Aktuelles, Experten, Studien - geschrieben von dp am Freitag, Mai 22, 2026 0:10 - noch keine Kommentare
Laut GoTo-Studie verlässt sich fast die Hälfte der Beschäftigten zu stark auf KI
Während Mitarbeiter dank KI täglich über eine Stunde Zeit sparen können, führt übermäßige KI-Abhängigkeit zu Fachkräftemangel, zunehmendem Missbrauch und einer Flut von KI-Workslop
[datensicherheit.de, 22.05.2026] Eine aktuelle Untersuchung von GoTo deckt demnach ein Paradoxon mit zunehmender Bedeutung auf: Während Mitarbeiter dank Künstlicher Intelligenz (KI) täglich über eine Stunde Zeit sparten, führe indes eine übermäßige Abhängigkeit von KI zu einem Fachkräftemangel, zunehmendem Missbrauch und einer Flut von KI-Workslop. GoTo hat hierzu seinen zweiten jährlichen Forschungsbericht veröffentlicht: „The Pulse of Work in 2026: Opportunity, Risk, and Responsibility in an AI-Drive Workplace“. Dieser fasst laut GoTo die Ergebnisse einer Umfrage zum Einsatz von KI und zur Stimmungslage rund um KI unter 2.500 Beschäftigten und IT-Führungskräften weltweit zusammen: Die Befragung sei in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsunternehmen Workplace Intelligence zwischen November 2025 und Januar 2026 durchgeführt worden und habe 1.250 festangestellte Wissensarbeiter und 1.250 IT-Entscheider adressiert – aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, den USA, Kanada, Großbritannien, Irland, Indien, Mexiko und Brasilien.

Foto: GoTo
Rich Veldran warnt vor KI-„Workslop“ – vor minderwertigen, KI-generierten Arbeitsinhalten
58% der Beschäftigten fühlen sich unter Druck gesetzt, KI einzusetzen, um ihre Produktivität zu steigern
Eines der wichtigsten Ergebnisse der Studie laut Rich Veldran, CEO von GoTo: „Obwohl KI die Produktivität der Belegschaft enorm gesteigert hat, sagen 46 Prozent der Beschäftigten in der DACH-Region, dass sie sich zu stark auf die Technologie verlassen. 30 Prozent haben das Gefühl, ohne sie nicht zuverlässig funktionieren zu können.“
- Noch besorgniserregender sei, dass 52 Prozent der Ansicht seien, dass ihre übermäßige Abhängigkeit von KI-Tools ihre Fähigkeiten untergrabe und sie weniger intelligent mache. Besonders ausgeprägt seien diese Einschätzungen bei jüngeren Beschäftigten: Mehr als die Hälfte der Befragten aus der „Gen Z“ (66%) habe berichtet, dass zu starke KI-Nutzung ihre Intelligenz untergrabe.
„Ein Grund für diese Überabhängigkeit könnte die wachsende Erwartung sein, KI am Arbeitsplatz stärker zu nutzen. 58 Prozent der Beschäftigten fühlen sich unter Druck gesetzt, entsprechende ,Tools’ einzusetzen, um ihre Produktivität zu steigern. In Kombination mit fehlenden wirksamen Trainings, Richtlinien und Leitplanken führt diese Dynamik dazu, dass viele Mitarbeitende KI unverantwortlich nutzen“, kommentiert Veldran.
KI-Einsatz flankieren: Ziel ist nicht nur intelligentere Technologie, sondern eine intelligentere, stärker befähigte Belegschaft
Die Folgen seien Probleme durch fehlerhaften Gebrauch von KI und sogenannten Workslop. „Damit werden minderwertige, KI-generierte Arbeitsinhalte bezeichnet, die zwar poliert aussehen, aber inhaltlich substanzlos sind“, erläutert Veldran. Dies könne schwerwiegende Folgen für Unternehmen haben: Fast jeder dritte IT-Verantwortliche gebe an, dass Fehler im Zusammenhang mit KI bereits Auswirkungen auf Kunden, Auftraggeber oder die Unternehmensbilanz gehabt hätten.
