Branche - geschrieben von am Donnerstag, Dezember 23, 2021 15:04 - noch keine Kommentare

Backup und Disaster Recovery für die kritische Infrastruktur

Vorbereitung auf den Ernstfall

Von unserem Gastautor Thomas Sandner, Senior Director Technical Sales Germany bei Veeam

[datensicherheit.de, 23.12.2021] Viele Hacker-Gruppen gehen professioneller vor und fassen mehr Ziele ins Visier. Hatten sie es noch vor wenigen Jahren lediglich auf Unternehmen abgesehen, so häufen sich jetzt die Angriffe gegen den öffentlichen Dienst und die Kritische Infrastruktur (KRITIS). Dabei ist es egal, ob es sich um Energieversorger oder Krankenhäuser handelt – die Angreifer scheinen jegliche Skrupel abgelegt zu haben und feuern besonders in Sachen Ransomware-Attacken aus allen verfügbaren Rohren. Entsprechend sollten KRITIS-Betreiber sich vorbereiten, besonders wenn die Unternehmen für ihre Backup-Strategie auf eine Cloud setzen. Das verlangt sogar das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), welches die genauen Anforderungen in der BSI-Standardreihe 200x festgehalten hat. Dennoch entstehen oft Lücken und Schwachstellen und Angriffe sind trotz Sicherheitslösungen erfolgreich. Wieso?

Übersicht herstellen und Prozesse automatisieren

Ransomware-Angriffe völlig zu verhindern ist unmöglich, darum muss ein Unternehmen für den Ernstfall bereit sein. Eines der wirksamsten Mittel gegen eine virtuelle Erpressung ist tatsächlich nicht die Prävention, sondern eine umfassende Strategie in puncto Daten-Backups und Disaster Recovery (DR). Sie hilft sogar bei großen Ereignissen wie Naturkatastrophen, die zur Lahmlegung von ganzen Niederlassungen oder sogar Landkreisen führen können. Allerdings fehlt es in vielen Unternehmen am notwendigen Überblick und Einblick bezüglich der eigenen Backups. Helfen können Lösungen, die automatisierte Dashboards anbieten, denn nichts ist ärgerlicher, als Daten zu verlieren, weil man schlicht übersehen hatte, diese zu sichern. Dasselbe Prinzip gilt für externe Bedrohungen, wie etwa ein Ransomware-Angriff, da es durchaus schwierig sein kann, eine Attacke in ihrem Anfangsstadium zu erkennen. Es ist daher ratsam, eine Vielzahl von Sicherheitslösungen zu verwenden und zusätzlich auf Überwachungswerkzeuge mit integrierten Funktionen zur Behebung von Infrastrukturfehlern und Konfigurationsproblemen zu bauen. Diese verfügen über die Fähigkeit, etwaige Probleme automatisch zu erkennen und im Voraus festgelegte Maßnahmen auszuführen, sobald eben ein Alarm ausgelöst wird.

Für den Ernstfall testen

Ausfälle von IT-Systemen und der Verlust von Daten können unterschiedliche Gründe haben und niemals lassen sich alle Attacken verhindern. Umso wichtiger ist es für KRITIS-Betreiber, dafür zu sorgen, dass die resultierende Ausfallzeit so kurz wie möglich bleibt. Der Schlüssel zu einer schnellen und erfolgreichen Wiederherstellung der Systeme, Applikationen und Daten ist ein entsprechender DR-Plan. Allerdings können die Umsetzbarkeit und der Erfolg des Plans nur garantiert werden, wenn dieser zuvor getestet wurde, statt lediglich auf dem Papier erdacht worden zu sein – die Empirie muss die Theorie eben bestätigen. Um dabei wiederum nicht den laufenden Betrieb zu stören, bieten sich Tests in abgeschotteten Sandbox-Umgebungen an. So lassen sich Lücken, Schwachstellen und Widersprüche des Plans und möglicherweise in den Backup-Systemen identifizieren und beheben, bevor der Ernstfall eintritt. Allerdings sollten KRITIS-Betreiber nicht nur ihre Programme und IT-Infrastruktur testen – auch die Mitarbeiter und Verantwortlichen spielen eine wichtige Rolle. Nur wenn diese den Plan verstanden und verinnerlicht haben, die Ansprechpartner bekannt sind und alle Aufgaben klar verteilt wurden, kann eine Gegenmaßnahme erfolgreich und schnell umgesetzt werden. Die Schulung aller Angestellten, einschließlich der Führungsebene, darf nicht vergessen werden.

