Aktuelles, Branche, Studien - geschrieben von am Donnerstag, Januar 1, 2026 0:38 - noch keine Kommentare

Cybersicherheit und Digitale Souveränität: Wie Europa die Kontrolle zurückgewinnen kann

Pierre-Yves Hentzen kommentiert aktuelle Entwicklungen und skizziert Wege zur Digitalen Souveränität Europas

[datensicherheit.de, 01.01.2026] Cybersicherheit, Regulierung und geopolitische Abhängigkeiten rücken das Thema Digitale Souveränität immer stärker in den Fokus europäischer Organisationen – so auch 2026. In seinem Kommentar zum Jahresende 2025 ordnet Pierre-Yves Hentzen, Chairman und CEO von Stormshield, die aktuellen Entwicklungen ein und skizziert Wege zu einem digital souveränen Europa.

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Foto: Stormshield

Pierre-Yves Hentzen: Digitale Souveränität kann zu einer realen, greifbaren Stärke werden – zum Vorteil der Sicherheit, der Wirtschaft und der Zukunft Europas…

Unternehmen in Europa beziehen strategischen Faktor inzwischen systematisch in ihre Technologie-Entscheidungen mit ein

In europäischen Organisationen wachse das Bewusstsein für die Bedeutung Digitaler Souveränität rasant. Die Wahl einer souveränen Lösung bedeute im Cybersicherheitsumfeld eine höhere Widerstandsfähigkeit gegen Cyberangriffe sowie eine gesicherte Datenintegrität, Vertrauen und Entscheidungsautonomie.

  • Laut dem „Barometer Digitale Souveränität 2025“ von Ey betrachteten bereits heute vier von fünf Unternehmen Souveränität als zentrales Kriterium, welches künftig noch erheblich an Gewicht gewinnen werde. „Dieser Trend verdeutlicht einen grundlegenden Wandel im Verständnis der Frage, wie sich Kontrolle über Daten, Infrastrukturen und digitale Technologien zurückgewinnen lässt.“

Die Digitale Souveränität rücke – nicht zuletzt aufgrund wachsender Sorgen um Cybersicherheit, Datenschutz und geopolitische Spannungen – zunehmend in den Fokus. „Unternehmen beziehen diesen strategischen Faktor inzwischen systematisch in ihre Technologie-Entscheidungen ein – sei es bei ,Cloud’-Lösungen, Software oder Partnerschaften –, um Kontrolle und Unabhängigkeit zu sichern sowie die systemische Exponiertheit gegenüber ausländischen Anbietern zu reduzieren.“

Vertrauen schaffen durch digitale Autonomie Europas

Diese Entwicklung wird laut Hentzen den Technologiemarkt nachhaltig prägen und jenen Anbietern Auftrieb geben, welche die zunehmenden Anforderungen an Souveränität erfüllen.

  • Echte Digitale Souveränität setze Lösungen voraus, welche von Beginn an auf lokale Normen ausgerichtet sind und sich nahtlos in regulatorische Rahmen wie die NIS-2-Richtlinie oder den „Cyber Resilience Act“ einfügen.

„Dabei gilt: Souveränität und Leistungsfähigkeit schließen einander nicht aus. Wer auf europäische Cybersicherheitslösungen setzt, die von unabhängigen Behörden wie der französischen ANSSI oder dem deutschen BSI geprüft oder zertifiziert wurden, erhält Technologien, die zugleich zuverlässig, effektiv und souverän sind – ohne dabei den Verlust an Kontrolle über Daten oder Infrastruktur in Kauf nehmen zu müssen.“ Solche Lösungen müssten sich einfach implementieren lassen sowie einen hohen Schutz bieten und dürften gleichzeitig die Produktivität nicht beeinträchtigen.

Behörden in Europa müssen entsprechend qualifiziert werden

Die Wahl einer souveränen Lösung bedeute eine höhere Widerstandsfähigkeit gegen Cyberangriffe sowie eine gesicherte Datenintegrität, Vertrauen und Entscheidungsautonomie. Dazu genüge es nicht, Produkte nur zertifizieren, also nach technischen Sicherheitskriterien bewerten zu lassen:

  • Sie müssten auch durch europäische Behörden qualifiziert werden. Diese Qualifizierung gehe über eine Zertifizierung hinaus: „Sie bestätigt, dass eine Lösung langfristig zuverlässig ist, operative Anforderungen erfüllt und für sensible Umgebungen geeignet ist.“

Werden Quellcodes zusätzlich unabhängig geprüft, lassen sich demnach sowohl unbeabsichtigte Schwachstellen als auch potenzielle Hintertüren erkennen. Dies stärke das Vertrauen und träge unmittelbar zu den Zielen Digitaler Souveränität bei.