- „Die Chancen, die sich uns mit KI bieten, sind enorm. Mitarbeitende verbringen schätzungsweise 1,5 Stunden pro Tag mit Aufgaben, die KI übernehmen könnte.“, so Veldran. Dennoch gäben 85 Prozent der Mitarbeiter zu, dass sie KI nicht voll ausschöpften, und 86 Prozent seien mit der praktischen Anwendung von KI in ihrer Rolle nicht besonders vertraut.
Dabei liegt hier doch laut Veldran eine große Chance für Unternehmen: „Organisationen müssen in die richtige Befähigung, Ressourcen und Leitplanken investieren, damit ihre Mitarbeitenden diese Lücke schließen können!“ Wenn sie das tun, könnten die Produktivitäts- und wirtschaftlichen Auswirkungen enorm sein. „Das Ziel ist nicht nur intelligentere Technologie, sondern eine intelligentere, stärker befähigte Belegschaft.“
Weitere zentrale Ergebnisse zum KI-Einsatz in Unternehmen:
- KI-Überabhängigkeit beeinflusst Selbstvertrauen und Karriere
Drei von zehn Beschäftigten hätten das Gefühl, dass KI ihre Arbeit besser erledige als sie selbst (30%). Sie gäben an, dass sie der KI inzwischen mehr vertrauten als ihrem eigenen Urteil (26%). Gleichzeitig glaubten 40 Prozent der Beschäftigten, darunter 62 Prozent aus der „Gen Z“, dass eine zu starke Abhängigkeit von KI ihre Karrierechancen langfristig verschlechtern werde. - Missbrauch von KI hat dramatisch zugenommen
Deutlich mehr Beschäftigte als im Vorjahr räumten ein, KI für sensible oder besonders kritische Aufgaben eingesetzt zu haben – etwa für juristische oder von „Compliance“ getriebene Arbeit (34%), Tätigkeiten, welche emotionale Intelligenz erforderten (33%) oder strategische Entscheidungen mit hoher Tragweite (25%). Jeder Fünfte gebe zu, sie für sicherheitsrelevante Aufgaben (21%), ethisch sensible oder heikle Personalmaßnahmen (22%) sowie Aufgaben mit sensiblen oder vertraulichen Informationen (14%) genutzt zu haben. - Ungeprüfte KI-Outputs führen zu KI-„Workslop“
42 Prozent der Beschäftigten sagten, sie hätten KI-generierte Inhalte verwendet, obwohl sie vermuteten, dass diese von geringer Qualität sind oder Fehler und erfundene Informationen enthalten könnten. Gleichzeitig berichte die Mehrheit, dass KI-generierte Arbeit in der Prüfung und Qualitätssicherung mehr Zeit beanspruche als von Menschen erstellte Inhalte, und 71 Prozent sagten, dass das Prüfen des KI-„Workslop“ anderer für sie zusätzliche Arbeit erzeuge.
Die Studie identifiziert darüber hinaus Lösungen, mit denen Unternehmen einen effektiveren und verantwortungsvolleren KI-Einsatz fördern könnten, selbst wenn Beschäftigte und IT-Führungskräfte nicht immer darin übereinstimmen, dass Verbesserungsbedarf besteht. So sagten zwar 91 Prozent der Beschäftigten, ihr Unternehmen könnte mehr tun, um verantwortungsvolle KI-Nutzung zu fördern – doch nur 66 Prozent der IT-Führungskräfte stimmten dem zu.
