Aktuelles, Experten, Studien - geschrieben von dp am Montag, April 27, 2026 0:59 - noch keine Kommentare
Studie von Red Hat: Deutsche Unternehmen abhängig von globalen KI-Anbietern
Nur 57% der deutschen Teilnehmer verfügen über eine definierte Exit-Strategie, falls ihr primärer KI-Anbieter den Zugang zu seinen Diensten plötzlich einschränkt
[datensicherheit.de, 27.04.2026] Red Hat hat am 17. April 2026 eine neue Studie, von Censuswide im Zeitraum vom 20. bis 25. März 2026 zum Thema „souveräne Künstliche Intelligenz (KI)“ durchgeführt, veröffentlicht. Befragt wurden demnach jeweils 100 IT-Entscheider aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und den Niederlanden. Deutlich werde dabei eine Lücke zwischen den vorhandenen Strategien und den tatsächlichen Fähigkeiten, den Geschäftsbetrieb im Ernstfall aufrechtzuerhalten: Nur 57 Prozent der deutschen Teilnehmer gäben an, über eine definierte Exit-Strategie zu verfügen, falls ihr primärer KI-Anbieter den Zugang zu seinen Diensten plötzlich einschränkt. Gleichzeitig erwarten 37 Prozent dieser Unternehmen, dass ein Wechsel moderate bis erhebliche Auswirkungen auf ihre Geschäftskontinuität hätte. Die Ergebnisse dieser Studie deuteten aber auch darauf hin, dass die meisten Unternehmen die Notwendigkeit echter KI-Souveränität erkannt hätten und sowohl die Kontrolle über Daten und Infrastruktur als auch die Verwaltung von externen Anbietern inzwischen als operative Priorität ansähen.
KI-„Governance“ hinkt noch hinterher
Ein deutlicher Nachholbedarf bestehe in Deutschland auch im Bereich „Governance“: Nur 30 Prozent der deutschen Befragten gäben an, über entsprechend ausgereifte Strukturen für ihre „Agentic AI“-Lösungen zu verfügen.
- 29 Prozent berichteten von vorhandenen, aber lückenhaften Regelwerken und weitere 27 Prozent gäben an, dass ihre „Governance“ lediglich die Grundlagen abdecke.
Länderübergreifend verfügten 64 Prozent der Unternehmen über zumindest teilweise oder umfassende Strukturen. Die Gesamtheit der Antworten aller Teilnehmer zeige indes deutlich, dass die „Governance“-Reife mit der schnellen Verbreitung von „Agentic AI“ noch nicht Schritt halten könne.
Im Fokus: KI-Souveränität und „Open Source“
Mit der zunehmenden Integration von KI in zentrale Geschäftsprozesse steige auch die Bedeutung der Transparenz weiter an. So gäben ganze 51 Prozent der deutschen Unternehmen an, vollständig nachvollziehen zu können, wo ihre Daten gespeichert, verarbeitet und potenziell zugänglich sind.
- Gleichzeitig räumten damit aber auch 46 Prozent ein, keinen vollständigen Überblick zu haben, lediglich bei drei Prozent bestünden erhebliche Lücken. Die Zahl der deutschen Entscheider, die sich eine vollständige oder zumindest teilweise Transparenz zuschreiben, liege damit bei 97 Prozent.
Mit diesem starken Wert rangiere Deutschland im direkten Vergleich an erster Stelle vor anderen europäischen Ländern, etwa den Niederlanden oder Italien mit jeweils 90 Prozent.
Mehr Kontrolle darüber, wie KI entwickelt wird und wo sie läuft
Um die weiterhin vorhandenen Lücken in Sachen Transparenz und Kontrolle zu schließen, sähen 69 Prozent der IT-Entscheidungsträger in „Open Source“ den entscheidenden Hebel.
- Dieser Ansatz bietet ihrer Meinung nach mehr Kontrolle darüber, wie KI entwickelt wird und wo sie läuft – wichtige Voraussetzungen dafür, Abhängigkeiten zu vermeiden und die Souveränität zu stärken.
Für die kommenden drei Jahre erwarteten die Befragten die größten Beiträge von „Open Source“ zu einem wachsenden Vertrauen in KI-Lösungen durch mehr Kontrolle über die Entwicklung und den Betrieb von KI (69%), eine größere Anpassbarkeit an geschäftliche und regulatorische Anforderungen (68%) sowie mehr Transparenz und eine bessere Prüfbarkeit (68%).