Schlüsselakteure bündeln – für eine souveräne Cybersicherheit in Europa

Digitale Souveränität erforder das Engagement aller Beteiligten: Von öffentlichen Institutionen bis hin zu Unternehmen jeder Größe – „alle stehen vor denselben Herausforderungen: dem Schutz von Mitarbeiter- und Bürgerdaten sowie geschäftskritischen und sensiblen Informationen“.

  • Dies erfordere ein gemeinsames Bekenntnis zu vertrauenswürdigen Cybersicherheitslösungen, welche ein souveränes, widerstandsfähiges „digitales Ökosystem“ ermöglichten.

Ebenso notwendig sei ein Konsens zwischen Staaten, deren politische Systeme oder geopolitische Interessen nicht immer mit jenen der Europäischen Union (EU) übereinstimmten.

Stärkung der strategischen Autonomie Europas in Sicherheits- und Digitalfragen

Hentzen betont: „In einem Markt, der weiterhin stark von nicht europäischen Akteuren dominiert wird, ist die Entscheidung zugunsten lokaler Alternativen ein wichtiger Schritt. Sie ermöglicht nicht nur die Rückgewinnung technologischer und datentechnischer Kontrolle, sondern stärkt auch die strategische Autonomie Europas in Sicherheits- und Digitalfragen.“

  • Diese technologische Weichenstellung wirk sich auf die Sicherheit aus und stärke gleichzeitig die Wirtschaft. Die Entwicklung und der Einsatz europäischer Lösungen förderten die Digital- und Cybersecurity-Industrie auf dem gesamten Kontinent und schafften qualifizierte Arbeitsplätze. Umgekehrt bedeute der anhaltend massive Import etwa US-amerikanischer Technologien eine indirekte Finanzierung der US-Digitalwirtschaft – zulasten europäischer Kapazitäten.

Um diese wirtschaftlichen Ziele zu erreichen und die Digitale Souveränität zu stärken, stehen laut Hentzen Organisationen bereits zahlreiche Instrumente zur Verfügung: „Forschungsförderung, Kooperationen und Informationsaustausch zwischen relevanten Akteuren, die Schaffung und Nutzung gemeinsamer Standards sowie ein robuster regulatorischer Rahmen.“ All diese Elemente trügen dazu bei, ein widerstandsfähiges europäisches „Digitalökosystem“ aufzubauen, welches den Anspruch auf Souveränität ebenso erfülle wie den Bedarf an kollektiver Innovation.

Plädoyer für einen gemeinsamen Weg zu einem unabhängigen digitalen Europa

Die Verringerung technologischer Abhängigkeiten bedeute indes auch, sich gegen extraterritoriale Gesetzgebungen abzusichern. „Der ,US Cloud Act’ erlaubt etwa amerikanischen Behörden den Zugriff auf Daten – auch dann, wenn sie außerhalb der USA gespeichert sind. Dieses Beispiel zeigt eindrücklich, welche Risiken eine mangelnde Souveränität birgt: Sie ermöglicht Dritten den Zugriff auf sensible Informationen – möglicherweise sogar ohne Wissen des Eigentümers.“

  • Die wichtigste Aufgabe bestehe also darin, einen breiten kollektiven Schulterschluss zu erreichen – zwischen allen relevanten Kräften des öffentlichen und privaten Sektors. Nur gemeinsam lasse sich ein unabhängiges, sicheres und nachhaltiges digitales Europa gestalten. „Denn Souveränität lässt sich nicht auf die Entscheidungen Einzelner stützen, sondern erfordert ein breit angelegtes, abgestimmtes und ambitioniertes kollektives Handeln.“

Der Wandel habe bereits begonnen. „Öffentliche Institutionen treiben entsprechende Initiativen voran, und in der Praxis äußern Unternehmen und ihre Kunden immer deutlicher den Wunsch nach technologischer Unabhängigkeit. Werden diese Impulse gebündelt, kann Digitale Souveränität zu einer realen, greifbaren Stärke werden – zum Vorteil der Sicherheit, der Wirtschaft und der Zukunft Europas“, so Hentzens Fazit.

Weitere Informationen zum Thema:

STORMSHIELD
Stormshield teams, passionate about cybersecurity

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Pierre-Yves HENTZEN

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BAROMÈTRE DE LA SOUVERAINETÉ NUMÉRIQUE 2025

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