GoTo-Tipps für Unternehmen zur Unterstützung verantwortungsvoller KI-Nutzung:
- Richtlinien und Schulungen verbessern
Nur 38 Prozent der IT-Führungskräfte gäben an, dass ihr Unternehmen über eine KI-Richtlinie verfügt. Selbst in Unternehmen mit einer KI-Richtlinie seien die meisten Beschäftigten (74%) und fast die Hälfte der IT-Führungskräfte (45%) der Meinung, dass diese Richtlinie verbessert werden müsse. Außerdem sagten 78 Prozent der Beschäftigten und 60 Prozent der IT-Führungskräfte, dass die meisten Mitarbeiter nicht angemessen im Umgang mit KI-Tools geschult würden. - Mitarbeitern helfen, Kompetenzen für die Zusammenarbeit mit KI aufzubauen
62 Prozent der Beschäftigten gäben an, dass Arbeitgeber es versäumten, Menschen mit den Fähigkeiten auszustatten, welche sie benötigen, wenn KI mehr Arbeit übernimmt. Als wichtigste Kompetenzen gälten: KI-Ergebnisse auf Genauigkeit und „Bias“ zu prüfen, zu wissen, wann KI-Outputs verlässlich sind, und menschliches Urteilsvermögen ergänzend zu KI einzusetzen. Zudem betonten Beschäftigte, dass menschliche Fähigkeiten wie kreatives Denken, emotionale Intelligenz und Führungskompetenzen im KI-getriebenen Arbeitsumfeld entscheidend seien. - Praktische KI-Tools bereitstellen, die Beschäftigte sich wünschen
Die meisten Beschäftigten hielten KI-Tools für wertvoll, welche bei Kommunikation (86%), Dateneingabe und E-Mail-Management (85%), administrativen Aufgaben (82%), Content-Erstellung (78%) und Kundensupport (78%) unterstützen. Diese „Tools“ ermöglichten es Mitarbeitern, sich auf sinnvollere Arbeit zu konzentrieren und dabei die ursprünglich menschlichen Fähigkeiten und das Urteilsvermögen einzubringen, welche eben von KI nicht ersetzt werden könnten. - Verlässliche Methoden zur Messung des ROI entwickeln
Obwohl mehr als die Hälfte der IT-Führungskräfte (52%) angebe, dass über 20 Prozent ihres Budgets für KI-bezogene Technologien oder Projekte vorgesehen seien, sagten 62 Prozent dieser Führungskräfte auch, dass ihr Unternehmen die Rendite (ROI) seiner KI-Tools nicht zufriedenstellend messe. Mit der Skalierung von KI-Implementierungen müssten Unternehmen den ROI von KI-Tools wirksamer messen und bewerten.
Verantwortungsvoller KI-Einsatz: Richtige Anwendungen bereitstellen und Nutzer unterstützen
„Die Einführung von KI hat die organisatorische Bereitschaft längst überholt. GoTos ,Pulse of Work-Umfrage 2026‘ macht diese Kluft deutlich: Mitarbeitende erkennen in KI einen echten Produktivitätsgewinn, stoßen aber zugleich auf übermäßige Abhängigkeit, uneinheitliche Leitlinien, unzureichende Schulungen und Unsicherheit beim Thema Vertrauen“, meint Dan Rasmus, Gründer und „Principal Analyst“ bei Serious Insights.
- Er gibt zu bedenken: „Die nächste Phase des KI-Nutzens wird nicht dadurch entstehen, dass man den Menschen einfach mehr ,Tools’ an die Hand gibt. Sie entsteht dadurch, dass man das Managementsystem rund um KI gestaltet: Praxisnahe Richtlinien, rollenbasierte Befähigung, menschliches Urteilsvermögen, Wissensaustausch-Praktiken und Messgrößen, die den KI-Einsatz mit aussagekräftigen Ergebnissen verknüpfen.“ Organisationen, welche KI als Herausforderung in den Bereichen Wissen und Arbeitsgestaltung begreifen – und nicht nur als Technologie-Rollout –, werden laut Rasmus besser aufgestellt sein, frühe Produktivitätsgewinne in nachhaltige Fähigkeiten zu überführen.
Dan Schawbel, „Managing Partner“ bei Workplace Intelligence, betont: „Verantwortungsvoller Einsatz von KI bedeutet, die richtigen ,Tools’ bereitzustellen und die Menschen zu unterstützen, die sie nutzen!“ Ihre Studie unterstreiche die Wichtigkeit, Mitarbeiter mit den Fähigkeiten, Richtlinien und der Anleitung auszustatten, die sie brauchen, um effektiv mit KI zusammenzuarbeiten. „Unternehmen, denen das gelingt, erzielen Produktivitätsgewinne und stellen gleichzeitig sicher, dass ihre Belegschaft selbstbewusst, kompetent und engagiert bleibt“, so Schawbels Fazit.
