Prozesse für kritische Patches und Vorfälle seien aufrechtzuerhalten, Nicht-Kritisches sei zu verschieben.
    Ein in der Branche akzeptiertes Notfallmanagement verlange, Patches und Änderungen geplant, genehmigt, dokumentiert, getestet und durch eine „Recovery“-Lösung abzusichern. Ebenso wichtig seien Änderungsverfahren mit verbundener Risikoanalyse, Tests, Rollback und Dokumentation.
  5. „Backup & Recovery“ tatsächlich überprüfen!
    Gerade vor dem Sommerbetriebsmodus sei es wichtig, die Funktionsfähigkeit von Backups zu überprüfen. Verantwortliche sollten sich nicht nur vergewissern, ob Backups laufen, sondern, ob sie damit kritische Dienste tatsächlich wiederherstellen können:
    Zum Testkatalog gehörten „Restore“-Tests sowie das Überprüfen der Integrität der Daten, „Offsite-/Offline-/Immutable“-Kopien, getrennte Administratorrechte und der Zugang auf eine dokumentierte „Recovery“ auch dann, wenn das Unternehmensnetzwerk nicht verfügbar ist. Auch die Commvault-Experten raten nachdrücklich zu Backup-Plänen, zu einer sicheren getrennter Speicherung, Integritätsprüfungen und regelmäßigen Wiederherstellungstests.
  6. „Incident-Response-Runbooks“ durchspielen!
    Gerade vor der Sommerferienzeit empfehle sich ein „Tabletop-Test“ für mindestens drei Ausfallszenarien: „Phishing/Account-Takeover“, „Ransomware/Backup-Manipulation“ und „Kritischer SaaS-/Cloud-Ausfall“.
    Die ENISA empfehle getestete „Incident-Response“-Verfahren, „Playbooks/Runbooks“ und jährliche Tests mit „Lessons Learned“.

Cyberresilienz im Sommer erfordere also eine starke Koordination menschlicher und technischer Fähigkeiten, insbesondere angesichts der Zunahme der Nutzung Künstlicher Intelligenz (KI). Molyneux rät abschließend: „Sie erfordert außerdem Rückhalt und Unterstützung aus den Geschäftsbereichen, damit nichtkritische geschäftliche Änderungen reduziert und der Druck auf Teams verringert wird. Diese bekommen so mehr Zeit, ihre Prozesse anzupassen. Der Sommer sollte nicht zum Krisensommer werden – er sollte vielmehr der Moment sein, in dem die Teammitglieder ihre Stärke zu entwickeln!“

Die DS-Redaktion zu Erkenntnissen und Ableitungen aus dieser Commvault-Stellungnahme:

  • Gerade der Sommerurlaub gilt – wie andere Phasen kollektiver Ablenkung – als cyberkriminelle Hochsaison und muss entsprechend vor- sowie nachbereitet werden, um die Angriffsfläche kontinuierlich und konsequent zu minimieren.

  • Sicherheit und Resilienz als ein notwendiges Kriterium sind „Chefsache“ – generell sollte eine Sicherheitskultur verankert und vorgelebt werden, welche Verantwortung und Mitdenken fördert.

  • Wenn gerade die Sommerurlaubsphase als eine Zeit des „besonderen Betriebsmodus mit erhöhten Kontrollanforderungen“ gilt, sollte die gesamte Sicherheitskonzeption für das Unternehmen dies ins Kalkül ziehen – denn sie ist gewissermaßen das dann das „schwächste Glied“ in der IT-Sicherheitskette.

  • Bei allen noch so ausgeklügelten Sicherheitsmaßnahmen sollte dennoch immer von schädlichen Vorfällen, also der Verletzung der Cyber- bzw. IT-Sicherheit und des Datenschutzes ausgegangen, werden – somit muss die erprobte Notfall- und Wiederanlaufplanung sich gerade in einer solchen Phase bewähren können.

  • Molyneux hat zum Abschluss ausgeführt, dass trotz der Sommerurlaubszeit Sicherheit und Resilienz grundsätzlich betriebliche Querschnittsaufgaben sind.

Weitere Informationen zum Thema:

Commvault
What Commvault Does for Our Customers / Commvault Cloud delivers unified resilience at enterprise scale — bringing together data security, identity resilience, and cyber recovery into one simple, powerful, cloud-native platform.

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Mark Molyneux

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