Daten richtig aufbewahren

Neben der richtigen Strategie für Backups und DR ist die Aufbewahrungsart der Daten von entscheidender Bedeutung. Die meisten Unternehmen halten sich in dieser Hinsicht an die 3-2-1-Regel: drei Backups verteilt auf mindestens zwei unterschiedliche Medien, von denen eines extern gelagert wird. Das ist schon mal gut als Basis, doch mittlerweile muss diese erweitert werden, besonders in Anbetracht der Professionalisierung von Ransomware-Gruppen und Malware-as-a-Service-Angeboten, wie auch wegen der vermehrten Einbindung von Cloud-Diensten. Zum einen sollte eines der Backups air-gapped oder unveränderlich sein – letzteres lässt sich unter Linux beispielsweise durch den Einsatz von immutable flags umsetzen oder über Zeitstempel und dem S3 Object Lock Feature bei Amazon AWS oder kompatiblen S3-Speichern. Dadurch ist das Backup vor Verschlüsselung sicher, sowohl durch Ransomware als auch durch abtrünnige Administratoren oder Hacker in Verkleidung. Freilich kann dies auch über die physische, altbewährte Sicherung auf Bändern, das heißt Tape, geschehen, was sich besonders dann anbietet, wenn Firmen auf eine Cloud als Teil ihrer Backup-Strategie setzen. Zum anderen muss gewährleistet werden, dass bei der Wiederherstellung keinerlei Fehler geschehen. Der Veeam Data Protection Report 2021, eine Umfrage unter 3000 IT-Entscheidern weltweit, zeigte leider, dass lediglich knapp 40 Prozent der Wiederherstellungen reibungslos vonstatten gehen. Aufgrund dieser Anpassung ergibt sich nun die neue Regel: 3-2-1-1-0 – erweitert um die Unveränderlichkeit einer Sicherung und die Fehlerlosigkeit der Wiederherstellung.

Dokumentation, Pflicht und Zuständigkeit einteilen

Zu jeder guten Backup-Strategien für KRITIS-Betreiber gehört eine lückenlose Dokumentation aller Vorgänge, sowie das Wissen aller Mitarbeiter um ihre Pflicht und Zuständigkeit. Darunter fällt die Kenntnis von Daten rechtlicher Relevanz, die bezüglich der Aufbewahrung und Wiederherstellung besonderen Auflagen unterliegen, beispielweise wegen des Datenschutzes. Diese drei Schlagworte bilden das Rückgrat der gesamten Backup- und DR-Strategie und müssen eindeutig bestimmt worden sein. Das beginnt bereits bei der klaren Abgrenzung der Zuständigkeit zwischen Unternehmen und Cloud-Anbieter in Bezug auf die Sicherheit der Informationen und die Speicherung der Daten. Um es nochmal deutlich zu sagen: Der Cloud-Anbieter ist nur für die Sicherheit der IT-Infrastruktur seiner Server zuständig. Die Verantwortung für die Sicherheit sämtlicher in der Cloud gespeicherter Daten und dort aufgesetzter Anwendungen liegt beim Kunden.

KRITIS braucht einen Notfallplan

Unternehmer aller Bereiche müssen sich mit dem Gedanken anfreunden, früher oder später mit einer Ransomware-Attacke, die wenigstens in Teilen erfolgreich ist, konfrontiert zu werden – auch KRITIS-Betreiber, die eine besondere Verantwortung für ein Land und seine Bevölkerung haben. Zwar hat beispielsweise die Cloud-Technologie das Arbeiten durch dezentrale Unternehmenskonzepte vereinfacht, doch es steigt die Verantwortung jedes Mitarbeiters beim Kampf gegen unerwünschte Eindringlinge und Erpresser. Das liegt daran, weil er und sein Endgerät zum Einfallstor werden können – besonders außerhalb des Unternehmensnetzwerks im Home Office oder unterwegs. Die Priorität der KRITIS-Betreiber sollte daher die Minimierung der Ausfallzeit durch einen solchen Angriff haben. Dies wiederrum ist am besten erreichbar, wenn ein durchdachter Plan für Backup und Disaster Recovery vorliegt, um die Computer und Server, an denen mittlerweile auch die Maschinen hängen, schnell nach dem Ausfall hochfahren zu können.

Weitere Informationen zum Thema:

datensicherheit.de, 25.11.2021
KRITIS: Modernisierung erfordert Umgestaltung der IT-Sicherheit



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