Aktuelles, Experten, Studien - geschrieben von dp am Montag, Februar 23, 2026 0:18 - noch keine Kommentare
ePA: Große Mehrheit gesetzlich Versicherter verwaltet elektronische Patientenakte nicht aktiv
Nach aktuellen Erkenntnissen der Verbraucherzentrale funktionieren Verwaltung und Authentifizierung mitunter nicht einwandfrei und sind technisch kompliziert – der Bedarf der Patienten muss bei der ePA-Weiterentwicklung im Mittelpunkt stehen
[datensicherheit.de, 23.02.2026] Laut einer aktuellen Stellungnahme vom Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv) zur elektronischen Patientenakte (ePA) bietet diese zwar viel Potenzial, bislang aber noch wenig Nutzen. Er hat in diesem Zusammenhang Ergebnisse einer repräsentativen Befragung und einen Bericht zur ePA veröffentlicht. Im Rahmen einer repräsentativen Telefonumfrage vom 3. bis 7. November 2025 hat forsa demnach im vzbv-Auftrag 1.037 gesetzlich krankenversicherte Personen ab 16 Jahren befragt – darunter 1.000 Personen, welche die ePA kennen. Statistische Fehlertoleranz liege bei max. ± 3 Prozentpunkten in der Gesamtstichprobe.

Foto: © Dominik Butzmann / vzbv
Ramona Pop: Bislang bleibt die ePA hinter den Erwartungen zurück…
94% der gesetzlich Versicherten haben Kenntnis von der ePA
Obwohl sehr viele gesetzlich Versicherte die ePA kennen würden (94%), verwalte ein Großteil davon (71%) die eigene Akte nicht aktiv – so ein Ergebnis einer repräsentativen Befragung im vzbv-Auftrag. In einem Verbraucheraufruf hätten Verbraucher fehlende Funktionen, unzureichende Informationen sowie komplizierte Freischaltungsprozesse als Hürden im Umgang mit der ePA benannt.
- Die Verbraucherzentrale fordert die Politik auf, die ePA zügig weiterzuentwickeln und dabei die Bedürfnisse der Patienten in den Mittelpunkt zu stellen.
„Die elektronische Patientenakte ist noch nicht im Alltag der Menschen angekommen. Das ist wenig überraschend, denn zentrale Funktionen, wie digitale Impf- oder Bonushefte, fehlen weiterhin. Bislang bleibt die ePA hinter den Erwartungen zurück“, moniert vzbv-Vorständin Ramona Pop in ihrem Kommentar. Damit die ePA ihr volles Potenzial entfalten kann, müsse diese zügig im Sinne der Versicherten weiterentwickelt werden.
Deutliche Mehrheit hat sich aber auch mit der ePA noch nicht auseinandergesetzt
Eine aktuelle repräsentative forsa-Befragung im vzbv-Auftrag zeige: „Die große Mehrheit der gesetzlich Versicherten, die schon einmal von der ePA gehört haben, verwaltet ihre ePA nicht aktiv (71%). Ein weiterer Teil (9%) hat Widerspruch dagegen eingelegt oder sie löschen lassen.“
- Die Gründe, warum Versicherte ihre ePA nicht aktiv nutzen, seien vielfältig: Die Befragten gaben mehrheitlich an, dass sie sich noch nicht mit der ePA auseinandergesetzt hätten (75%).
Jeder Dritte sehe keinen persönlichen Nutzen in der ePA (33%). Auch Datenschutzbedenken und Sorgen hinsichtlich der Datensicherheit hielten Verbraucher mitunter davon ab, ihre ePA aktiv zu nutzen (jeweils 13%).
Komplizierte Einrichtung der ePA und fehlende Unterstützung moniert
Im Verbraucheraufruf sei mitunter der komplizierte und unübersichtliche ePA- Einrichtungsprozess bemängelt worden. Teils kritisierten Verbraucher auch die unzureichende Unterstützung und unklare Informationen durch die Krankenkassen.
- Außerdem sei bemängelt worden, dass sich nicht immer ausreichend festlegen lasse, wer auf welche Daten zugreifen darf.
Mitunter schilderten Verbraucher, dass die ePA noch nicht im Behandlungsalltag angekommen sei, Arztpraxen die ePA nicht nutzten oder relevante Behandlungsdaten nicht hochladen würden.
Verbraucher-Anforderungen an die ePA
Die Befragung zeige, dass Verbraucher sich bei der ePA insbesondere genaue Steuerungsmöglichkeiten wünschten, wer welche Daten sehen darf (68%).
- „Versicherte müssen genau einstellen können, welche Praxis Zugriff auf welche Informationen erhält. So möchten Patientinnen und Patienten möglicherweise psychotherapeutische Befunde mit der Hausarztpraxis teilen, jedoch nicht unbedingt mit der Zahnarztpraxis“, erläutert Pop.
Ebenfalls wünschten sich Verbraucher digitale Untersuchungshefte (66%) sowie Hinweise auf Wechselwirkungen von Medikamenten (64%) und auf fehlende Impfungen (64%).
Mehr Aufklärung: Krankenkassen und Gesundheitsministerium sollten Versicherte verständlich und umfassend zur ePA informieren
Obwohl 94 Prozent der Befragten bereits von der ePA gehört hätten, bestehe weiterhin erheblicher Aufklärungsbedarf. Dies gelte insbesondere in Bezug auf die Ausleitung von Forschungsdaten, welche ab Ende des Jahres 2026 in pseudonymisierter Form umgesetzt werden solle.
- Nur ein Viertel der Befragten (25%) wisse, dass Daten aus ihrer ePA künftig auch für Forschungszwecke verwendet werden könnten.
„Die Krankenkassen und das Gesundheitsministerium müssen die Versicherten verständlich und umfassend zur ePA informieren. Das kam bislang zu kurz“, unterstreicht Pop. Nur etwas mehr als die Hälfte (54%) der Versicherten habe angegeben, dass sie von ihrer Krankenkasse etwas über die ePA gehört hätten – über ein persönliches Schreiben oder über öffentliche Informationen.
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