Aktuelles, Experten, Produkte - geschrieben von dp am Mittwoch, Februar 18, 2026 0:40 - noch keine Kommentare
Müll als Datenquelle: Thermische Abfallbehandlung zur Energiegewinnung mit IoT-Datenauswertung
MARTIN-Anlagen weltweit sind mit zahlreichen Sensoren ausgestattet – etwa im Rostsystem, in der Feuerung, der Entschlackung, der Transportanlage oder auch der Energiegewinnung – um Daten über den Zustand der Anlagen oder die Belastung mit Emissionen zu gewinnen
[datensicherheit.de, 18.02.2026] Während es bei der Entsorgung von Abfall bzw. Müll für viele Verbraucher wohl heißt „Aus den Augen, aus dem Sinn!“, beginnt für die in München ansässige MARTIN GmbH die Herausforderung: Seit über 100 Jahren baut diese thermische Abfallbehandlungsanlagen zur Energiegewinnung – neuerdings zudem mit hochmoderner IoT-Datenauswertung. Um z.B. den Zustand der Anlagen oder die Belastung mit Emissionen zu überprüfen, kommt demnach die „Stackable Data Platform“ zum Einsatz.

Foto: Martin GmbH
Max Schönsteiner: Die Datensouveränität war uns sehr wichtig. Nicht, weil es in unseren Anlagen um hochempfindliche Daten geht, sondern weil wir durch unseren Entsorgungsauftrag Teil der Kritischen Infrastruktur sind…
MARTIN übernimmt Bau der Anlagen und oft auch deren Wartung sowie Reparatur
Die Wurzeln der heutigen MARTIN GmbH für Umwelt- und Energietechnik liegen im Jahr 1925, als das Unternehmen vom Ingenieur Josef Martin gegründet wurde – nun, rund 100 Jahre später, ist es noch immer in Familienbesitz, inzwischen in vierter Generation. Mit Tochterfirmen weltweit wirken in den verschiedenen Firmen der MARTIN Gruppe, von den USA über Europa bis nach Asien, mehr als 1.000 Mitarbeiter.
- Gebaut werden „Waste-to-Energy“-Anlagen für die ganze Welt. Jedoch immer individuell – für kommunale Betreiber wie auch für private Firmen.
MARTIN übernimmt nicht nur den Bau der Anlagen, sondern meist auch deren Wartung und Reparatur: Damit eben die Mitarbeiter jederzeit wissen, was im Inneren vor sich geht, sind alle Anlagen mit zahlreichen Sensoren ausgestattet – etwa im Rostsystem, in der Feuerung, in der Entschlackung, der Transportanlage oder auch in der Energiegewinnung.
Betriebsdatenanalyse erfolgte bislang dezentral
Max Schönsteiner, „Head of Research & Development“ der MARTIN GmbH, erläutert: „Wir können mit den Sensoren nicht nur den Zustand der Anlage und einzelner Komponenten überwachen, sondern auch die ,Performance’. Oder ob die Emissionswerte okay sind, schließlich soll hier ja möglichst nachhaltig und umweltschonend Energie entstehen. Die Auswertung der Daten ist aber ziemlich komplex, weil jede Anlage ein Einzelstück mit eigenen Signalen ist und es auch auf andere Faktoren ankommt – zum Beispiel den Standort und die Jahreszeit.“
- Grundsätzlich wandelten sie alles nicht mehr Recyclebare in Energie um. „Wenn regional Obstsaison herrscht und vermehrt feuchte, organische Bestandteile im Abfall anfallen, wirkt sich dies auf den Verbrennungsprozess an diesem Standort aus.“
Um die Vielzahl an anfallenden Betriebsdaten auszuwerten und nutzbar zu machen, sei die Analyse bislang dezentral erfolgt – über unterschiedliche Personen, Werkzeuge und manuelle Exporte. Mit zunehmender Datenmenge und steigender Zahl an Auswertungen sei dieses Vorgehen aber an seine Grenzen gestoßen, „so dass sowohl die wachsenden Anforderungen als auch das Potenzial der verfügbaren Daten nicht mehr ausgeschöpft werden konnten“.
Neue Lösung mit deutlich höheren Datenkapazitäten implementiert
Eine neue Lösung mit deutlich höheren Datenkapazitäten sei erforderlich gewesen. „Die Datensouveränität war uns sehr wichtig. Nicht, weil es in unseren Anlagen um hochempfindliche Daten geht, sondern weil wir durch unseren Entsorgungsauftrag Teil der Kritischen Infrastruktur sind und nicht in die Abhängigkeit eines großen ,Hyperscalers’ geraten wollten“, berichtet Schönsteiner.