Weitere Informationen zum Thema:
GoTo
Rich Veldran / Chief Executive Officer
heise online, Jörn Brien, 23.09.2025
Problem Workslop: Wie KI-Einsatz die Produktivität in Firmen erstickt / KI-Einsatz in Unternehmen zeigt weniger positive Effekte als erwartet. Forschende haben den „Workslop“ genauer untersucht – mit erschreckenden Ergebnissen.
Dan Schawbel
“If there’s anyone who knows about the keys to building a successful career it’s Dan Schawbel.” – Business Insider
datensicherheit.de, 22.05.2026
KI-Einsatz: Erfolgsfaktoren zum Erkenntnisgewinn für Führungskräfte / Künstliche Intelligenz (KI) ist dann am wirkungsvollsten, wenn sie Informationen im Kontext analysiert und nicht isoliert bzw. in einzelnen Silos
datensicherheit.de, 17.05.2026
Nachfrage nach KI-Kompetenz: Masterstudiengang „Digital Transformation Management“ als Reaktion auf Zunahme / Kompetenzen rund um die Digitale Transformation, datengetriebene Geschäftsmodelle und den strategischen KI-Einsatz in Unternehmen werden vermittelt
datensicherheit.de, 12.05.2026
Arbeitswelt: 3 von 10 Befragten können sich KI als Chef-Ersatz vorstellen / Dabei sieht fast ein Viertel der Befragten, dass die eigene Tätigkeit durch Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) weitgehend ersetzbar ist
datensicherheit.de, 26.04.2026
Wettbewerbsvorteil für Unternehmen: Digitale Transformation mit KI muss vorangebracht werden / Moderne KI-Agenten übernehmen eigenständig die Lead-Generierung, indem sie Signale aus verschiedenen Quellen DSGVO-konform auswerten und priorisieren
Aktuelles, Experten, Studien - Mai 22, 2026 0:10 - noch keine Kommentare
Laut GoTo-Studie verlässt sich fast die Hälfte der Beschäftigten zu stark auf KI
weitere Beiträge in Experten
- KI-Einsatz: Erfolgsfaktoren zum Erkenntnisgewinn für Führungskräfte
- NIS-2 und eIDAS-Update im Fokus: TeleTrusT-Podcast mit Tim Golly, Markus Schuster und Carsten Vossel
- KI: Zahlungsbereitschaft der Nutzer vor allem für leistungsfähigere Modelle gestiegen
- Handy-Schnüffeln: Laut Bitkom-Studie haben 26 Prozent das Partner-Smartphone heimlich durchsucht
- Jedes achte mit Mängeln: Röntgengeräte unverzichtbare Werkzeuge der Medizin und Technik
Aktuelles, Branche, Studien - Mai 21, 2026 0:58 - noch keine Kommentare
KI-basierte Cyberbedrohungen: KMU bisher meist nicht vorbereitet
weitere Beiträge in Branche
- Menschliches Verhalten weiterhin kritische Schwachstelle der Cybersicherheit
- Signal-Affäre: Klassische IT-Support-Phishing-Attacken auf Bundestagsabgeordnete
- Fokussierte Wahrnehmung: Physische Abhörbedrohung im Schatten der Cybersecurity-Debatte zu oft vernachlässigt
- Erstmals seit Jahren: Anzahl der pro Person verwalteten Passwörter sinkt laut NordPass-Studie
- Ransomware-Gruppe „Nitrogen“ hat Foxconn-Werk in den USA angegriffen
Aktuelles, A, Experten, Service, Wichtige Adressen - Jan. 13, 2026 1:08 - noch keine Kommentare
Registrierung bei ELEFAND: Krisen- und Katastrophenvorsorge bei Auslandsaufenthalten
weitere Beiträge in Service
- DigiCert-Umfrage: Manuelle Zertifikatsprozesse führen zu Ausfällen, Compliance-Fehlern und hohen Verlusten im Unternehmen
- Threat Hunting: Bedeutung und Wertschätzung steigt
- Umfrage: 71 Prozent der IT-Entscheidungsträger besorgt über Mehrfachnutzung von Passwörtern
- Fast die Hälfte der Unternehmen ohne geeignete Sicherheitsrichtlinien für Remote-Arbeit
- Umfrage: Bedeutung der Konsolidierung von IT-Sicherheitslösungen


