Aktuelles, Experten, Studien - geschrieben von am Dienstag, Juli 10, 2018 19:03 - noch keine Kommentare

KI-Einsatz zur Bekämpfung der Geldwäsche bei Online-Glücksspielen

City, University of London, stellt Whitepaper vor

[datensicherheit.de, 10.07.2018] Die City, University of London, untersucht nach eigenen Angaben in einem Kooperationsprojekt die Verwendung künstlicher Intelligenz (KI) zur Bekämpfung von Geldwäsche. Im Ergebnis dieser Zusammenarbeit zwischen dem City-Forschungszentrum für Maschinelles Lernen mit dem Online-Glücksspiel-Anbieter Kindred und der zu Playtech gehörenden Glücksspieldatenanalysefirma BetBuddy, entstand demnach das auf Interviews mit Stakeholdern basierende Whitepaper mit dem Titel „Raising Standards in Compliance: Application of artificial intelligence to online data to identify anomalous behaviours“ (Erhöhung der Compliance-Standards: Nutzung Künstlicher Intelligenz für Online-Daten zur Erkennung anormalen Verhaltens).

Verbesserung von Entscheidungsprozessen zur Bekämpfung von Geldwäsche

Diese Studie stellt laut City die ersten Erkenntnisse eines dreijährigen Projektes zusammen, bei dem erforscht werden soll inwieweit KI zur Bekämpfung von Geldwäsche genutzt werden kann.
Die erste Forschungsphase habe sich auf die Untersuchung von Bereichen konzentriert, die verbessert werden müssten, ehe KI zum Einsatz kommen kann. Die zweite Forschungsphase werde Glücksspieldaten aus der Praxis nutzen, um Anzeichen von Geldwäsche zu erkennen.
Das Whitepaper sei eines der Ergebnisse der 2017 zwischen der City- Universität, BetBuddy und Kindred geschlossenen Partnerschaft zur Finanzierung eines Doktoranden-Projekts über einen Zeitraum von drei Jahren, bei dem die Nutzung von KI-Verfahren und des sogenannten Tiefen Lernens zur Verbesserung von Entscheidungsprozessen zur Bekämpfung von Geldwäsche in der Online-Glücksspielbranche in Großbritannien untersucht werden solle.

Technische Empfehlungen für die Branche

Neben einer Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen aus Gesprächen mit Experten und Stakeholdern – darunter Experten von Strafverfolgungsbehörden, Aufsichtsbehörden, Gewerkschaften, Lieferanten und Betreibern – benennt die Studie laut City einige wesentliche Herausforderungen an die Online-Glücksspielbranche und gibt wichtige technische Empfehlungen, von denen einige auf Branchenebene in Angriff genommen werden sollten und andere die Grundlage für spätere Forschungsphasen bilden werden, darunter:
– Die Entwicklung eines grenzüberschreitenden einheitlichen Formats bzw. technischen Protokolls zur Übermittlung von Berichten verdächtiger Transaktionen (STRs), Berichten verdächtiger Handlungen (SARs) und Abwehr von Geldwäsche (DAML), um es Betreibern zu ermöglichen, Fälle mithilfe eines einheitlichen Systems zu melden und gleichzeitig Feedback zur Meldungsqualität geben zu können.

  • Die Fortsetzung der Bemühungen zur Entwicklung einer zentralen Datenbank mit hinsichtlich verdächtiger Glücksspielaktivitäten gekennzeichneten Kunden, um diese branchenweit besser überwachen zu können.
  • Bei Schwellenwertprüfungen untersuchen, ob mehr Schwellenwerte, die oberhalb der regulatorischen Anforderungen liegen und ob variable Elemente in den Prozess einbezogen werden sollten.
  • Entwicklung von ausgeklügelteren und kosteneffizienteren Methoden zur Verbesserung der kontinuierlichen Überwachung – dies erfordert die Entwicklung von Techniken zur Analyse des Spielerverhaltens unterhalb der von Aufsichtsbehörden festgelegten Schwellenwerte, ohne dass mehr Personal zur Bildschirmbeobachtung erforderlich wird.
  • Nutzung von Daten zur Entwicklung von komplexeren Verhaltensüberprüfungen und Kundenfinanzkraft-Segmenten zur Unterstützung verbesserter Vermögens- und Geldmittelquellen-Checks (SOW/SOF-Checks) während des gesamten „Kundenlebenszykus“ bei Spielern, die viel Geld ausgeben, und nicht nur an spezifischen Punkten wie z.B. beim Überschreiten bestimmter aufsichtsrechtlich festgelegter Limits (z.B. wenn ein Kunde innerhalb von 24 Stunden mehr als 2.000 EUR einzahlt).
  • Investition in die Modernisierung und Vereinfachung von KYC- (Know Your Customer) und SOF-Prozessen, bei gleichzeitiger Ausnutzung dessen zum Aufbau einer engeren Kundenbeziehung und stärkeren Vertrauens in die Glücksspielmarke, wobei vermieden werden soll, dass dies als administrativer oder „Check-Box“-Compliance-Prozess betrachtet wird.

Zusammenarbeit zwischen Forschung, Aufsichtsbehörden und Betreibern

„Wir freuen uns auf die nächste Phase der Forschungsarbeit, bei der wir echte Glücksspieldaten aus der Praxis nutzen werden. Einige der heutzutage verfügbaren Methoden zur Erkennung anomalen Verhaltens, wie z.B. neueste Recurrent Neural Networks, zeigen vielversprechende Ergebnisse bei der Analyse solch komplexer Streaming-Daten“, so Prof. Artur Garcez, Leiter des Forschungszentrums für Maschinelles Lernen der City-Universität.
„Diese Anfangsphase war wichtig, um sich von den Stakeholdern bestätigen zu lassen, in welchen Bereichen der AML-Überwachung es Verbesserungsbedarf gibt. Es ist klar, dass wenngleich die Aufgabe sehr komplex ist, die Stakeholders hohe Erwartungen an eine kontinuierliche Verbesserung und Investition in die Forschung und Entwicklung mithilfe neuer Technologien haben“, sagt Simo Dragicevic, „CEO“ von BetBuddy.
Maris Bonello, Leiter des Bereichs „Player Sustainability and Integrity Analytics“ der Kindred Group, ergänzt: „Zusammenarbeit zwischen Forschung, Aufsichtsbehörden, Betreibern und anderen Partnern ist von entscheidender Bedeutung, wenn wir unsere Techniken und Tools verbessern wollen, um betrügerisches Verhalten auf den digitalen Plattformen zu bekämpfen. Wir sind überzeugt, dass Forschungsprojekte wie dieses helfen, für mehr Transparenz zu sorgen und zu einem Brückeneffekt zwischen der Arbeit der Betreiber und Wissenschaft beitragen.“

Über die City, University of London

Die City, University of London, ist eine internationale Hochschule, welche sich nach ihrer Selbstdarstellung der akademischen Exzellenz verschrieben hat, mit einem Fokus auf Wirtschaft und Beruf an einem zentralen Standort in London.
Die Geschichte der Universität geht demnach auf das Jahr 1894 zurück, mit der Gründung des Northampton Institute auf dem heutigen Campus der City. Im Jahr 1966 habe City den Universitätsstatus durch die „Royal Charter“ erhalten, mit dem Oberbürgermeister von London als Rektor. Im September 2016 sei City dem Verband „University of London“ beigetreten.

Weitere Informationen zum Thema:

CITY UNIVERSITY OF LONDON
City partners with Kindred and BetBuddy to explore use of artificial intelligence in anti-money laundering initiatives



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