- Sie hätten daher nach einer intuitiven Lösung aus Deutschland oder Europa, vorzugsweise auf Open-Source-Basis, gesucht – nach einer Marktanalyse habe man sichfür die Datenplattform von Stackable entschieden.
Der Aufbau der Stackable-Datenplattform habe im Januar 2023 begonnen und nach rund neun Monaten habe ein „Minimum Viable Product“ (MVP) zur Verfügung gestanden – also eine frühe gangbare Version. Die vollständige Umsetzung bis zur produktiven Betriebsumgebung sei innerhalb von etwa zwei Jahren erfolgt. Inzwischen sei diese Datenplattform an allen Standorten im Einsatz.
Sehr große Datenmengen können analysiert und ohne Verluste verarbeitet werden
Schönsteiner und seine Kollegen entschieden sich für die „Cloud“-Version, gehosted vom deutschen Anbieter IONOS – „dank der Open-Source-Möglichkeiten von Stackable und dessen universeller Technologiebasis ,Kubernetes’ können wir aber jederzeit nahtlos zu On-Prem wechseln, wenn wir möchten“.
- Innerhalb kürzester Zeit habe sich die „Data Platform“ bei MARTIN bewährt: Beispielsweise durch die in Stackable enthaltene Analyse-Engine „Apache Spark“, mit welcher die Mitarbeiter selbst sehr große Datenmengen analysieren und ohne Verluste verarbeiten könnten – pro Linie seien es täglich rund 10 Gb an Daten. Statt dezentraler Einzelauswertungen stünden dem Team heute alle relevanten Anlagenparameter zentral und konsistent zur Verfügung.
Ein großer Vorteil für MARTIN ist dabei nach eigenen Angaben die Datenharmonisierung: Die Mitarbeiter könnten Daten aus verschiedenen Sensoren und Anlagen vereinheitlichen und vergleichen, wodurch sie tiefergehende Einblicke in alle Phasen der Müllverbrennung bekämen.
Kombination physikalisch-thermodynamischer Modelle mit Messdaten und weiteren betrieblichen Informationen
Schönsteiner führt weiter aus: „Wir kombinieren nun physikalisch-thermodynamische Modelle mit Messdaten und weiteren Informationen aus dem Betrieb. Oder anders gesagt: Erfahrung trifft auf Technik.“
- Für das Personal bedeute dies weniger Aufwand, geringere Kosten und mehr Kapazitäten für sich selbst zu haben, etwa um das gewonnene Wissen in den Bau zukünftiger Anlagen einfließen zu lassen. Vor allem bedeute es aber auch, dass die Mitarbeiter deutlich schneller mögliche Fehlerquellen identifizieren und beheben könnten.
Dies sei auch im Servicebereich ein wichtiger Vorteil für die Kunden von MARTIN. Die Münchner lieferten ihnen detaillierte Analysen und Berichte zu den Betriebsdaten, auf welche die Verantwortlichen ihre Entscheidungen stützen könnten.
Datensouveränität als echtes Alleinstellungsmerkmal gegenüber Neukunden
Zudem bekämen sie mit der „Data Platform“ die Möglichkeit, kommende Services und Wartungen vorausschauend zu planen und unnötige Stillstände zu vermeiden – Schönsteiner erklärt: „Wenn bei unseren Anlagen mal etwas nicht funktioniert, sind davon sehr schnell sehr viele Menschen betroffen. Und deswegen stehen wir unseren Kunden auch nach der Gewährleistung bei allen Anliegen zur Verfügung.“ Bei Gesprächen mit potenziellen Neukunden sei Stackable und die damit einhergehende Datensouveränität ein echtes Alleinstellungsmerkmal.
- Mehr als 1.000 Entsorgungslinien von MARTIN gebe es aktuell weltweit. Möglichst viele davon möchte MARTIN in den kommenden Monaten und Jahren mit dieser Datenplattform ausstatten. Auch darüber hinaus habe das Unternehmen langfristige Pläne mit Stackable – die Verknüpfung der Daten weiter auszubauen, die Analysen und daraus entstehenden Datenprodukte weiter zu optimieren und so letztendlich einen noch besseren Service für alle Kunden und Partner bieten zu können.
Laut Schönsteiner hat sich das Projekt schon jetzt gelohnt: „Für Außenstehende sieht die thermische Abfallbehandlung womöglich recht einfach aus, in Wirklichkeit ist es aber ein hochkomplexer Vorgang. Wir sind froh, diese Komplexität jetzt mit Stackable managen zu können – und das wirklich einfach.“ Die Einführung dieser Datenplattform sei für alle Beteiligten ein voller Erfolg. Sie bekämen ganz neue Einblicke, könnten schneller und effizienter handeln und ihren Kunden einen echten Mehrwert bieten.
Weitere Informationen zum Thema:
Linkedin
Max Schönsteiner / Head of R&D – MARTIN GmbH
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