Deutsche Unternehmen offen für politisch gesetzte Standards für vertrauenswürdige, souveräne KI
Deutsche Unternehmen zeigten sich zudem offen für politisch gesetzte Standards für vertrauenswürdige, souveräne KI: 72 Prozent der Befragten sprächen sich dafür aus, dass der Gesetzgeber „Open Source“-Prinzipien wie Transparenz, Prüfbarkeit und entsprechende Lizenzmodelle vorgeben sollte, um Unternehmen beim Erreichen von KI-Souveränität zu unterstützen.
Zentrale Erkenntnisse aus der aktuellen KI-Umfrage von Red Hat auf einen Blick:
- Nur 57 Prozent der deutschen Unternehmen hätten eine Exit-Strategie, falls ihr primärer KI-Anbieter den Zugang einschränkt. Gleichzeitig sagten 37 Prozent dieser Unternehmen, dass ein Wechsel moderate bis erhebliche Auswirkungen auf die Geschäftskontinuität hätte.
- 46 Prozent hätten nur teilweise Einblick, wo ihre Daten gespeichert, verarbeitet und potenziell zugänglich sind.
- Nur 30 Prozent verfügten über eine ausgeprägte „Governance“ im Bereich „Agentic AI“.
- 72 Prozent sprächen sich dafür aus, dass die Politik „Open Source“-Prinzipien zur Unterstützung der KI-Souveränität verpflichtend verankert.

Foto: Red Hat
Gregor von Jagow: KI ist in den Unternehmen angekommen, aber Kontrolle und Steuerbarkeit halten nicht im gleichen Tempo Schritt
KI-Souveränität: Fähigkeit, sie kontrolliert zu orchestrieren und auch zu wechseln
Gregor von Jagow, „Senior Director & Country Manager Deutschland“ bei Red Hat kommentiert: „Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Kluft. KI ist in den Unternehmen angekommen, aber Kontrolle und Steuerbarkeit halten nicht im gleichen Tempo Schritt.“
- Hier werde „Open Source“ entscheidend, weil offene Ansätze die Unternehmen dazu befähigten, Abhängigkeiten zu reduzieren und gleichzeitig die Flexibilität zu behalten, unterschiedliche KI-Modelle und Infrastrukturen zu kombinieren.
„KI-Souveränität entsteht nicht durch den Einsatz einzelner Technologien, sondern durch die Fähigkeit, sie kontrolliert zu orchestrieren und im Zweifel auch zu wechseln!“, so von Jagow.

Foto: Red Hat
Hans Roth unterstreicht die Bedeutung regulatorischer Rahmenbedingungen, welche Transparenz und Prüfbarkeit fest in KI-Systemen verankern
KI muss so einsetzbar sein, dass sie Anforderungen an Souveränität, Sicherheit und Regulierung erfüllt
Hans Roth, „Senior Vice President & General Manager EMEA“, bei Red Hat, ergänzt: „In der gesamten EMEA-Region haben sich die Diskussionen auf Vorstandsebene weiterentwickelt. Statt um erste Experimente geht es heute darum, wie sich KI so einsetzen lässt, dass sie Anforderungen an Souveränität, Sicherheit und Regulierung erfüllt.“
- Die Ergebnisse ihrer Studie zeigten hierbei eine klare Unterstützung für „Open Source“-Prinzipien sowie für eindeutige regulatorische Rahmenbedingungen, welche Transparenz und Prüfbarkeit fest in KI-Systemen verankerten.
Roth gibt abschließend zu bedenken: „Diese Antworten machen auch deutlich, dass Unternehmen keine weiteren geschlossenen Einheitslösungen suchen, sondern die Freiheit, unterschiedliche Modelle, Beschleuniger und ,Cloud’-Umgebungen zu kombinieren – und dabei die Kontrolle zu behalten.“
Weitere Informationen zum Thema:
Red Hat
Unser Unternehmen: Entwicklung verbesserter Technologie – nach dem Open Source-Prinzip
Red Hat
Gregor von Jagow – Senior Director und Country Manager Germany bei Red Hat
Red Hat
Hans Roth – Senior vice president and general manager, EMEA, Red Hat
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